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Nordrhein-Westfalen Expertentagung: Kinderschutz braucht stärkere Lobby

Schatten von Händen einer erwachsenen Person und dem Kopf eines Kindes an einer Wand eines Zimmers. Foto: Patrick Pleul/Archiv

(Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa)

Fast täglich kommen erschütternde Fälle von Kindesmissbrauch an Licht. Um Gewalt zu verhindern, müssen viele Akteure besser zusammenarbeiten, sagen Experten. Wichtig sind auch die Kinderärzte.

Lünen (dpa/lnw) - Jugendmediziner haben einen besseren Schutz für Kinder vor Gewalt und eine stärkere Lobby für die Kleinsten gefordert. Tagtäglich würden Jungen und Mädchen Opfer von Vernachlässigung, Missbrauch und Misshandlung, sagte Tanja Brüning, Leiterin der Medizinischen Kinderschutzambulanz an der Vestischen Kinder- und Jugendklinik Datteln, am Rande einer Expertenveranstaltung in Lünen. Ärzte fühlten sich "ganz klar zuständig", Gewalt zu erkennen und zu beenden. Doch Mediziner benötigten politischen und finanziellen Rückhalt, um wirksam helfen zu können, betonte die Tagungspräsidentin.

Erschütternde Fälle wie der jahrelange Missbrauch von mehr als 40 Minderjährigen in Lügde zeigten, wie wichtig die enge Zusammenarbeit von Medizinern, Jugendämtern und Strafverfolgungsbehörden sei. Das multiprofessionelle Zusammenwirken müsse besser werden, forderte Bernd Herrmann, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Kinderschutz in der Medizin (DGKiM). An der zweitägigen Veranstaltung nahmen auch Psychologen, Vertreter von Polizei, Staatsanwaltschaften oder Jugendhilfe teil.

"Es geht oft nicht ohne die Expertise von Ärzten - schon beim schwierigen Erkennen von Missbrauch", schilderte Herrmann. Kinderschutz sei sehr komplex, die Diagnose kompliziert, Gespräche mit Eltern, Jugendämtern und vielen Akteure innerhalb der Klinik seien erforderlich, oft brauche es Fallkonferenzen. Nur ein kleinerer Teil dieses großen Zeit- und Finanzaufwands werde in der Regel von den Krankenkassen übernommen. Zudem brauche es eine ganz spezielle Qualifikation. Der Arzt sei Anwalt der Kinder und wichtiger Akteur im Kampf gegen Missbrauch, aber zugleich auf funktionierendes Netz angewiesen.

In NRW wurden 2018 laut Landeskriminalamt 2422 Fälle von sexuellem Kindesmissbrauch bekannt. 2017 hatten sich Jugendämter nach Angaben des Statistischen Landesamts mit fast 39 500 Fällen befasst, in denen Verdacht auf eine Gefährdung des Kindeswohls bestand.

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