Regionalnachrichten

Nordrhein-Westfalen Bistum lässt sexuellen Missbrauch von Historiker aufarbeiten

Eine Außenansicht des Bischöflichen Generalvikariats auf dem Domplatz in Münster (Nordrhein-Westfalen). Foto: Guido Kirchner/Archivbild

(Foto: Guido Kirchner/dpa)

Münster (dpa/lnw) - Das Bistum Münster lässt von einem Historiker Fälle sexuellen Missbrauchs durch Priester, Diakone oder Ordensleute untersuchen. Das Projekt stellte am Mittwoch der Generalvikar Klaus Winterkamp zusammen mit dem Studienleiter vor. Der Wissenschaftler der Uni Münster, Thomas Großbölting, soll in einem mehrjährigen Projekt möglichst exakt Taten von 1945 bis 2018 dokumentieren und aufzeigen, was aufgedeckt wurde und was verborgen blieb. Auch geht es um Strukturen und Haltungen im Bistum, die den Missbrauch ermöglicht haben könnten. Das Bistum sicherte dem Forscher vertraglich freien Aktenzugang und die freie Veröffentlichung des Ergebnisses zu.

Der Professor für Neuere und Neueste Geschichte hat Erfahrung mit komplizierten Ermittlungen: Von 2005 bis 2007 leitete Großbölting die Abteilung Bildung und Forschung bei der Stasi-Unterlagen-Behörde in Berlin. Für die Studie sollen neben der Aktenauswertung auch Betroffene, Beschuldigte und Verantwortliche befragt werden. Ein Ergebnis soll frühestens 2022 vorliegen.

Die katholische Kirche hatte im September 2018 eine Studie zu sexuellem Missbrauch vorgestellt. Demnach sollen zwischen 1946 und 2014 mindestens 1670 katholische Kleriker 3677 Minderjährige missbraucht haben. Im Bistum Münster fanden sich bei 138 Klerikern Hinweise auf Beschuldigungen des sexuellen Missbrauchs Minderjähriger.

Für Empörung hatte im November 2018 die Rolle des 2013 gestorbenen Bischofs Reinhard Lettmann gesorgt. Er hatte als Generalvikar des Bistums in den 1970er-Jahren einen verurteilten pädophilen Priester versetzt und damit neuen sexuellen Missbrauch zahlreicher Kinder und Jugendlicher ermöglichst.

Infos des Bistums zu Missbrauchsfällen

Newsticker