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Niedersachsen & Bremen Marburger Bund: Niedersachsen fehlen Hunderte Ärzte

Ein Arzt trägt ein Stethoskop um den Hals. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa/Symbolbild

(Foto: Rolf Vennenbernd/dpa/Symbolbild)

Niedersachsens Ärzte nehmen die Corona-Krise zum Anlass, um für Verbesserungen im Gesundheitssystem zu werben. Schon vor der Pandemie seien viele Mediziner völlig überlastet gewesen.

Hannover (dpa/lni) - Der Ärzteverband Marburger Bund hat einen Ausbau der gesundheitlichen Versorgung in Niedersachsen gefordert. "Wir brauchen dringend mehr Ärztinnen und Ärzte", sagte Andreas Hammerschmidt aus dem Landesvorstand am Mittwoch. Derzeit kämen auf einen Arzt fast 250 Einwohner - das sei die zweitschlechteste Quote hinter Brandenburg. Insgesamt fehle eine deutlich vierstellige Zahl an Ärzten. Um daran etwas zu ändern, müssten wieder mehr Medizin-Studienplätze geschaffen werden, etwa mit einer medizinischen Fakultät in Braunschweig und dem Ausbau der Unimedizin in Oldenburg.

Der Landesvorsitzende Hans Martin Wollenberg betonte, schon vor der Corona-Krise seien viele Ärzte überlastet gewesen, gerade in den Kliniken. "Das ist ein strukturelles Problem in den Krankenhäusern", sagte Wollenberg. Der Marburger Bund warb aber auch dafür, Ärzte in den Gesundheitsämtern der Kommunen besser zu bezahlen, um den finanziellen Abstand zu den Ärzten an Krankenhäusern zu verringern.

Auf Basis einer Mitgliederbefragung noch vor Ausbruch der Corona-Pandemie erklärte die Gewerkschaft, mehr als die Hälfte der Ärzte in Niedersachsen fühle sich häufig oder ständig überlastet. So leiste fast jeder vierte Arzt im Schnitt mindestens neun Überstunden pro Woche - auch weil viele Stellen nicht besetzt seien, gerade auf dem Land. Neben Ärzten fehlten auch viele Pfleger und Therapeuten.

Vor dem Hintergrund von Corona müsse das Land daher jetzt ein Signal für Verbesserungen im Gesundheitssystem senden, forderte der Marburger Bund. Die Versorgung müsse sich an den Interessen der Patienten orientieren und nicht an wirtschaftlichen Interessen.

Die Ärztekammer Niedersachsen, die am Mittwoch zu einem Digitalgipfel zusammenkam, sieht derweil zumindest in einem Innovationsschub auch eine positive Auswirkung der Krise. "Die Covid-19-Pandemie forciert innovative Technologien", sagte die Präsidentin der Kammer, Martina Wenker. Gerade Hausärzte nutzten mittlerweile häufiger die moderne Technik, um mit ihren Patienten in Kontakt zu bleiben.

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