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Niedersachsen & Bremen Nie mehr Impfpass suchen: App soll an Impfungen erinnern

Eine Spritze vor dem Schriftzug

(Foto: Friso Gentsch/dpa/Symbolbild)

Die Mehrzahl der Eltern lässt ihre Babys und Kleinkinder gewissenhaft impfen. Doch irgendwann geraten die notwendigen Auffrischungen aus dem Blick. Dies kann im schlimmsten Fall lebensbedrohlich werden. Dem wollen digitale Angebote vorgreifen.

Hannover (dpa/lni) - Viele Menschen wissen nicht, ob sie wirklich alle nötigen Schutzimpfungen gegen ansteckende Krankheiten haben. Der Hausarzt kann dies mit einem Blick in den gelben Impfausweis feststellen, doch dieses wichtige Dokument geht häufig verloren. Abhilfe könnte eine neue Impf-App schaffen. Ziel sei ein offenes System für Patienten und Mediziner, um Impf-Einträge digital zu erfassen und die Daten verlässlich auszutauschen, sagte der Vorsitzende des Hausärzteverbandes Niedersachsen, Matthias Berndt, am Freitag. Mit Impfungen seien schwere Krankheitsverläufe, in Einzelfällen sogar tödliche Komplikationen vermeidbar, betonte er.

Die Hausärzte zwischen Harz und Nordsee wollen in ihren Praxen bis zum 22. Dezember verstärkt für Impfungen werben. "Wir müssen möglichst viele Menschen erreichen und für dieses Thema sensibilisieren", sagte die niedersächsische Gesundheitsministerin Carola Reimann (SPD) zum Start der ersten "Hausärztlichen Impfwochen".

Genaue Zahlen zu Impflücken in der gesamten Bevölkerung liegen nicht vor. Es gebe aber nach Auswertungen und Umfragen einzelner Krankenkassen deutliche Alarmsignale, sagte Jörg Niemann, Leiter des Verbandes der Ersatzkassen (vdek) in Niedersachsen. So habe fast die Hälfte der Kleinkinder im Land nicht alle empfohlenen Impfungen vollständig erhalten. Fast jeder zweite Bundesbürger müsse Impfungen auffrischen. Bei der ersten Masernimpfung stehen die angehenden Schulkinder in Niedersachsen dagegen gut da, die Quote liegt seit Jahren stabil bei mehr als 96 Prozent.

Ärzte tragen alle Impfungen in den Impfpass aus Papier ein, der einen sein ganzes Leben lang begleitet. Patienten können aber darin gar nicht selbst erkennen, ob und wann sie eine Auffrischung benötigen. Die "impf.app" soll künftig daran erinnern, wann wieder eine Spritze notwendig ist. Impflücken bestehen nach Angaben des Landesgesundheitsamtes vor allem bei jungen Erwachsenen. In Niedersachsen waren zum Beispiel von den bislang 87 gemeldeten Masernfällen in diesem Jahr mehr als die Hälfte der Erkrankten über 20 Jahre alt.

Vom 1. März kommenden Jahres an gilt bundesweit eine Masern-Impfpflicht. Eltern müssen dann vor der Aufnahme in Kitas oder Schulen nachweisen, dass ihre Kinder geimpft sind. Greifen soll die Impfpflicht auch für Lehrer und Erzieherinnen sowie für Personal in medizinischen Einrichtungen. Daher sind nach Behördenschätzungen in Niedersachsen etwa 157 000 zusätzliche Impfungen notwendig.

Begleitend müssten die Öffentlichkeit besser aufgeklärt und niedrigschwellige Impfangebote gemacht werden, sagte der Präsident des Landesgesundheitsamts in Hannover, Matthias Pulz. Den digitalen Impfpass bewertet er positiv: "Zu begrüßen ist jede Maßnahme, die Impfhindernisse abbaut. Dazu gehören auch elektronische Dokumentationshilfen und Erinnerungsfunktionen." Einzelne Krankenkassen bieten bereits Erinnerungs-Apps für ihre eigenen Versicherten an, das Berliner Robert-Koch-Institut hat eine Impf-App für Ärzte entwickelt.

Die neue "impf.app" der Hausärzte soll im kommenden Jahr an den Start gehen, Entwicklungspartner ist die Gesellschaft zur Förderung der Impfmedizin. Sie begleitet auch ein Projekt der Krankenkasse AOK mit den Kassenärztlichen Vereinigungen Sachsen und Thüringen. Langfristig sollen unter anderem auch Impf-Empfehlungen für Fernreisen eingebaut werden.

Informationen zur "impf.app"

Kampagne Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung "Deutschland sucht den Impfpass"

Impf-App des Robert-Koch-Instituts

Liste der empfohlenen Impfungen

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