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Niedersachsen & Bremen Impfkampagne in Niedersachsen verzögert sich erheblich

Sechs Spritzen mit Covid-19-Impfstoff von Biontech/Pfizer. Foto: Marijan Murat/dpa/Symbolbild

(Foto: Marijan Murat/dpa/Symbolbild)

Der ohnehin langsame Impfstart in Niedersachsen verzögert sich wegen Lieferschwierigkeiten des Herstellers spürbar. An der Terminvergabe ab dem 28. Januar für über 80-Jährige, die daheim wohnen, hält das Land aber fest. Auch die Zweitimpfungen laufen wie vorgesehen.

Hannover (dpa/lni) - Die Impfkampagne gegen das Coronavirus verzögert sich in Niedersachsen wegen reduzierter Lieferungen des Biontech/Pfizer-Impfstoffs um mehrere Wochen. Das Impfen von Altenheimbewohnern werde statt Ende Januar nun voraussichtlich erst Mitte bis Ende Februar abgeschlossen werden können, sagte die Vizechefin des Corona-Krisenstabs der Landesregierung, Claudia Schröder, am Dienstag in Hannover. "Wir kommen nicht im gewünschten Tempo vorwärts." Am Freitag hatte der Hersteller Umbauten in seinem belgischen Werk zur Erhöhung der Produktion als Grund für eine vorübergehende Reduzierung der Lieferungen genannt.

Mit dem Impfen von über 80-Jährigen, die noch zu Hause wohnen, könne zum ersten Februar statt in allen nur in wenigen Impfzentren begonnen werden, sagte Schröder. Die übrigen folgten im Laufe des Februars. Die Zweitimpfungen seien in Niedersachsen vom Lieferengpass nicht beeinträchtigt. Am Start der Terminvergabe am 28. Januar werde festgehalten. Neben dem Online-Portal gibt es eine Hotline mit über 250 Beschäftigten, die die Impfwünsche der über 80-Jährigen entgegennehmen. Wer nicht sofort einen Termin erhält, kann sich auf eine Warteliste setzen lassen und wird später mit einem Terminangebot zurückgerufen.

Von der für Januar ursprünglich zugesicherten Menge an Biontech/Pfizer-Impfstoff für Januar werde Niedersachsen nur 60 Prozent erhalten, bezogen auf die nun zugelassene Entnahme von sechs statt fünf Dosen aus einer Ampulle, sagte Schröder. Ab Mitte Februar sollen dann wieder wie ursprünglich geplant 63 000 Impfdosen wöchentlich geliefert werden. Noch nicht klar sei, ab wann der Hersteller dann auch größere Mengen Impfstoff als bislang liefern werden könne, sagte Schröder.

Auch am Dienstag wurde eine Impfstofflieferung von Biontech/Pfizer erwartet, die dann auf die Impfzentren verteilt wird. Weil Landkreise mit langen Lieferintervallen und geringen Liefermengen unzufrieden waren, prüfe das Sozialministerium eine Optimierung des Verteilschlüssels, sagte Schröder. Am Ende bleibe aber die Impfstoffknappheit bestehen.

Vom Moderna-Impfstoff soll nach einer ersten Lieferung von 6000 Dosen in der vierten Januarwoche eine weitere Lieferung mit knapp 10 000 Dosen in Niedersachsen eintreffen. Danach sollen alle 14 Tage 60 000 Moderna-Dosen nach Niedersachsen geliefert werden. Eine konkrete Aussicht auf Lieferungen weiterer Hersteller gebe es noch nicht, sagte Schröder.

Inzwischen wurden 95 044 Menschen in Niedersachsen geimpft. Dies sind etwa 41 000 Bewohner von Heimen und etwa 45 000 Heimbeschäftigte. Wie Schröder mitteilte, sind bereits etwas mehr als die Hälfte der Bewohner und etwas weniger als die Hälfte der Heimbeschäftigten geimpft. Zu den übrigen Geimpften zählt auch Klinikpersonal.

Der Landkreis Cloppenburg hat die Impfungen in den Pflegeheimen nach eigener Auskunft bereits abgeschlossen. Er setzt jetzt darauf, über 80-Jährige, die nicht in Heimen wohnen, in mobilen Impfzentren die schützende Spritze zu geben. Der Start des vom Land unterstützten Pilotprojektes in der Sportschule von Lastrup am Samstag sei sehr erfolgreich gewesen, sagte Landkreissprecher Sascha Sebastian Rühl am Dienstag. Von 400 angeschriebenen Senioren aus der Gemeinde seien 347 geimpft worden.

Der Landkreis will solche Pop-Up-Impfzentren auch in anderen Orten anbieten, etwa in einem Hallenbad - allerdings fehlt im Moment das Vakzin. "Wir müssen abwarten, wann wir wieder Impfstoff bekommen", sagte der Sprecher. Das Sozialministerium begrüßte den Test im Kreis Cloppenburg. "Das ist in unserem Sinne, das so etwas erprobt wird, auch mit Blick auf die Impfungen auf den Inseln", sagte Ministeriumssprecher Oliver Grimm.

Unterdessen bezeichnete die Vize-Krisenstabschefin die Corona-Lage als "nach wie vor ernst". Die Zahl der an einem Tag erfassten Todesfälle in Zusammenhang mit dem Coronavirus erreichte am Dienstag einen Höchststand von 83 Toten. Die nachgewiesenen Infektionen stiegen um 598 auf 129 922 in Niedersachsen. Der landesweite Sieben-Tage-Wert der Neuansteckungen pro 100 000 Einwohner betrug 102,3. Als kritisch für die Nachverfolgung der Kontakte der Infizierten gilt ein Wert über 50. Die Auslastung der Krankenhäuser sei weiter "auf hohem Niveau", sagte Schröder.

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