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Niedersachsen & Bremen Niedersachse will eine Million Glückskekse im Jahr verkaufen

Start-up-Gründer Michael Rohrdrommel öffnet einen Glückskeks. Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa/Archivbild

(Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa/Archivbild)

Wohl jeder ist neugierig auf den Inhalt, kaum aber auf den Geschmack: Glückskekse üben einen ganz eigenen Reiz aus, Delikatessen sind sie deswegen noch lange nicht. Ein Start-up-Gründer aus Niedersachsen meint: Das geht auch besser. Um eines ist er nie verlegen.

Hameln (dpa/lni) - Die besten Fragen stellen ohnehin immer die Kinder: "Papa, warum gibt's keine Glückskekse für Kinder?", fragt die zehnjährige Lina ihren Vater, den Start-up-Gründer Michael Rohrdrommel. Der kann nur feststellen: Stimmt, die gibt es nicht. Also führt man sie ein, etwa 100 Grundschüler denken sich Wissens- und Motivationssprüche für die Zettel im Keks aus. "Das funktioniert bei Kindern wie verrückt", meint der 54-Jährige. Zu den Fragen, die sich die Kinder ausgedacht haben, gehört beispielsweise: "Wusstest Du, dass der größte Hund der Welt eine deutsche Dogge war?"

Rohrdrommel, viele Jahre im Eventmanagement, gründete in Hameln das Start-up Effects Marketing GmbH, um ganz eigene Glückskekse herzustellen - mit Schokoladengeschmack, lactosefrei und vegan. Dazu sollten Botschaften kommen, die die Menschen inspirieren. Warum? Immer habe er sich auf Glückskekse gefreut, jedes Mal sei er enttäuscht worden - vom Geschmack wie von den eher belanglosen Botschaften auf den Zetteln.

Die Folge: Am 4. April 2018 entstand der erste eigene Schokoglückskeks. Etwa 500 Botschaften, viele selbst verfasst, hat er im Programm, ständig kommen neue hinzu. Denn inzwischen schicken Menschen eigene Botschaften für die Glückskekse, die auch verwendet werden - samt Namen des Autors. Und auch der 54-Jährige ist um Botschaften nicht verlegen. Einer seiner Lieblingstexte aus den Keksen lautet - in Kurzfassung: "Sei jeden Tag begeistert von allem, was Du machst". Auch dabei: "Das Wichtigste ist, Dich selbst glücklich zu machen".

Die Herausforderung für den Gründer, seine acht Beschäftigten und drei Azubis: Die Kekse an den Mann und die Frau bringen, Partner in Handel und Wirtschaft finden. Und die Corona-Krise zu überstehen: "Ordentliche Ohrfeigen" habe die Zeit des Lockdowns ihm eingebracht, Aufträge seien verringert oder ganz storniert worden, erzählte der 54-Jährige. Dabei kamen auf der Kölner Süßwarenmesse im Februar Anfragen aus zahlreichen Ländern und von großen Unternehmen. "Es ist für alle schwer", sagte Rohrdrommel.

Dabei sind die Pläne immer noch ambitioniert, eine Million Kekse will das kleine Unternehmen im laufenden Jahr schaffen - nach 550 000 im vergangenen. Mit seinen Keksen hat er 2019 rund 290 000 Euro umgesetzt, 500 000 Euro sollen es nun werden. Gebacken wird in Karlsruhe, Konfektionierung und Verpackung sind in Hameln und in der Nähe in Hessisch Oldendorf angesiedelt - teils im eigenen Hochregallager, teils in paritätischen Werkstätten.

Die Schwierigkeit aber bleibt: "Es ist ein langer, harter Weg, in Deutschland ein Lebensmittelprodukt an den Markt zu bringen", erklärte Rohrdrommel. Und der Markt dafür? Ist "definitiv eine Nische", sagt Solveig Schneider, Sprecherin des Bundesverbandes der Deutschen Süßwarenindustrie.

Glückskekse, die eigentlich vermutlich aus den USA stammen - nicht aus China, wie viele glauben - werden schon länger auch in Deutschland produziert. Größter Hersteller in Deutschland ist nach eigenen Angaben die Sweet & Lucky GmbH im baden-württembergischen Gondelsheim. Das Patent für den Schoko-Glückskeks aber hat: Michael Rohrdrommel.

Am Unternehmenssitz in Hameln ist auch die Handkonfektionierung. Wenn viel zu tun ist, muss das ganze Team ran und Kekse verpacken, erzählt Marketingchefin Julia Weinert. "Anfangs war man sehr langsam und vorsichtig, inzwischen kann jeder alles." Die teils recht persönlichen Botschaften aus den Keksen gehen den Menschen manchmal nahe, sagte Rohrdrommel. "Einmal hat eine Frau vor mir gestanden und geweint." Und ein 85-Jähriger, dessen Frau gerade gestorben war, bekam in seinem Keks den Rat, sich auf sich selbst zu konzentrieren und etwas Neues anzufangen. Da hat er sich einen Hund angeschafft.

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