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Niedersachsen & Bremen Kampfmittelbeseitiger warnen vor Magnetangeln

Mann hält Magnetangel. Foto: Nicolas Armer/dpa

(Foto: Nicolas Armer/dpa)

Wem Fische zu langweilig sind, der probiert es mit einem Magneten an der Angel? Wer so den Nervenkitzel im Gewässer sucht, der findet kuriose Dinge. Der Kampfmittelbeseitigungsdienst und der Anglerverband in Niedersachsen warnen vor einem gefährlichen Hobby.

Osterholz-Scharmbeck (dpa/lni) - Es ist wie eine Schatzsuche im Wasser - und es kommt dabei in Niedersachsen immer wieder zu gefährlichen Zwischenfällen: In Osterholz im Norden des Landes haben Polizei und Behörden jetzt vor dem Magnetangeln gewarnt. Das Hobby sei lebensgefährlich, weil neben Fahrrädern oder Elektroteilen auch immer wieder Munitionsreste oder Blindgänger aus dem Wasser gefischt werden könnten, betonte der Landkreis.

Der Anglerverband Niedersachsen berichtete am Donnerstag, seit Beginn der Corona-Pandemie fragten auffällig viele Menschen beim Verband zu dem Thema an. Und auch der Kampfmittelbeseitigungsdienst warnte am Donnerstag vor dem Hobby.

Beim Magnetangeln wird ein starker Magnet an einem Seil befestigt und in ein Gewässer geworfen. Ziel ist es nicht, Fische aus dem Wasser zu ziehen, sondern metallische Gegenstände vom Grund zu heben und vielleicht etwas Wertvolles zu entdecken.

Im April hielten ein Vater und sein Sohn in Hannover beim Metallangeln eine gefährliche Brandbombe für einen alten Auspuff - sie nahmen den Blindgänger mit nach Hause, dort begann er zu rauchen und die Kampfmittelbeseitiger mussten anrücken. Und im Mai suchten Polizeitaucher nach dem Fund eines Magnetanglers den Fluss Hamme im Landkreis Osterholz ab. Die Beute: Unter anderem ein Handstaubsauger, ein Fahrrad, ein Tischventilator sowie ein Receiver.

Der Landkreis Osterholz betonte, verdächtige Funde müssten umgehend der Polizei oder dem Kampfmittelbeseitigungsdienst gemeldet werden. "Es wird dringend davor gewarnt, diese Gegenstände anzufassen, in ihrer Lage zu verändern oder gar abzutransportieren."

Wie gefährlich die Funde sein können, wissen die Experten vom Kampfmittelbeseitigungsdienst Niedersachsen. "Das reicht von kleinerer Munition wie großkalibriger Gewehrmunition bis hin zur 25 Kilogramm schweren Skoda-Bombe", sagte Sprengmeister Michael Crölle.

Da die Munition scharf sein könnte, sei es bereits gefährlich, diese zu bewegen - oder gar zu erkennen, um was es sich handelt und den Fund aus Schreck wieder ins Wasser zu werfen. Je nach Vorfall werde der Bereich nach einem Fund abgesichert, die Experten des Kampfmittelbeseitigungsdienstes prüften dann vor Ort, was weiter zu tun sei. "Entweder nehmen wir den Fund dann mit oder es wird gesprengt", sagte Sprengmeister Thomas Gellendin.

Fischereibiologe Matthias Emmrich vom Anglerverband Niedersachsen weiß, welche Zugkraft die Magnete teils haben können: "Ich habe persönlich gesehen, wie im Mittellandkanal mit Magneten Einkaufswagen, Verkehrsschilder und auch Motorroller bewegt werden konnten."

Überwiegend seien es Nicht-Angler, die mit Magneten ihr Glück im Wasser suchten, vor allem in letzter Zeit: Seit Beginn der Corona-Pandemie fragten viele Menschen dazu beim Anglerverband an. "Bei den Fragen geht es primär um eine Erlaubnis, mit Magneten angeln zu können. Aber die können wir als Anglerverband nicht erteilen. Das obliegt dem jeweiligen Gewässereigentümer oder Pächter", sagte Emmrich.

Magnetangeln darf laut Landkreis nur mit Genehmigung der Denkmalschutzbehörde und eine Betretungserlaubnis des Grundstückeigentümers betrieben werden. Zudem müssten Natur- und Landschaftsschutzgebiete oder die Brut- und Setzzeit beachtet werden.

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