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Hannover Ex-Fußballtrainer wegen schweren sexuellen Missbrauchs verurteilt

Ein Wegweiser steht vor dem Landgericht. Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa

(Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa)

Er leitete eine Fußball-AG an einer Schule und versprach Jungen eine besondere Förderung. Doch dann verübte er sexuelle Handlungen an ihnen. Die Taten bleiben für mehrere Opfer nicht ohne Folgen.

Hannover (dpa/lni) - Weil er Jungen im Alter von 13 bis 17 Jahren sexuell missbraucht hat, soll ein ehemaliger Fußballtrainer für fünf Jahre und zehn Monate ins Gefängnis. Das Landgericht Hannover verurteilte den 52-Jährigen am Mittwoch unter anderem wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Schutzbefohlenen. Der Mann hatte unter Ausschluss der Öffentlichkeit die Taten gestanden, die sich über anderthalb Jahre bis Juni 2019 erstreckten. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. (Az.: 31 KLs 13/19)

Der Mann hatte als Berufseinstiegsbegleiter an einer Gesamtschule in Ronnenberg bei Hannover gearbeitet und dort auch die Fußball-AG geleitet. Zudem war der gelernte Bäcker als Vereinstrainer in einem anderen Ort aktiv.

Einige der Opfer hätten von einer Karriere als Fußballprofi geträumt, sagte der Vorsitzende Richter Stefan Lücke. Der Angeklagte habe den Jungen dabei seine Hilfe angeboten, einen Sportmanager erfunden und sie zum Treffen mit diesem Mann und vermeintlich medizinischen Untersuchungen in ein Hotel gelockt. Dies sei aber nur ein Vorwand für die sexuellen Handlungen an den Kindern und Jugendlichen gewesen.

Ein mehrfach missbrauchtes Opfer habe wegen der Taten massive Schlafstörungen, müsse Antidepressiva nehmen und werde in der Schule gemobbt. "Fußball spielt er nicht mehr", sagte Lücke. Strafmildernd wertete das Gericht das Geständnis, auch wenn der 52-Jährige seine Motive für die sexuellen Übergriffe nicht habe darlegen können. Er traue sich im Gefängnis nicht aus der Zelle, seine Ehefrau und sein Sohn hätten sich von ihm losgesagt. Mit diesen Folgen müsse er leben.

Teilweise begann demnach der Missbrauch mit Massagen, für die sich die jungen Fußballer ausziehen mussten. Einigen stellte der Angeklagte auch Geld und Turnschuhe in Aussicht. Auch ein zweiter 14-Jähriger spielt kein Fußball mehr. "Für ihn ist der Traum vom Fußballprofi geplatzt", sagte Lücke. Insgesamt hatte der frühere Trainer - ein dicker Mann mit leiser Stimme - neun Kinder und Jugendliche missbraucht.

Den Opfern seien die Taten überaus peinlich, sagte der Vorsitzende Richter. Ein Junge habe nicht einmal als Zeuge aussagen wollen. Laut Anklage geschahen die Übergriffe nicht nur im Hotel, sondern auch in einer Gartenlaube und in der Umkleidekabine der Schule. Der Mann war nach Hinweisen von Eltern auf einem Supermarkt-Parkplatz festgenommen worden. 

Die Staatsanwaltschaft hatte für eine Gefängnisstrafe von sechs Jahren und drei Monaten plädiert, die Verteidigung eine Strafe nicht über fünf Jahre gefordert. 

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