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Niedersachsen & Bremen Gebrauchtwagen-Geschäft erspart Kfz-Branche Schlimmeres

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Freie Händler und Werkstätten sind im klassischen Autoverkauf in Deutschland immer noch die wichtigste Säule. Das Jahr 2020 ging für viele von ihnen mit Einbußen zu Ende - nun könnte es noch ärger kommen. Zwei Trends liefern immerhin etwas Entspannung.

Großburgwedel (dpa/lni) - Das Geschäft mit Gebrauchtwagen und E-Fahrzeugen hat das coronageplagte niedersächsische Kfz-Gewerbe im vergangenen Jahr einigermaßen über Wasser gehalten. Die von Schließungen und oft auch Teilemangel betroffenen Händler und Werkstätten sind nach Angaben ihres Landesverbands vom Mittwoch jedoch weiter unter erheblichem Druck. Sie fordern bessere Konzepte für Lockerungen, um die Pandemie überstehen zu können.

Der Umsatz der Branche in Niedersachsen sank von gut 26,8 Milliarden Euro im Vorjahr auf rund 26,2 Milliarden Euro im Jahr 2020. Als ein Hauptgrund wurden "hohe zweistellige Verluste bei neuen Fahrzeugen" genannt, der entsprechende Verkaufswert rutschte von knapp 12,7 auf etwa 10,9 Milliarden Euro ab. Teilweise auffangen konnte dies in manchen Betrieben der Handel mit älteren Fahrzeugen - hier wuchsen die Erlöse aus Verkäufen von 9,9 auf 11,4 Milliarden Euro.

Dieser Trend zeigte sich ebenfalls im konjunktursensiblen Nutzfahrzeug-Markt. Auch Elektro- und Hybridautos liefen gut, was allerdings mit am Sondereffekt der staatlich-industriellen Kaufprämien lag. "Diese Zahlen spiegelten die Verwerfungen wider, die die hohen Subventionen für die Elektromobilität auslösten", hieß es.

Nachdem die Pandemie bisher von vergleichsweise vielen Unternehmen überbrückt werden konnte, rechnet Verbandschef Karl-Heinz Bley nun mit drastischen Problemen, sollte der aktuelle Lockdown länger anhalten: "Der zentrale Vertriebskanal der volkswirtschaftlich bedeutenden Automobilbranche bleibt dicht, und das schon seit Mitte Dezember 2020." Es drohe ein "desaströses" Autojahr 2021. "Wir alle hoffen, dass es im zweiten Halbjahr besser wird, wenn Test- und Impfstrategien auf stabilen Beinen stehen", sagte Bley.

Die geplanten begrenzten Lockerungen in einzelnen Regionen reichten nicht aus. Gerade im traditionell wichtigen Frühjahrsgeschäft seien andauernde Schließungen gefährlich, wenn gar keine Kunden in die Autohäuser kommen dürften. Zudem hält es die Branche für ungerecht, dass manch andere Firmen wieder aufmachen dürfen. "Ich gönne jedem Gartencenter die Wiedereröffnungen, frage mich aber, wie das Verhältnis Fläche zu Kundenfrequenz aussieht", meinte Bley. "Autohäuser sind keine hochfrequentierten Handelsunternehmen."

Immerhin stieg im vorigen Jahr der Durchschnittspreis je Wagen - auch weil die vorhandenen Kunden sich oft teurere Modelle wie SUVs zulegten. Die meisten übrigen Kennziffern zeigten demgegenüber nach unten. Das Service-Geschäft nahm ab. Die Zahl der neu eingestellten Lehrlinge wurde 2020 deutlich geringer: in der Kfz-Mechatronik um 21 Prozent, bei Automobilkaufleuten sogar um mehr als 27 Prozent.

Im Mai sollen neue Tarifgespräche für das Kfz-Handwerk anlaufen. Die IG Metall verlangt für die Beschäftigten vier Prozent mehr Geld und Möglichkeiten, Lohnzuwächse alternativ in freie Tage umzuwandeln. Dies erklärte der Gewerkschaftsvorstand am Mittwoch nach der Bestätigung der Forderungen, die in den Tarifkommissionen für Niedersachsen und Sachsen-Anhalt aufgestellt worden waren. Verhandlungsführer Markus Wente sieht die Lage zuversichtlich, verwies aber ebenso auf die Risiken eines länger anhaltenden Lockdowns: "Die Branche rüttelt bereits an ihren Ketten und will losstürmen." Manche Betriebe hätten aber 2020 gut verdient. Auch die Vergütung und Qualität in der Ausbildung müssten erhöht werden.

© dpa-infocom, dpa:210414-99-198488/6

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