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Niedersachsen & Bremen Nochmals deutlich mehr Arbeitslose wegen Corona-Folgen

Das Logo vom Jobcenter spiegelt sich am Eingang. Foto: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa

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Die Lage bleibt ernst: Nach dem sprunghaften Anstieg der Arbeitslosigkeit im April ist der Jobmarkt auch im Mai stark unter Druck. Wo Kurzarbeit nicht weiterhilft, gibt es oft Entlassungen. Ein Trend liefert aber etwas Anlass zur Hoffnung.

Hannover/Bremen (dpa/lni) - Die Corona-Krise hat die Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit im Nordwesten im Mai noch einmal in die Höhe getrieben - es gibt jedoch auch erste Anzeichen einer leichten Besserung. In Niedersachsen waren knapp 261 600 Menschen ohne Job, 6 Prozent mehr als im April. Die Quote stieg um 0,3 Punkte auf 6,0 Prozent, wie die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit (BA) am Mittwoch mitteilte. Im Land Bremen waren fast 41 900 Arbeitslose registriert, das entsprach einer Zunahme um 5,2 Prozent bei einer Quote von 11,4 Prozent (plus 0,4 Punkte). Als positives Signal wertete die Agentur, dass etliche Unternehmen zuletzt wieder mehr offene Stellen meldeten.

"Wir stecken mitten in einer ernsten Wirtschaftskrise", sagte BA-Regionalchefin Bärbel Höltzen-Schoh zu den Folgen der Schließungen und Unterbrechungen während des Lockdowns. "Die Frühjahrsbelebung ist ausgefallen." Normalerweise nimmt die Beschäftigung nach dem Winter zu. Es komme auch zu Entlassungen, während Neueinstellungen fehlten.

Zwar war die Zunahme der Arbeitslosigkeit nicht mehr so stark wie noch von März auf April. Im Vergleich zum Vorjahr zeigt sich aber, wie drastisch die Entwicklung weiterhin ist: Über ein Fünftel (21,4 Prozent) mehr Menschen waren im abgelaufenen Monat in Niedersachsen arbeitslos gemeldet als im Mai 2019. Im kleinsten Bundesland Bremen haben 16,5 Prozent mehr Menschen keinen Job als vor einem Jahr.

Auch die Kurzarbeit bleibt hoch. Seit der Zuspitzung der Viruskrise im März zeigten 78 000 niedersächsische Unternehmen für insgesamt knapp 1,1 Millionen Menschen eine verringerte Arbeitszeit an. Die Zunahme flachte jüngst ab, im Mai kamen 4981 Betriebe hinzu. In Bremen gab es bisher 145 000 Kurzarbeitsanzeigen von 6800 Firmen.

Vorsichtig optimistisch stimmt die Arbeitsmarktexperten die Entwicklung bei den neu gemeldeten offenen Stellen. "Die Anzahl ist im Vergleich zum Vormonat gestiegen, in Niedersachsen um 45 Prozent", berichtete Höltzen-Schoh. Vor allem im Bau, Gastgewerbe, Handel und in der Zeitarbeit gebe es freie Jobs. "Dies könnte darauf hindeuten, dass die jüngsten Lockerungen dazu beitragen, den Markt wieder zu beleben." Halte der Trend an, könnte der Arbeitsmarkt möglicherweise bald "in eine Kleinstnormalität zurückzukehren".

Einstweilen sind die Einkommenseinbußen durch die Pandemie für viele Menschen allerdings beträchtlich. Die Armut könnte sich verschärfen, warnte der Chef der Landesarmutskonferenz, Klaus-Dieter Gleitze: "Wenn sich die Konjunktur nicht rasch nachdrücklich erholt, setzt ein Teufelskreislauf ein." Am Mittwoch beriet die Große Koalition in Berlin weiter über ein Konjunkturpaket, das angesichts der erwarteten schweren Rezession Nachfrage und Investitionen ankurbeln soll.

Die Lage auf dem Ausbildungsmarkt ist ebenfalls kritisch, Unternehmen in Niedersachsen meldeten weniger Lehrstellen. Weil es wegen der Rückkehr zum Abitur nach 13 Schuljahren gleichzeitig weniger Bewerber gibt, hätten junge Leute aber Chancen, so BA-Geschäftsführer Johannes Pfeiffer. Er appellierte wegen des Fachkräftemangels an die Betriebe: "Wir müssen weiter ins Thema Ausbildung investieren. Es ist wichtig, dass wir keinen Corona-Jahrgang bei den jungen Menschen erleben."

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