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Niedersachsen & Bremen Landgericht spricht ehemaligen Polizeichef schuldig

Hans-Ulrich Podehl, ehemaliger Wolfsburger Polizeichef, kommt in den Gerichtssaal. Foto: Sina Schuldt

(Foto: Sina Schuldt/dpa)

Die Wolfsburger Polizeiaffäre um den früheren Inspektionsleiter schlug hohe Wellen - und beschäftigte den Landtag. Ein Verfahren wegen Stalking-Vorwürfen wurde eingestellt. Jetzt sprach ein Gericht den Ex-Polizeichef der Bestechlichkeit schuldig.

Braunschweig (dpa/lni) - Der ehemalige Wolfsburger Polizeichef Hans-Ulrich Podehl ist wegen Bestechlichkeit zu einer Geldstrafe von 11 400 Euro verurteilt worden. Er muss 120 Tagessätze zu je 95 Euro zahlen, wie das Landgericht Braunschweig am Mittwoch entschied. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Geldstrafe in Höhe von insgesamt 12 000 Euro gefordert. Der Verteidiger plädierte für Freispruch. Gegen das Urteil ist Revision möglich.

Podehl nahm die Entscheidung kopfschüttelnd auf. Nach Überzeugung des Gerichts hat er einer Mitarbeiterin des Landeskriminalamtes (LKA) im Jahr 2012 eine Stelle angeboten, wollte dafür aber intimen Kontakt zu der Frau haben. Als Hauptbelastungszeugin in dem Verfahren bekräftige die 56-Jährige den Vorwurf, dass der Ex-Polizeichef sie gefragt habe, ob sie bereit sei, sich "hoch zu schlafen".

Der 63-jährige Angeklagte wies diesen Vorwurf zurück. "Niemals würde ich eine so respektlose Äußerung gegenüber einer Frau machen", sagte er in seinem letzten Wort. Podehl, sein Verteidiger und Unterstützer im Saal wirkten nach dem Urteil konsterniert - Tränen flossen. Das Gericht hielt die Aussage der Frau für glaubhaft und konnte keine Anhaltspunkte für falsche Darstellungen erkennen. Die Aussage Podehls, er könne sich weder an das Gespräch noch an die Frau erinnern, bezeichnete die Richterin als wenig glaubhaft.

Im Oktober 2012 hatte es ein dienstliches Interview zwischen der Frau und Podehl gegeben. Nach diesem Gespräch soll der Inspektionsleiter laut Staatsanwaltschaft die LKA-Mitarbeiterin gefragt haben, ob sie sich vorstellen könne, in seine Inspektion zu wechseln. Er habe eine Stelle, auf der er sie sich gut vorstellen könne. Die spätere Frage nach sexuellen Handlungen stand nach Überzeugung des Gerichts in Bezug zu dem Jobangebot.

Das Ermittlungsverfahren gegen den Ex-Polizeichef war vier Jahre nach dem Interview im Herbst 2016 eingeleitet worden. Kurz zuvor hatte die Staatsanwaltschaft ein anderes Verfahren wegen Stalking-Vorwürfen gegen ihn eingestellt. Dabei war der leitende Beamte in Verdacht geraten, eine Kollegin mit Whatsapp-Nachrichten belästigt zu haben. Die Staatsanwaltschaft erklärte damals, das Verhalten habe nicht die Grenze zur Strafbarkeit überschritten.

Die Affäre hatte aber Wellen bis ins Innenministerium geschlagen. Innenminister Boris Pistorius (SPD) hatte den Braunschweiger Polizeipräsidenten ins Ministerium zitiert. Auch im Landtag hatte Pistorius zu der Affäre Rede und Antwort gestanden. Podehl war seit August 2016 nicht mehr Wolfsburger Polizeichef, arbeitete ab Ende 2017 bei der Polizeidirektion Braunschweig. Inzwischen ist er in Ruhestand.

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