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Nordrhein-Westfalen Coronavirus in NRW: Sechs Infizierte, Hunderte in Quarantäne

Ein Schild an der Gesamtschule Gangelt-Selfkant weist auf die Schließung der Schule wegen des Coronavirus hin. Foto: Henning Kaiser/dpa/Archivbild

(Foto: Henning Kaiser/dpa/Archivbild)

Nach dem Ausbruch des Coronavirus sind in NRW sechs Menschen infiziert. Hunderte stehen unter Quarantäne. Unklar ist immer noch, wie das Virus in den Kreis Heinsberg kam.

Heinsberg (dpa/lnw) - Nach dem Ausbruch des Coronavirus in Nordrhein-Westfalen sind derzeit sechs Menschen nachweislich infiziert. Rund 400 stehen unter häuslicher Quarantäne, wie die Behörden am Donnerstag mitteilten. Darunter sind 300 Menschen, die am 15. Februar in Gangelt im Kreis Heinsberg eine Karnevalssitzung besucht haben.

Unter den Infizierten ist ein Klinikarzt, der am Rosenmontag in Mönchengladbach am Krankenhaus Maria Hilf im Dienst war und dort Kontakt zu zwölf Patienten hatte. Unklar war zunächst noch, wieviele Mitarbeiter sich möglicherweise bei ihm angesteckt haben. Der Arzt befindet sich derzeit in häuslicher Quarantäne und sei angewiesen, dort vorerst zu bleiben.

Ein weiterer Infizierter ist ein Soldat, der am Flughafen Militärflughafen Köln-Wahn für die Flugbereitschaft der Bundeswehr im Einsatz war. Der 41-Jährige wird in Koblenz behandelt. Er zähle nicht zum fliegenden Personal.

Alle bislang bekannten Infizierten hatten nach Erkenntnissen der Behörden Kontakt mit einem Ehepaar aus Gangelt, das im Moment an der Uniklinik Düsseldorf behandelt wird. Der Zustand des 47-jährigen Ehemanns sei unverändert ernst. Den vier Neuinfizierten gehe es vergleichsweise gut. Der Krankheitsverlauf sei bei ihnen weit weniger schwer.

Der Heinsberger Landrat Stephan Pusch (CDU) nahm das infizierte Ehepaar in Schutz: "Sie verdienen unser Mitgefühl, nicht Vorwürfe", sagte Pusch. "Es hätte jeden von uns treffen können. Wer von uns hätte auf fest gebuchte Karnevalsveranstaltungen verzichtet, weil er etwas erkältet ist?", fragte Pusch.

Bernhard Tholen, Bürgermeister von Gangelt, äußerte sich ähnlich: Es gebe im Internet einen regelrechten Shitstorm. "Für die Familie ist das unheimlich belastend", sagte der CDU-Politiker laut Liveblog der "Aachener Zeitung". "Dabei ist das Ehepaar doch selbst Opfer des Virus. Beide sind nicht der Auslöser dieser Krise, sondern haben sich selbst bei irgendjemandem angesteckt", sagte Tholen. "Ich werbe darum, sie in Ruhe zu lassen - zumal der Mann sich in immer noch in einem kritischen Zustand befindet", so Tholen.

Unklar blieb weiterhin, ob die zwei Kinder des Paares erkrankt sind. Zunächst hatten sie keine Symptome gezeigt und wurden in häuslicher Isolation von der Großmutter betreut. Auch die Kinder der Kita, in der die Mutter der Familie arbeitet, zeigten keine Symptome. Ein erkranktes Kind sei getestet worden, aber nicht mit dem Virus infiziert. Die übrigen Kinder sollten noch am Donnerstag auf das Virus getestet werden.

Bei den zwei weiteren bestätigten Covid-19-Fällen handelt es sich um eine Mitarbeiterin des schwer erkrankten 47-Jährigen und ihren Lebensgefährten, wie ein Sprecher des Kreises sagte. Sie zeigten Grippesymptome und seien derzeit zuhause. Eine stationäre Behandlung sei nach jetzigem Stand nicht erforderlich.

Im Kreis Heinsberg bleiben Schulen und Kindergärten bis einschließlich Montag geschlossen. Fußballspiele wurden im Kreis ebenfalls abgesagt. Bevor der 47-Jährige aus Gangelt schwer erkrankte, war er zu einem Nachsorgetermin wegen einer anderen Erkrankung in der Uniklinik Köln. Dort kam er mit 41 Menschen in Kontakt. Alle wurden negativ auf das Virus getestet. Sie sollen aber in Quarantäne bleiben.

"Patient Null", der den Ausbruch in NRW verursacht hat, ist nach Behördenangaben weiterhin unbekannt. Man gehe davon aus, dass er den 47-Jährigen als ersten Patienten der bekannten Infektionskette angesteckt hat. Wegen seines kritischen Zustands konnte der 47-Jährige nicht befragt werden. Er wird nach einem Lungenversagen beatmet.

Im Kreis Heinsberg, dem westlichsten Kreis Deutschlands, in dem rund 252 000 Menschen leben, kämpft ein rund 100-köpfiger Krisenstab gegen die Ausbreitung des Virus. Dort stellten am Donnerstag auch die Amtsgerichte in Erkelenz, Geilenkirchen und Heinsberg den Publikumsverkehr ein. Vom Robert Koch-Institut hieß es, Ziel in Deutschland sei es, eine Erkrankungswelle hinauszuzögern, um zu vermeiden, dass die Covid-19- und die derzeitige Grippewelle zusammenfallen.

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