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Niedersachsen & Bremen Niedersachsens Wirtschaft bricht in Corona-Krise ein

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Die meisten dürfte es nicht überraschen: Vor der Corona-Pandemie war alles besser. In Sachen Wirtschaft und Konjunktur stimmt das auch, Niedersachsen zählt zu den Ländern mit den stärksten wirtschaftlichen Einbrüchen in der Krise. Und noch etwas verschlechterte sich.

Hannover (dpa/lni) - Die Versuche zur Eindämmung der Corona-Pandemie haben die niedersächsische Wirtschaft im ersten Halbjahr 2020 massiv einbrechen lassen. Die Wirtschaftsleistung sank im Vergleich zum Vorjahreszeitraum deutlich - nur im Saarland, in Bremen und in Baden-Württemberg fiel der Rückgang noch spürbarer aus. Das teilte das Landesamt für Statistik Niedersachsen am Freitag zum Niedersachsen-Monitor 2020 mit. 2019 sei die wirtschaftliche Lage noch stabil gewesen, sagte die Präsidentin des Landesamts, Simone Lehmann. Aber nicht alle Menschen profitierten demnach davon: Mehr als jeder Sechste war im Vorjahr armutsgefährdet.

WIRTSCHAFT UND ARBEITSMARKT: Die Wirtschaft in Niedersachsen gab im ersten Halbjahr 2020 gemessen am Bruttoinlandsprodukt um 7,3 Prozent nach - bundesweit lag der Rückgang bei 6,6 Prozent. Im Saarland sank die Wirtschaftsleistung um 9,5 Prozent, in Bremen um 8,7 Prozent und in Baden-Württemberg um 7,7 Prozent. Die Arbeitslosenquote lag zum 30. Juni mit 6,0 Prozent um 1,1 Prozentpunkte höher als ein Jahr zuvor. Im November sank die Quote in Niedersachsen nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit aber um 0,1 Punkte auf 5,7 Prozent, in Bremen um 0,3 Punkte auf 11,3 Prozent. Dennoch gab es in Niedersachsen zuletzt fast 20 Prozent mehr Arbeitslose als vor einem Jahr, in Bremen gut 18 Prozent.

Im vergangenen Jahr wuchs die Wirtschaftsleistung in Niedersachsen noch um 0,9 Prozent und damit stärker als im Bundesdurchschnitt mit 0,6 Prozent. Die Arbeitslosenquote war 2019 um 0,3 Punkte auf 5,0 Prozent gesunken, die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten erreichte erstmals die Drei-Millionen-Marke. "Datenvergleiche mit dem Referenzjahr 2019 werden zeigen, wie gut und wie schnell Niedersachsen die mit der Corona-Pandemie verbundenen Herausforderungen bewältigt", sagte Lehmann.

ARMUTSGEFÄHRDUNG: Immerhin rund 1,26 Millionen Menschen im Land galten 2019 als armutsgefährdet. Die Armutsgefährdungsquote lag bei 16,0 Prozent, 1,0 Prozentpunkte über dem Vorjahresniveau und damit wie schon 2016 auf dem höchsten Wert seit 2005. Für niedersächsische Verhältnisse sei das ein "ins Auge springender Wert", sagte Lehmann. Das zeige, dass die gute Lage des vergangenen Jahres sich nicht für auf ausgewirkt habe. Die Zahl der Hartz-IV-Empfänger ging 2019 um 5,5 Prozent auf rund 548 500 Menschen zurück.

EINNAHMEN VON LAND UND KOMMUNEN: Das Einnahmeplus in Niedersachsen betrug 3,5 Prozent im Vorjahresvergleich. Gleichzeitig stiegen die Ausgaben von Land, Kommunen und Sozialversicherungen um 4,6 Prozent, bundesweit waren es 5,1 Prozent. Der öffentliche Gesamthaushalt wies einen Finanzierungsüberschuss von 423 Euro pro Kopf aus.

BEVÖLKERUNG: Dank der Zuwanderung wuchs die Bevölkerungszahl in Niedersachsen im achten Jahr in Folge: Ende 2019 lebten rund 7,99 Millionen Menschen im Land, ein Plus von knapp 11 200 Menschen (plus 0,1 Prozent). Wanderungsgewinne hätten das Geburtendefizit von knapp 21 000 Menschen mehr als ausgeglichen. Niedersachsen habe sich der Acht-Millionen-Grenze bei der Einwohnerzahl stärker angenähert, sie im August 2020 sogar überschritten, sagte Lehmann. Mehr als ein Fünftel der Bevölkerung war 65 Jahre alt und älter. Die Zahl der Einbürgerungen stieg 2019 im Vergleich zum Vorjahr deutlich um 29,0 Prozent auf rund 10 930 Menschen. Kurz vor dem Brexit stammten 2216 Menschen aus dem Vereinigten Königreich - 2014 waren es noch 64.

KINDERBETREUUNG: Obwohl sich Niedersachsen bei der Kinderbetreuung in den vergangenen Jahren verbesserte, blieb das Land 2019 weiter unter dem westdeutschen Durchschnitt. Bei den unter 3-Jährigen wurden 32,1 Prozent betreut, bei den 3- bis 6-Jährigen waren es 35,2 Prozent.

UMWELT UND ENERGIE: Die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien erreichte in Niedersachsen 2017 einen Anteil von 45,3 Prozent, das sind 5,1 Prozentpunkte mehr als 2016. Im Bundesdurchschnitt lag der Anteil der erneuerbaren Energien bei 33,1 Prozent. Der Anteil deutlicher geschädigter oder abgestorbener Bäume stieg in Niedersachsen 2019 im zweiten zu trockenen Sommer in Folge um 7 Prozentpunkte auf 27 Prozent. Bundesweit waren es sogar 36 Prozent.

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