Niedersachsen & BremenMentoring-Programm soll mehr Frauen für Politik gewinnen

Ein Jahr lang haben 290 Frauen Einblicke in die niedersächsische Kommunalpolitik erhalten. Nun endet das Mentoring-Programm, an dem einst auch eine heutige EU-Spitzenpolitikerin teilnahm.
Hannover (dpa/lni) - Frauen sind in der niedersächsischen Kommunalpolitik weiterhin deutlich unterrepräsentiert – daran soll ein Mentoring-Programm etwas ändern. Der aktuelle Durchgang von "Frau.Macht.Demokratie." endet heute, wie das Gleichstellungsministerium mitteilte. 290 Teilnehmerinnen haben ein Jahr lang Einblicke in politische Arbeit bekommen.
Eine der Teilnehmerinnen ist die Rentnerin Inka Behnsen aus Springe bei Hannover. Mit dem Ruhestand habe sie zunächst nicht viel anfangen können, sagte sie zum Auftakt des Programms im vergangenen Jahr: "Das wollte ich Sinn bringend füllen – für mich und eben aber auch für andere Menschen." Bei ihren ersten politischen Schritten stand ihr der SPD-Landtagsabgeordnete Brian Baatzsch als Mentor zur Seite.
Hintergrund ist die weiterhin vergleichsweise geringe Beteiligung von Frauen in der Kommunalpolitik. Nach Angaben des Ministeriums liegt der Frauenanteil in kommunalen Vertretungen in Niedersachsen bei rund 31 Prozent. "Sehr männlich geprägte Gremien schrecken viele Frauen ab", sagte Staatssekretärin Christine Arbogast.
Das Programm wird vom Gleichstellungsministerium gemeinsam mit der Vernetzungsstelle für Gleichberechtigung organisiert. Seit Anfang 2025 begleiteten die Teilnehmerinnen jeweils eine Mentorin oder einen Mentor bei der Ausübung eines politischen Mandats. Ergänzend gab es Veranstaltungen etwa zu Kommunalrecht, Kandidatur und demokratischen Prozessen.
Prominentes Beispiel
Ob das Programm tatsächlich zu mehr Kandidaturen führt, wird sich erst nach den Kommunalwahlen am 13. September zeigen. Eine wissenschaftliche Langzeitbegleitung gibt es nicht. Nach Angaben der Projektverantwortlichen gibt es aber bereits Teilnehmerinnen, die angekündigt haben, kandidieren zu wollen.
Dass aus dem Mentoring politische Laufbahnen entstehen können, zeigt auch ein prominentes Beispiel: Den Projektverantwortlichen zufolge war im ersten Durchlauf die heutige EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen Teilnehmerin. "Ich denke mal, dass sie auch viele Dinge mitgebracht hat für eine politische Laufbahn, aber das zeigt natürlich, dass man durchaus auch Karriere machen kann", sagte die Leiterin der Vernetzungsstelle, Silke Gardlo.
Strukturelle Hürden bleiben
Arbogast sieht in dem Programm einen wichtigen Baustein, um Barrieren abzubauen. Es gehe nicht um fehlendes Interesse, sondern um Rahmenbedingungen. Sitzungen am Abend oder verpflichtende Präsenz könnten etwa für Mütter ein Hindernis sein, sagte sie. Auch der politische Umgangston wirke abschreckend, Frauen seien in sozialen Netzwerken häufiger persönlichen Angriffen ausgesetzt.
Zugleich richtet die Staatssekretärin einen Appell auch an Männer. "Ich wünsche mir, dass Männer sich stärker in der Frauenförderung engagieren", sagte Arbogast. Auch männliche Mentoren könnten helfen, Machtstrukturen zu erkennen und abzubauen.