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Nordrhein-Westfalen Rechtsstreit um Wisente: Trägerverein zieht Revision zurück

Wisente laufen auf einer Wiese im großen Gehege der

(Foto: Dieter Menne/dpa/Archivbild)

Bad Berleburg (dpa/lnw) - Im langjährigen Rechtsstreit um Deutschlands einzige freilebende Wisent-Herde hat der Trägerverein des Projekts seine Revision vor dem Bundesgerichtshof zurückgezogen. Nach einem Hinweis aus Karlsruhe, dass eine Revision gegen Urteile des Oberlandesgerichts Hamm nicht erfolgreich sein dürfte, habe man sich dazu entschieden, sagte ein Sprecher des Vereins in Bad Berleburg auf dpa-Anfrage am Mittwoch. Zuvor hatte der WDR berichtet. Um das Artenschutzprojekt im Rothaargebirge gibt es schon länger Streit.

Die inzwischen auf 25 Tiere angewachsene Herde streift nicht - wie eigentlich erwartet - nur durch das Rothaargebirge, sondern auch durch das benachbarte Sauerland und nagt Buchenrinden auf den Grundstücken dortiger Waldbesitzer ab. Der Sprecher des Trägervereins sagte, sobald der schriftliche BGH-Beschluss vorliege, würden die Urteile des OLG Hamm rechtskräftig. Geklagt hatten zwei Waldbauern aus Schmallenberg im Sauerland. Der Wisenteverein müsste die Rinder künftig am Betreten des Grundstücks des einen Klägers hindern und beim anderen Kläger Schäden an den Bäumen durch die Wisente verhindern.

Die Rinder waren in Europa lange fast ausgestorben. Mithilfe von Auswilderungsprojekten und Zuchtprogrammen besonders in Osteuropa ist die weltweite Population wieder auf 8500 Tiere angewachsen. Im Rothaargebirge waren die Tiere 2013 ausgewildert worden. Projektpartner sind der Trägerverein, der Kreis Siegen-Wittgenstein und die Bezirksregierung Arnsberg als Vertreter des Landes NRW.

Der Wisenteverein betonte, man werde sich gemeinsam mit den beiden Partnern um eine Umsetzung bemühen und mögliche Maßnahmen gemeinsam prüfen. Es sei auch auszuloten, ob man zu einer Art von Zusammenarbeit mit den Klägern finden könne. Grundsätzlich gelte es weiterhin, dass der Artenschutz nach den strengen Vorgaben des Naturschutzgesetzes beachtet werden müsse.

Ein Gutachten hatte vor einigen Monaten klargestellt, dass eine Fortführung des Projekts nur mit einem großen
internationalen Partner möglich sei. Ein kleiner Verein könne die Aufgaben nicht stemmen. Zudem brauche es eine auskömmliche Finanzierung von jährlich mindestens einer halben Million Euro - auch um die Forderungen von Waldbesitzern auf Ausgleich ihrer Schäden durch die Wisente sicherzustellen.

Der Trägerverein hofft auch auf die Politik. Mit einer neuen rechtlichen Grundlage für das Wisente-Projekt könne sich die Lage womöglich noch ändern. In der neuen NRW-Regierung ist mit Oliver Krischer ein Grünen-Politiker Umwelt- und Naturschutzminister.

Quelle: dpa

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