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Nordrhein-Westfalen Prozess gegen mutmaßlichen Terroristen aus Kleve gestartet

Eine Statue der Justitia steht mit Waage und Schwert in der Hand. Foto: Arne Dedert/dpa/Symbolbild

(Foto: Arne Dedert/dpa/Symbolbild)

Vor acht Jahren verschwand ein junger Mann aus Kleve am Niederrhein. Vor einem Jahr wurde er in Afrika aufgegriffen. Laut Bundesanwaltschaft trieb er zwischenzeitlich in Syrien als islamistischer Terrorist sein Unwesen.

Düsseldorf (dpa/lnw) - Gut ein Jahr nach seiner Festnahme im westafrikanischen Senegal steht seit Donnerstag ein mutmaßlicher islamistischer Terrorist aus Kleve vor Gericht. Die Bundesanwaltschaft wirft dem 30-Jährigen vor, der terroristischen Al-Nusra-Front angehört zu haben.

Bei ihr handelte es sich um einen Al-Kaida-Ableger. Beim Prozessauftakt im Hochsicherheitstrakt des Düsseldorfer Oberlandesgericht schwieg der deutsche Hauptangeklagte zu den Vorwürfen und wollte auch nichts zu seiner Person sagen.

Sein Verteidiger bezeichnete die Beweislage als dürftig. Das sieht die Bundesanwaltschaft anders. Der Angeklagte habe sich 2013 in kurzer Zeit radikalisiert, in Syrien der Terrormiliz angeschlossen und von ihr im Umgang mit Schusswaffen ausgebildet worden. Bei einem Kampfeinsatz sei er Ende 2013 sogar verletzt worden.

Zudem soll der Mann vom Niederrhein um Geld für seinen Aufenthalt in Syrien und für seine Terrorgruppe gebeten haben. Er war im September 2020 im Senegal festgenommen und Anfang Mai an die deutschen Behörden ausgeliefert worden.

Ins Visier der Fahnder soll der Hauptangeklagte nach Hinweisen australischer und US-amerikanischer Ermittler geraten sein. Die hatten gemeldet, dass der Name des Klevers auf mehreren Western-Union-Überweisungen an Islamisten steht.

Drei Mitangeklagten aus Kleve, Essen und dem hessischen Kelsterbach im Alter von 30, 31 und 34 Jahren wird Terrorfinanzierung vorgeworfen. Sie sollen der Bitte des Hauptangeklagten gefolgt sein und 930 Euro gesammelt haben.

Ein mitangeklagter 34-jähriger Deutsch-Amerikaner und studierter Finanzfachmann sagte am Donnerstag aus, er habe nicht gewusst, dass sein Bekannter aus Kleve als Kämpfer nach Syrien gehen wollte. Er sei davon ausgegangen, dass er dort humanitäre Hilfe leisten wollte.

Es tue ihm leid, damals nicht überprüft zu haben, für welche Gruppe und Zweck das gesammelte Geld gedacht gewesen sei. Das Gericht stellte in Aussicht, das Verfahren gegen den 34-Jährigen einzustellen. Für den Prozess sind bis Mitte Dezember insgesamt 14 Verhandlungstage angesetzt.

© dpa-infocom, dpa:211027-99-760657/3

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