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Niedersachsen & Bremen Veranstaltung zum Gedenken an polnische Besatzung verschoben

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Haren (dpa/lni) - Im Mai 1945 wurde die Stadt Haren an der Ems für drei Jahre zu einer polnisch besetzten Stadt. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie haben die Stadt gezwungen, eine Gedenkveranstaltung und eine geplante Ausstellung zum 75. Jahrestag zunächst auf den Herbst zu verschieben. "Wir wären im Moment damit überfordert gewesen, dafür den Rahmen zu schaffen", sagte Bürgermeister Markus Honnigfort (CDU). Auch die Anreise polnischer Gäste sei im Moment kaum möglich.

Die Stadt will ein Dokumentationszentrum mit einer Ausstellung in der Inselmühle, einem denkmalgeschützten Gebäude, einrichten. Das Konzept, erstellt von zwei Historikern, sei fertig, sagte Honnigfort. Die Fertigstellung sei aber wegen der Pandemie in den vergangenen Monaten nicht mehr möglich gewesen.

Die Briten sorgten 1945 dafür, dass die deutsche Bevölkerung ihre Stadt verlassen musste, damit dort polnische Zivilisten einziehen konnten: Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter. Im April 1945 wurden im Emsland unter anderem mehr als 1700 polnische Frauen aus dem Kriegsgefangenenlager Oberlangen befreit, von polnischen Exilsoldaten, die den Alliierten von Großbritannien nach Deutschland folgten. Die polnische Panzerdivision war die treibende Kraft für die Bildung einer "polnischen Besatzungszone". Die Polen gaben Haren den Namen Maczkow, benannt nach dem Kommandanten Stanislaw Maczek. Historiker schätzen, dass zeitweise bis zu 30 000 polnische Zivilpersonen in der Region Emsland, Grafschaft Bentheim und Cloppenburg lebten.

Maczkow entwickelte sich schnell zu einem kulturellen Zentrum. Der britische Komponist Benjamin Britten und der Geigenvirtuose Yehudi Menuhin gastierten in der Stadt. 1948 beendeten die Briten die polnische Episode und ließen die Deutschen zurückkehren.

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