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Niedersachsen & Bremen OB-Kandidaten setzen auf Wohnen, Bildung und Verkehr

Eckhard Scholz (l-r, CDU), Belit Onay (Grüne), Jessica Kaußen (Linke), Marc Hansmann (SPD) und Joachim Wundrak (AfD) bei einem Diskussionsabend. Foto: Julian Stratenschulte

(Foto: Julian Stratenschulte/dpa)

Jahrzehntelang stellte die SPD den Oberbürgermeister von Hannover. Bei der Neuwahl Ende Oktober ist der Ausgang offen. Alle Kandidaten setzen auf mehr Wohnraum, bessere Schulen und eine bessere Organisation des Verkehrs. Wo liegen die Akzente?

Hannover (dpa/lni) - Gut drei Monate vor der Oberbürgermeisterwahl in Hannover haben die Kandidaten der Ratsfraktionen Wohnen, Bildung und Verkehr als entscheidende Zukunftsthemen benannt. "Wir müssen bauen, bauen, bauen", sagte SPD-Kandidat Marc Hansmann (49), der ehemalige Kämmerer der Stadt, am Montagabend im Presseclub Hannover. Investiert werden müsse in Schulen, Kindergärten und Tausende neue Wohnungen in der beständig wachsenden Landeshauptstadt. Der Kandidat für die CDU, Eckhard Scholz (55), Ex-Vorstandschef von Volkswagen Nutzfahrzeuge, plädierte für ein intelligentes Verdichten des Wohnraums, um in bestehenden Vierteln schnell zusätzliche Wohnungen zu schaffen. Auch die Kinderbetreuung müsse verbessert werden.

"Wir brauchen eine Verkehrswende", forderte der Grünen-Kandidat und Landtagsabgeordnete Belit Onay (38). Seine Vision sei eine autofreie Innenstadt. 250 000 in Hannover angemeldete Autos seien schlicht zu viele, die Staus ließen sich nur bewältigen, wenn weniger Autos unterwegs seien. Auch der AfD-Kandidat und ehemalige Luftwaffengeneral Joachim Wundrak (64) pochte auf den Bau von weiteren Wohnungen und einen Ausbau der Schulen, mehr Sicherheit und Sauberkeit sowie solide Finanzen. Die Linken-Kandidatin und Regionsabgeordnete Jessica Kaußen (29) verlangte, insbesondere darauf zu gucken, für welche sozialen Schichten gebaut werde. Selbst die Mittelschicht könne sich etliche Neubauten nicht leisten.

Aus der Zuhörerschaft bei der Diskussionsrunde im Presseclub kam der Vorwurf, die Visionen der OB-Kandidaten ließen sich mit der bestehenden und oftmals trägen Stadtverwaltung nicht umsetzen. Mehr als 50 Jahre SPD-Herrschaft in Hannover hätten zu einer verfilzten Struktur geführt. Hansmann und Onay wiesen den Vorwurf zurück, nur sehr wenige der Führungskräfte seien Parteimitglieder. Scholz konterte indes: "Filz ist nicht der richtige Begriff, reden wir mal von Monokultur."

Die Neuwahl des Oberbürgermeisters am 27. Oktober wird nötig, weil der bisherige Amtsinhaber Stefan Schostok (SPD) nach einer Anklage wegen schwerer Untreue zurückgetreten war. Er soll von unzulässigen Gehaltszulagen für Spitzenbeamte gewusst und diese nicht gestoppt haben. In der Nachkriegszeit haben bisher stets die Sozialdemokraten den Rathauschef in Hannover gestellt. Die rot-grüne Koalition im Stadtrat kooperiert seit der letzten Kommunalwahl mangels Mehrheit mit der FDP. Bei der Europawahl Ende Mai kamen die Grünen in Hannover auf 31,1 Prozent vor der CDU mit 19,7 Prozent und der SPD mit 19,5 Prozent der Stimmen.

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