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Niedersachsen & Bremen Hoffnung im Norden: Kulturhauptstadt 2025 wird verkündet

Autos fahren über die Raschplatzhochstraße und ziehen lange Leuchtspuren. Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa/Archivbild

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Gleich zwei niedersächsische Bewerber sind noch im Rennen um den begehrten Titel Kulturhauptstadt. Er verspricht Impulse für die Kulturszene und den Tourismus. Können sich Hannover oder Hildesheim gegen Chemnitz, Magdeburg und Nürnberg durchsetzen?

Berlin/Hannover (dpa/lni) - Die mit Spannung erwartete Empfehlung für die deutsche Kulturhauptstadt 2025 wird heute in Berlin verkündet. Hoffnung auf den Titel machen sich mit Hannover und Hildesheim noch zwei niedersächsische Bewerber. Sie waren neben Chemnitz, Magdeburg und Nürnberg im Dezember auf die Shortlist gesetzt worden. Die Empfehlung der Europäischen Auswahljury muss von Bund und Ländern in eine formelle Ernennung umgewandelt werden. Die zweite Kulturhauptstadt 2025 stellt Slowenien. In diesem Jahr können sich Rijeka in Kroatien und Galway in Irland mit dem Titel schmücken.

Hannover hat im Auswahlprozess auf Kreativität gesetzt. Beide Bewerbungsbücher (Bid Books) waren Kunstwerke. Die niedersächsische Landeshauptstadt will im Fall des Titelgewinns einen künstlerischen Verhandlungsraum für Themen wie Demokratie, Menschenrechte, Nachhaltigkeit und Digitalisierung schaffen - die "Agora of Europe". Es gehe um eine moderne Interpretation des antiken Versammlungsplatzes Agora, der Wiege der Demokratie, heißt es im ersten Bid Book, das der Schriftsteller Juan S. Guse in Romanform verfasste.

"In Hannover ist eine neue Dynamik und Energie der gegenseitigen Inspiration und Vernetzung weit über die Kulturszene hinaus entstanden", sagte Oberbürgermeister Belit Onay (Grüne) der dpa. "Mit dieser Energie wollen wir kreativ der beginnenden Krise trotzen."

Die nur rund 30 Kilometer entfernte zweite niedersächsische Bewerberstadt Hildesheim versteht sich als Repräsentant des ländlichen Raumes. Die Stadt tritt zusammen mit mehr als einem Dutzend Gemeinden aus dem Umland an. "Wir bewerben uns als Provinz", sagte der Leiter des Projektbüros Hildesheim 2025, Thomas Harling. In ganz Europa sei es wichtig, dass die Stimme der nicht-urbanen Gebiete mehr gehört werde.

Die Kultur in der Provinz sei anders, aber den Metropolen ebenbürtig. Ein Vorteil sei zum Beispiel, dass ein Acker zur Bühne werden könne. In Heersum etwa werden seit 30 Jahren Sommerspiele unter freiem Himmel inszeniert, an den Theaterstücken wirken zahlreiche Menschen aus dem Dorf mit. Seit 2015 ist die Truppe an wechselnden Orten im Kreis Hildesheim unterwegs. Hildesheim wartet aber auch mit weltweit anerkannten Orten auf. So gehören der Hildesheimer Dom und die frühromantische Kirche St. Michaelis bereits seit 1985 zum Unesco-Weltkulturerbe.

Jüngste europäische Kulturhauptstadt aus Deutschland war Essen mit dem Ruhrgebiet (2010). Ausgezeichnet wurden davor auch schon Weimar (1999) und West-Berlin (1988).

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