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Niedersachsen & Bremen Jagd auf Problemwolf kostet Land mehr als 83 000 Euro

Ein Wolf streift durch ein Gehege. Foto: Julian Stratenschulte/Archivbild

(Foto: Julian Stratenschulte/dpa)

Seit gut einem halben Jahr müht sich das Umweltministerium, den Leitwolf des Rodewalder Rudels zur Strecke zu bringen. Die Jagd blieb bislang ohne Ergebnis - verursacht aber erhebliche Kosten. Die Grünen halten das Unterfangen für sinnlos.

Hannover (dpa/lni) - Die erfolglose Jagd auf den Rodewalder Wolf hat das Land Niedersachsen bislang mehr als 83 000 Euro gekostet. Dies geht aus einer Antwort der Landesregierung auf eine Anfrage der Grünen im niedersächsischen Landtag hervor. Der Grünen-Landtagsabgeordnete und frühere Agrarminister Christian Meyer kritisierte die Kosten als unverhältnismäßig.

Wie es in der Antwort der Landesregierung heißt, hat allein in der Zeit bis Mai ein "Dienstleister" dem Land Kosten von 48 201,64 Euro in Rechnung gestellt. Das Umweltministerium wollte auch auf Nachfrage nicht genau erläutern, ums was es dabei geht. "Das ist ein Dienstleister, der uns dabei unterstützt, den Wolf zu orten und seiner habhaft zu werden", sagte eine Sprecherin am Mittwoch. Meyer vermutet, dass es sich bei dem Dienstleister um einen Hersteller von Lebendfallen handelt. In den großen, kastenförmigen Fallen sollen Tiere des Rodewalder Rudels gefangen und DNA-Proben entnommen werden. Sollte es sich bei einem der gefangenen Tiere um den Leitwolf handeln, könne dieser anschließend erschossen werden. "Der Wolf muss rechtssicher identifiziert werden", sagte Meyer.

Zur möglichen Verwendung von Lebendfallen sagte die Sprecherin der Umweltministeriums: "Das sind Spekulationen von Herrn Meier, wir äußern uns nicht zu dem genauen Vorgehen." Das Land müsse sicherstellen, dass der richtige Wolf getötet werde. Das Tier müsse nicht unbedingt mit einem Schuss zur Strecke gebracht werden. Denkbar sei auch, den Wolf in einer Lebendfalle zu fangen und einzuschläfern.

Das Land will den Wolf töten, weil er Schutzzäune für Vieh überwunden und Rinder in einer Herde getötet hatte. Das Tier streift durch ein bis zu 600 Quadratkilometer großes Gebiet im Kreis Nienburg. Der Wolf war Ende Januar zum Abschuss freigegeben worden, dies wurde später vom Oberverwaltungsgericht bestätigt. Die aktuelle Abschussgenehmigung läuft bis zum 31. August.

Nach Angaben der Landesregierung sind in der Zeit von Anfang Februar bis Ende Juli "im Zusammenhang mit der versuchten Entnahme des Wolfsindividuums GW717m" in der Landesverwaltung anteilige Personalkosten von 31 628,76 Euro entstanden. Laut Meyer sind dies vermutlich Kosten für die Mitarbeiter des Wolfsbüros, die mit dem Fall befasst sind.

Den Einsatz von Ordnungskräften beziffert die Landesregierung auf 2978,48 Euro. Hierbei handele es sich um "theoretische Personalkosten für Hilfestellung der Polizei" hieß es dazu aus dem Umweltministerium. Tierschützer versuchen, die Jagd auf den Wolf zu stören.

Weitere 1130,50 Euro wurden für "Übertragungskosten für die Aktivierung der GPS-Satellitenhalsbänder" fällig. Das Umweltministerium wollte sich unter Hinweis auf das laufende Verfahren nicht dazu äußern, was sich dahinter verbirgt. "Zurzeit sind in Niedersachsen keine Wölfe besendert", so die Sprecherin. Das Land habe aber auch zu wissenschaftlichen Zwecken großes Interesse daran, in jedem Rudel mindestens ein Tier mit einem Sender zu versehen.

Erstmals war im April 2016 ein Wolf in Niedersachsen mit behördlicher Genehmigung abgeschossen worden, weil er einen Hund angegriffen und zu wenig Scheu vor Menschen gezeigt hatte. Das Kurti genannte Tier war anders als der Rodewalder Rüde mit einem Senderhalsband ausgestattet. Sein Aufenthaltsort konnte deshalb leicht ermittelt werden.

Im Vergleich zu den Kosten für die Jagd nehmen sich die Ausgleichszahlungen, die das Land bisher für Nutztierrisse des Rüden gezahlt hat, bescheiden aus. Für drei Fälle, in denen das Tier wolfsabweisende Zäune überwunden und Rinder angegriffen hat, waren 2458,60 Euro fällig. Ein Übergriff auf Schafe schlug mit 429,10 Euro zu Buche.

"Die erfolglose Jagd hat deutlich mehr gekostet als die Entschädigung der betroffenen Landwirte", kritisierte Meyer. Die Kosten seien unverhältnismäßig. Aus Sicht der Grünen müsse der Schutz der Herden Vorrang haben vor der Jagd auf ein Einzeltier.

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