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Mecklenburg-Vorpommern Wegen Coronavirus: Jugendweihe und Konfirmation verschoben

Manuela Schwesig (SPD), Ministerpräsidentin von MV. Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild

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Die beiden zurückliegenden Jahre haben Touristen und Tourismuswirtschaft in MV verwöhnt. Doch die Corona-Krise stürzt die Branche in eine tiefe Krise und Existenzangst. Ministerpräsidentin Schwesig fordert die strikte Einhaltung der Kontaktbeschränkungen.

Schwerin/Rostock (dpa/mv) - Die Corona-Pandemie wird für die Tourismusbranche in Mecklenburg-Vorpommern dramatische Folgen haben. Denn nun fällt wegen des bis 19. April geltenden Reiseverbots das Ostergeschäft aus, üblicherweise der erste Saisonhöhepunkt. Laut Statistik verzeichneten Hotels, Pensionen, Ferienhausvermieter und Campingplätze im Land im April 2019 - auch wegen der Osterfeiertage - rund 2,6 Millionen Übernachtungen. Das waren gut sieben Prozent der zum Jahresende registrierten 34 Millionen Übernachtungen.

In einer verbandsinternen Befragung zu Beginn des Jahres rechneten 62 Prozent der Anbieter noch mit ähnlich guten Geschäften wie 2019, zwölf Prozent sogar mit Steigerungen. Die jüngste Verbandsumfrage aber zeigt nicht nur Ernüchterung, sondern blanke Existenzangst: Demnach rechnen 95 Prozent der rund 900 befragten Unternehmer mit starken Umsatzeinbußen, 40 Prozent mit einem Komplettausfall des Umsatzes.

Schon jetzt zeichneten sich über das Jahr Umsatzverluste von 10 bis 20 Prozent ab, sagte Verbandsgeschäftsführer Tobias Woitendorf. Niemand wisse zudem, wie lange die Krise anhalte und wann der Tourismus wieder in Gang komme. "Das wichtigste ist, dass wir die Betriebe und damit die Arbeitsplätze möglichst alle erhalten."

Die Zahl der Corona-Infektionen lag am Sonntagabend bei 356, das waren 8 mehr als am Tag zuvor. Laut Landesamt für Gesundheit und Soziales mussten oder müssen 32 Menschen im Krankenhaus behandelt werden, 6 davon auf einer Intensivstation. Am Samstag war ein 57-jähriger Mann aus dem Landkreis Ludwigslust-Parchim gestorben, er war der erste Todesfall im Nordosten im Zusammenhang mit dem Coronavirus.

Der Pandemie zum Opfer fallen auch die Jugendweihen im Frühjahr. Der Jugendweiheverein MV sagte zunächst alle Feiern im April ab. Sie sollen nach den Sommerferien nachgeholt werden. "Feierstunden, die für den Monat Mai geplant sind, behalten wir uns vor durchzuführen, soweit die Lage es möglich macht", heißt es auf der Internetseite des mit Abstand größten Anbieters von Jugendweihen im Nordosten.

Auch die Kirchen haben ihre Feiern für Kinder und Jugendliche wegen der Corona-Krise vorerst abgesagt. Die Konfirmationen, für die in Mecklenburg-Vorpommern nach Angaben eines Kirchensprechers rund 1200 Jugendliche angemeldet sind, würden auf unbestimmte Zeit verschoben. Die Konfirmationen finden immer um Pfingsten statt - Pfingstsonntag ist dieses Jahr am 31. Mai. Die katholische Kirche teilte mit, dass Erstkommunionen und Firmungen verschoben werden, bis die Aussetzung der Feier von Gottesdiensten wieder aufgehoben sei.

Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) untermauerte am Montag ihre Forderung nach Einhaltung der verhängten Schutzmaßnahmen im Kampf gegen die Corona-Pandemie. "Schaut euch diese krassen Fotos an! Insbesondere diejenigen, die sich fragen, ob unsere Maßnahmen übertrieben sind", schrieb Schwesig am Montag bei Twitter und verwies auf einen Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" über die Situation im norditalienischen Bergamo.

Schwesig räumte ein, dass den Menschen viel abverlangt werde: "Ich weiß: Es kostet Kraft, den Alltag unter all den Einschränkungen hinzukriegen." Sie rief dazu auf, persönliche Kontakte weiter zu vermeiden und Abstand zu halten. Dazu gehöre auch, auf Urlaubsreisen und Familienbesuche zu Ostern zu verzichten.

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