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Niedersachsen & Bremen Die Verentung der Welt

Eine Frau steht in der Ausstellung

(Foto: Moritz Frankenberg/dpa)

Da sträubt sich doch der Bürzel: Es scheint eine Parallelwelt zu geben - von Enten beherrscht. Kunst, Geschichte und Archäologie scheinen das zu belegen auf der "Duckomenta". Die Künstler, die die Kunst verfremden, haben eine klare Meinung zu ihren Werken.

Hannover (dpa/lni) - Tatsächlich, sie lächelt. So gut man das mit einem Schnabel eben kann. Wer braucht dann noch die echte Mona Lisa? Mit Entenschnabel wird sie erst zum Hingucker. Und wer wusste, dass Julius Caesar eine Ente war? Dass die sagenhafte Wölfin mit Romulus und Remus zwei - Enten säugte? Und dass das berühmte Bildnis Albert Einsteins mit herausgestreckter Zunge eigentlich eine Ente zeigt?

Was ursprünglich mal als Kritik am Umgang mit Kunst gedacht war, ist heute vor allem ein großer Spaß - die "Duckomenta" zeigt die Verentung der Welt. Denn: "Wie würde sich die Wahrnehmung von Kunst und Kultur ändern, wenn es die Enten wirklich gäbe?", fragte Anke Doepner, Geschäftsführerin der Berliner Künstlergruppe "interDuck", am Donnerstag in Hannover. Das dortige Landesmuseum zeigt vom 10. Juli 2020 bis zum 11. April 2021 über 300 Exponate von vermeintlichen Fossilien der menschenähnlichen Enten über die Renaissance bis zum 20. Jahrhundert - Meisterwerke der Kunstgeschichte mit Entenschnabel.

Im Sinne einer Fabel werde den Besuchern ein Spiegel der Kultur vorgehalten - "aber so, dass man zum Schmunzeln oder auch lauten Lachen veranlasst wird", sagte Doepner. Die Künstlergruppe hat das Enten-Paralleluniversum in den 1980er Jahren ins Leben gerufen - es begann eher als Spaß an der Kunsthochschule Braunschweig. Nach Angaben der Veranstalter haben inzwischen rund 2,1 Millionen Besucher in über 70 Museen die witzigen Werke bewundert. "Es ist ein Selbstläufer geworden", sagte sie. Mittlerweile gebe es insgesamt gut 600 Originale, über die Hälfte davon sei in Hannover zu sehen. Nach Veranstalterangaben ist dies die bisher umfangreichste "Duckomenta".

Zu sehen sind Klassiker - eine Enten-Version der Nofretete-Büste, die "Duckfretete", außerdem "Che Duckevara", ein Selbstbildnis von "van Dugh" - Vincent van Gogh mit Entenschnabel - oder Kaiserin Sissi und ihr Franz-Joseph ebenfalls beschnäbelt. Oder Rembrandt wird parodiert - zu sehen ist ein Erpel mit Goldhelm. Zwischen den Seerosen von Claude Monet schwimmt - na klar - eine Ente. Selbst das Kino scheinen die Enten erobert zu haben - wer wusste schon, dass "Der blaue Engel" mit Marlene Dietrich eigentlich "Die blaue Ente" heißen müsste?

Auch ein eigenes Werk des Landesmuseums erlebt die Verentung: Zu der "Dame am Strand von Viareggio" von Isaac Israels schuf "Duckomenta-Künstler Ommo Wille eine fast originalgetreue Kopie: Die "Ente am Strand". Einige Enten sollen sogar in der Dauerausstellung des Museums versteckt sein. Die Verfremdung großer Kunst ist ein harter Job, wie Doepner erklärte. Die geistige Arbeit vorher sei enorm, das Bild dann im Vergleich "schnell gemalt" - vor allem im Falle impressionistischer Kunst, die vom schnellen Pinselstrich lebt.

Seit 1986, damals mit 30 Bildern gestartet, ist die "Duckomenta" unterwegs. Verliert sich in der Zeit der Witz, sieht der Betrachter irgendwann nur noch Bilder mit den immer gleichen Entenschnäbeln? Das kann passieren, aber erstaunlich oft haben die Gestalter ganze Arbeit geleistet: Wenn aus dem "Turm der blauen Pferde" von Franz Marc plötzlich blaue Enten mit gänzlich anderen Körperformen werden, und das auch noch überzeugend - das ist auch Kunst. Doepner sagte: "Wir haben immer noch was zu tun, wenn man anfängt, sieht man immer mehr Lücken." 20 Jahre will sie mindestens weitermachen.

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