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Nordrhein-WestfalenGroßprotest: Klimabewegung macht mobil gegen Gaskraftwerke

24.05.2026, 05:01 Uhr
Mehrere-Tage-lang-wird-die-Ruhrgebietsstadt-Hamm-zum-Zentrum-des-Klimaprotests

Tausende Aktivisten und Demonstranten wollen in Hamm ein Zeichen gegen den geplanten Gaskraftwerksausbau setzen - und deutlich machen, dass mit der Klimabewegung noch zu rechnen ist.

Hamm (dpa/lnw) - Ein großes Camp von Klimaaktivisten, eine geplante Großdemo und angekündigte Aktionen zivilen Ungehorsams: Aus Protest gegen den Bau neuer Gaskraftwerke kommen viele Gruppen der Klimabewegung in der kommenden Woche in Hamm im Ruhrgebiet zusammen.

Allein für das Klimacamp rechnet die Polizei mit einer vierstelligen Teilnehmerzahl ab Mittwoch. Der Aufbau einer großen Zeltstadt beginnt an diesem Sonntag. Am 27. Mai beginnt dann das Programm des Klimacamps aus Vorträgen und Workshops.

Riesige Zeltstadt auf ehemaligem Zechengelände geplant

Vor allem am Samstag dürften die Gaskraftwerksgegner dann noch einmal mehr werden: Ein breites Bündnis verschiedener Umwelt- und Klimaorganisationen mobilisiert für eine große Kundgebung an der Lippe. Laut Polizei gehen die Verantwortlichen auch hier von mehreren tausend Demonstranten aus.

Für die Polizei beginnt der groß anlegte Einsatz bereits früher: Im Lippepark, einem ehemaligen Zechengelände, ziehen im Wochenverlauf mehr und mehr Klimaaktivisten ein. Die Polizei geht von mindestens 1.000 Teilnehmern ab Mittwoch aus, es könnten aber auch mehr werden, hieß es. Anreisen sollen sie aus dem ganz Deutschland und dem benachbarten Ausland.

Die Ruhrgebietsstadt Hamm als einstiger Standort eines Atomreaktors und lange Zeit wichtigem Kohlekraftwerksstandort ist nicht zufällig gewählt: "Kaum eine Stadt erzählt die Geschichte deutscher Energiepolitik so deutlich wie Hamm", teilen die Klimaaktivisten mit. Das Camp richte sich nun gegen den von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche geplanten Ausbau neuer Gaskraftwerke, erklären die Aktivisten - ein Ziel, hinter dem sich weite Teile der Klimabewegung zu vereinen scheinen.

Gemeinsam gegen die Gaspolitik der Bundesregierung

Mitte Mai hatte das Kabinett der Bundesregierung einen Gesetzentwurf zum Bau neuer Gaskraftwerke auf den Weg gebracht. Neue Gaskraftwerke sollen im Zuge des bis 2038 geplanten schrittweisen Kohleausstiegs die Versorgungssicherheit mit Strom gewährleisten und künftig als Backups einspringen - in "Dunkelflauten" mit einer geringen Erzeugung aus Solar- und Windenergie.

Für die Klimaaktivisten und Umweltorganisationen ist dies ein Ausdruck einer "rückwärtsgewandten Energiepolitik", Reiche bremse damit die Energiewende aus, heißt es in den Protestaufrufen. Zahlreiche lokale Klimabündnisse und Initiativen unterstützen das Camp, das Wert darauflegt, von keiner politischen Organisation, sondern von ehrenamtlichen Klimaaktivistinnen und -aktivisten getragen zu sein.

Seit Wochen Vorbereitungen für Aktionen zivilen Ungehorsams

Auch das Aktionsbündnis Ende Gelände mobilisiert seit Wochen für Aktionen zivilen Ungehorsams im gesamten Ruhrgebiet - und zwar "angelehnt an die Aktionen, die wir auch im Kohletagebau gemacht haben", wie Sprecherin Tomke Jansen sagt. Geplant seien diese von 28. bis 30. Mai. Es werden mehrere hundert Aktivisten erwartet. "Wir als Ende Gelände gehen an die Orte der Zerstörung und erzeugen dadurch Gegenmacht", erklärt sie. Bekannt wurde das Bündnis durch seine Blockaden im Rheinischen Braunkohlerevier und bei der Räumung des Dorfes Lützerath 2023.

Die Polizei bereitet sich auf verschiedene Einsatzszenarien vor und appellierte in einer Mitteilung: "Personen, die Straftaten begehen, Störungen verursachen oder kritische Infrastruktur gefährden wollen, müssen mit einer klaren polizeilichen Antwort rechnen". Friedlichen Protest unterstütze man dagegen.

Windrad-Weltrekord zum Abschluss einer Großdemo geplant

Seinen Abschluss finden soll der Anti-Gas-Protest in der Demo mit dem Motto "Zukunft statt Gas-Energiewende verteidigen", zu der Fridays for Future, Greenpeace, der BUND sowie Campact aufgerufen haben. Über die genaue Route des Aufzugs, der um 12 Uhr starten soll, sei man noch in Abstimmung, hieß es vom Demobündnis. Plan sei es, in der Nähe des Gersteinwerks, einem Gas- und Dampfturbinenkraftwerk von RWE auf dem angrenzenden Stadtgebiet von Werne, zu starten und auf der Halde Nord Ost in Hamm. Dort wollen die Demonstranten ein riesiges Windrad bilden und so einen Weltrekord aufstellen.

"Wir wollen gemeinsam zeigen, dass die Klimabewegung zurück ist", erklärte eine Sprecherin des Demobündnisses und kritisierte: "Während saubere und sichere Technologien längst bereitstehen, bereitet die Bundesregierung einen fossilen Roll-Back vor und heizt die Klimakrise weiter an."

Quelle: dpa

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