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Niedersachsen & Bremen Clubs und Festivals leiden unter Corona-Stillstand

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Opernhäuser und Theater mussten in der Corona-Pandemie schließen, das dürften viele mitbekommen haben. Aber auch Clubs und Festivals leiden unter dem Corona-Stillstand - und ein Ende ist nicht abzusehen.

Hannover (dpa/lni) - Menschen tanzen gern in Clubs, es sind aber auch die Orte, wo sich junge Künstler ausprobieren und erstmals auftreten. Oder besser: aufgetreten sind, denn in der Corona-Pandemie bleiben Clubs - und Diskotheken - von den Lockerungen ausgenommen. Seit Monaten kämpft die Club- und Festivalszene mit dem verordneten Stillstand.

"Es ist eine furchtbare Situation: Wir haben alle wirkliche Probleme", sagte Gunnar Geßner, Chef des Verbandes Klubnetz mit landesweit 33 Spielstätten, Festivals und Clubs, am Dienstag. Er geht davon aus, dass die bisherige Unterstützung nicht reichen wird. Die Grünen fordern von der niedersächsischen Landesregierung längerfristige Hilfen für die Clubszene. Laut der niedersächsischen Corona-Verordnung müssen Clubs und Diskotheken geschlossen bleiben.

In Berlin sei das Problem erkannt, in Niedersachsen dagegen sei es "sehr still um die Clubs", sagte die kulturpolitische Sprecherin der Grünen im niedersächsischen Landtag, Eva Viehoff. Im Stufenplan der Landesregierung für den Weg aus der Krise "finden die Clubs nicht statt". Das Problem: Viele Clubs haben nach Einschätzung der Grünen kaum ein finanzielles Polster, langfristige Investitionen sind daher schwierig, die Teams sind klein, der Anteil der 450-Euro-Kräfte hoch. Diese habe die Krise besonders hart getroffen, erklärte Geßner. "Das sind die Hauptleidtragenden, eine ganze Studentengeneration."

Es sei schwer zu sagen, wie viele Clubs konkret bedroht seien, sagte er. Schlimm stehe es um "eine Handvoll" Clubs, geschlossen habe noch keiner. Clubs hätten in der Regel keine hohen Umsätze. Kurzfristige Hilfe sei von der NBank gekommen, rund 8000 Euro, andere Clubs hätten Hilfe aus einem Landesprogramm erhalten, wieder andere seien kommunal gefördert worden. Nur: Es gebe ohnehin ein langsames Club-Sterben, das umso stärker ausfalle, je härter der Immobilienmarkt sei. "Wir haben echte Sorgen. Wenn die Orte weg sind, sind sie weg", warnte er. Landesweit geht Geßner von rund 250 Clubs aus. Festivals seien in den vergangenen Jahren gewachsen - bis zum erzwungenen Corona-Aus.

Viehoff betonte: "Clubs sind Teil der Kulturvielfalt." Sie seien allerdings nicht nur die ersten, die in der Krise zugemacht hätten, sondern vermutlich auch die letzten, die wieder aufmachen dürfen. Ziel müsse dennoch sein, möglichst viele Clubs über die Krise hinwegzuretten. Nach Geßners Worten sind allein bis Anfang Mai mehr als 600 Konzerte abgesagt worden und ausgefallen.

Die Grünen hatten im Juni einen Antrag im Landtag vorgelegt, der helfen soll, die Club-Szene am Leben zu halten. Neben finanzieller Unterstützung geht es darin nach Viehoffs Worten darum, Clubs im Planungsrecht als Kulturstätten anzuerkennen und zu fördern und sie nicht länger als Vergnügungsstätten wie Spielotheken zu behandeln. Das würde "das Bestehen von Clubs erleichtern", sagte Viehoff - und auch die Genehmigung neuer Clubs. Über den Antrag solle nach der Sommerpause im Landtag beraten werden.

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