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Niedersachsen & Bremen Zwei Brüder nach tödlicher Messerattacke vor Gericht

Prozess um Messerattacke: Die zwei Angeklagten sitzen im Gerichtssaal im Landgericht Hannover. Foto: Julian Stratenschulte

(Foto: Julian Stratenschulte/dpa)

Der Opernplatz der niedersächsischen Landeshauptstadt Hannover ist ein bei Jugendlichen beliebter Treffpunkt. Zwei junge Männer sollen dort im Februar eine Gruppe von etwa sieben Gleichaltrigen angegriffen haben. Ein 18-Jähriger wurde erstochen.

Hannover (dpa/lni) - Ihren Opfern sollen sie in Rücken, Hinterkopf und Richtung Hals gestochen haben: Ein 18-Jähriger starb an einem zweifachen Lungendurchstich. Zwei 17 und 21 Jahre alte Brüder müssen sich wegen einer tödlichen Messerattacke in der Nähe des Opernhauses seit Donnerstag am Landgericht Hannover verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen unter anderem gemeinschaftlichen Totschlag vor. Ein zweiter 18-Jähriger wurde bei der Attacke lebensgefährlich verletzt. Er saß zum Prozessauftakt als Nebenkläger im Saal. Sowohl die Angeklagten als auch die Opfer sind Afghanen.

Die Hintergründe für die Auseinandersetzung am Abend des 22. Februar sind unklar. Die Beteiligten saßen auf einer Treppe an der Seite der Oper. Der Platz in der Innenstadt ist ein bei jungen Leuten beliebter Treffpunkt. Zwei weitere junge Männer wurden bei dem Messerangriff leicht verletzt.

Am ersten Verhandlungstag lehnte das Gericht einen Antrag der Verteidigung ab, die Öffentlichkeit auszuschließen. Der jüngere Angeklagte sei zur Tatzeit nicht weit entfernt von der Volljährigkeit gewesen, begründete die Vorsitzende Richterin Monika Thiele. Beide können mit einer Verurteilung nach Jugendstrafrecht rechnen - der ältere als Heranwachsender. Zu den Tatvorwürfen äußerten sich die beiden Brüder zu Prozessbeginn nicht.

Die beiden sitzen in der Jugendanstalt Hameln in Untersuchungshaft, sie wurden in Handschellen zur Anklagebank geführt. Mit Kapuzenpulli und Undercut-Frisuren wirkten sie jungenhaft. Beide sind in Teheran im Iran geboren. Der jüngere ging vor der Tat in Lingen zur Schule. Der ältere, der zuletzt in Vechta lebte, soll 2015 nach Deutschland gekommen sein. Von ihren Eltern ist laut Gerichtssprecher nichts bekannt.

Wegen Strafvereitlung mitangeklagt ist ein weiterer 17-Jähriger. Nach der Tat soll das Duo das Messer in einen Papierkorb am Hauptbahnhof geworfen haben. Der mitangeklagte 17-Jährige aus Hannover soll es dort herausgeholt und auf die Gleise geworfen haben, um die Brüder vor Strafverfolgung zu schützen. Für den Prozess sind insgesamt neun Verhandlungstage angesetzt. Das Urteil könnte demnach am 2. Oktober gesprochen werden.

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