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Niedersachsen & Bremen Mutter soll Kind in Fluss geworfen haben: Prozess beginnt

Eine Statue der Justitia hält eine Waagschale. Foto: Stefan Puchner/dpa/Archivbild

(Foto: Stefan Puchner/dpa/Archivbild)

Ein Vierjähriger kommt mit Verbrennungen ins Krankenhaus, der Verdacht von Kindesmisshandlung steht im Raum. Dann holt die Mutter ihr Kind aus der Klinik und tötet es - so die Anklage bei einem Prozess in Verden. Die Angeklagte bringt kaum ein Wort heraus.

Verden (dpa/lni) - Wie oft kommt es vor, dass ein ganzer Gerichtssaal mit der Angeklagten mitleidet? Die 40-jährige Frau mit Seidenkopftuch möchte aussagen, aber sie ist verschüchtert und aufgewühlt, weint still und bringt kaum ein Wort heraus. Die Mutter soll ihren vierjährigen Sohn getötet haben: Sie habe ihn in Rotenburg absichtlich von einer Brücke in die Wümme geworfen, sagte Staatsanwältin Pia Geisler am Dienstag zum Prozessbeginn im Landgericht Verden. Das Kind ertrank im Fluss.

Die Anklage lautet auf Totschlag (Az. Ks 101/21). Die Angeklagte habe "einen Menschen getötet, ohne Mörder zu sein", sagte Geisler. Dafür sieht Paragraf 212.1 im Strafgesetzbuch Haftstrafen zwischen fünf Jahren und lebenslänglich vor.

Der Junge war am 2. November 2020 mit schweren Verbrennungen in die Kinderklinik in Rotenburg gekommen. Er musste dreimal operiert werden. Die Mutter mit türkischer Staatsangehörigkeit habe gesagt, dass sie ihn beim Waschen versehentlich mit heißem Wasser verbrüht habe, führte die Staatsanwältin aus. Den Mitarbeitern im Krankenhaus kamen die Verletzungen verdächtig vor, sie wollten das Jugendamt einschalten.

Darauf holte die Mutter ihr Kind aus der Klinik. "Die Angeklagte fürchtete, dass ihr das Sorgerecht entzogen wird", sagte Geisler. In der Vorstellung der Frau habe dies auch bedeutet, dass der Junge nicht als Muslim, sondern als Christ aufwachsen wird.

Deshalb habe sie ihren Sohn über das Geländer der Brücke ins Wasser geworfen, um ihn zu töten. Darauf habe sie Suizid begehen wollen, was aber nicht gelang. Stunden später griff die Polizei in Rotenburg die verstörte Frau auf. In einer nächtlichen Suchaktion wurde die Leiche des ertrunkenen Kindes gefunden. Die Mutter kam erst in ein psychiatrisches Krankenhaus und später in Untersuchungshaft.

Als die Frau über einen Dolmetscher auszusagen versuchte, aber nicht konnte, brach der Vorsitzende Richter Volker Stronczyk das Fragen ab und vertagte die Verhandlung. "Jeder im Saal konnte sehen, dass die Situation für Sie sehr belastend ist", beruhigte er die Angeklagte, als sie sich für ihren Zusammenbruch entschuldigte. "Wir verhandeln das Ganze in Ruhe und Geduld." Der Verteidigerin Daniela Post gab der Richter auf, die Aussage ihrer Mandantin zur nächsten Sitzung am 30. April schriftlich zusammenzufassen.

© dpa-infocom, dpa:210412-99-176713/4

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