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Nordrhein-Westfalen Mordanklage nach Schuss auf SEK-Beamten in Gelsenkirchen

Paragrafen-Symbole sind an Türgriffen am Eingang zu einem Gericht zu sehen. Foto: Oliver Berg/dpa/Illustration

(Foto: Oliver Berg/dpa/Illustration)

Innenminister Herbert Reul (CDU) sprach vom "schwärzesten Tag in der Geschichte der Spezialeinheiten": Am 29. April wurde ein junger SEK-Beamter in Gelsenkirchen beim Einsatz erschossen. Jetzt wurde ein mutmaßlicher Dealer wegen Mordes angeklagt.

Essen/Gelsenkirchen (dpa/lnw) - Rund drei Monate nach einem tödlichen Schuss auf einen SEK-Beamten in Gelsenkirchen ist Anklage wegen Mordes gegen den mutmaßlichen Täter erhoben worden. Das sagte ein Sprecher des Landgerichts Essen auf Anfrage. Zuvor hatte die "Bild"-Zeitung berichtet.

Laut Landgericht sieht die Staatsanwaltschaft das Mordmerkmal der Verdeckung erfüllt. Demnach wollte der mutmaßliche Drogenhändler nicht, dass die Polizei in seiner Wohnung über ein Kilogramm Marihuana entdeckt. Wegen der Betäubungsmittel wurde der 29-Jährige dem Gericht zufolge ebenfalls angeklagt. Der Prozess ist noch nicht terminiert.

Ein Spezialeinsatzkommando aus Münster sollte Ende April die Wohnung des Verdächtigen stürmen, da es Hinweise darauf gab, dass er eine Schusswaffe besitzt. Ermittelt wurde gegen ihn wegen des Verdachts des Drogenhandels.

Der Mann schoss nach früheren Angaben der Ermittler mindestens zweimal auf die Beamten. Eine Kugel flog durch die Armöffnung der Schutzweste des 28 Jahre alten Beamten, der die Tür aufgestoßen hatte. Wie im Innenausschuss des Landtags im Mai ausgeführt worden war, drang die Kugel zunächst in die Lunge und dann in das Herz ein, wodurch der Polizist verblutete.

Der sogenannte "Sicherungsschütze" des SEK erwiderte laut der Angaben im Innenausschuss das Feuer. Der Verdächtige wurde aber nicht verletzt. Er flüchtete in das Badezimmer, die Tatwaffe fand man in der Badewanne.

Innenminister Herbert Reul (CDU) sprach damals vom "schwärzesten Tag in der Geschichte der Spezialeinheiten" in NRW. Der Beamte war der erste in der Geschichte der Spezialeinheiten des Landes, der bei einem Einsatz getötet wurde.

Bereits kurz nach der Tat war damals eine Sachverständige mit der psychiatrischen Begutachtung des Verdächtigen beauftragt worden. Unter anderem sollte sie laut Justizministerium klären, ob der Mann schuldfähig ist - oder ein Suchtproblem hat. Zu der Begutachtung kam es bisher aber noch nicht, wie einer der beiden Verteidiger des Mannes, Siegmund Benecken, der dpa am Freitag sagte. Sein Mandant werde sich zu Prozessbeginn zunächst nicht zu den Vorwürfen äußern, kündigte er zudem an.

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