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Nordrhein-Westfalen GEW: Testregeln tragen Konflikte in Kitas und Schulen

Ayla Çelik, Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Nordrhein-Westfalen, spricht.

(Foto: Oliver Berg/dpa)

Wenn die Kinder aus den Sommerferien zurück in die Kitas und Schulen kommen, wird es knifflig für Erzieher und Lehrkräfte: Welchem Kind sollten sie einen Corona-Test nahelegen, welches gar nach Hause schicken? "Zu viel verlangt", kritisiert die GEW.

Düsseldorf (dpa/lnw) - Lehrkräfte sind aus Sicht der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) mit den Corona-Testregeln zum neuen Schuljahr in Nordrhein-Westfalen überfordert. "Konfliktpotenzial ist vorprogrammiert", sagte die Landesvorsitzende Ayla Çelik am Montag in Düsseldorf.

Wenn Corona-Symptome erst in der Schule auftreten und kein aktueller negativer Befund vorliegt, können Lehrer einen Test in der Schule nahelegen, aber nicht erzwingen, wie Schulministerin Dorothee Feller (CDU) in der vergangenen Woche erklärt hatte. Schulleiter sind "bei Gefahr im Verzug" allerdings befugt, Schüler vorläufig vom Unterricht auszuschließen.

Eine solche Prognose, ob ein Kind wohl Corona oder nur eine Grippe habe, sei "zu viel verlangt", sagte Çelik. Schulkindern auf dieser Grundlage einen Test aufzuerlegen, sei für Lehrkräfte "eine Gratwanderung", die ihnen nicht aufgebürdet werden dürfe. "Denn ein Nahelegen kann schnell als Druck oder Manipulation interpretiert werden."

Die Erziehungspartnerschaft mit den Eltern werde durch die Neuregelungen sowohl in den Schulen als auch in den Kitas in Mitleidenschaft gezogen - vor allem aber in den Schulen, "weil wir hier von vagen Regelungen ausgehen, die auf Einsicht beruhen", kritisierte die Gewerkschafterin. In den Kitas wird eine Änderung der Corona-Schutzverordnung in Kürze erlauben, Kinder mit typischen Corona-Symptomen künftig von der Betreuung auszuschließen. Damit würden die gesellschaftlichen Konflikte um Corona in Kitas und Schulen verlagert, warnte Çelik.

Auch weitere Vorgaben seien realitätsfern. Dazu zählten die Prämissen der Schulministerin, theoretisch Spielraum für individuelle Corona-Regelungen vor Ort zu lassen, solange weder Schulen geschlossen noch Stundentafeln angetastet würden. Wie das bei einer großen Anzahl von erkrankten Lehrkräften zusammenpassen könnte, bleibe ein Rätsel, bemängelte die Gewerkschafterin. "Das allein in die Verantwortung der Schulen zu geben, ist schlicht zu wenig." Es fehle ein Rahmenkonzept zur Orientierung. Die Ministerin werde nachsteuern müssen.

Nach sechseinhalb Wochen Sommerferien beginnt am 10. August für die meisten der etwa 2,5 Millionen Schülerinnen und Schüler in NRW wieder der Unterricht. Lediglich die rund 171.000 Erstklässler dürfen auch einen Tag später eingeschult werden. NRW war als erstes Bundesland in die Ferien gestartet. Das neue Kita-Jahr hat offiziell am 1. August begonnen.

Çelik forderte darüber hinaus, die im Koalitionsvertrag zugesagte schulformübergreifende Angleichung der Eingangsbesoldungen für alle Lehrämter bis spätestens zur Mitte der Wahlperiode zu vollenden - das wäre Ende 2024. Auch, wenn die GEW eigentlich gar keinen Grund sehe, die Einführung der A13-Besoldung mit einem Stufenplan statt sofort umzusetzen. Auf der Internet-Homepage der GEW läuft ein Countdown bis zu den ersten 100 Regierungstagen von Schwarz-Grün runter. Bis dahin will die Gewerkschaft Fakten statt bloßer Ankündigungen sehen.

Quelle: dpa

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