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Nordrhein-Westfalen "Roms fließende Grenzen": Landesausstellung zu Römerspuren

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Kirschen, Wasserklosett und Fußbodenheizung - all das brachten die Römer auch an die Nordgrenzen ihres Reiches. Den Spuren der Römer geht Nordrhein-Westfalen in einem ehrgeizigen Ausstellungsprogramm nach.

Düsseldorf (dpa/lnw) - Nordrhein-Westfalen erweckt in einer großen Archäologischen Landesausstellung an mehreren Orten die römische Geschichte des Landes wieder zum Leben. Von September 2021 bis Oktober 2022 seien zahlreiche Ausstellungen geplant, teilte das NRW-Heimatministerin am Donnerstag mit. Unter dem Titel "Roms fließende Grenzen" machen sechs Museen in Detmold, Xanten, Bonn, Haltern am See und Köln mit spektakulären Neufunden, Modellen und Aktionen den Alltag in der Provinz Niedergermanien lebendig.

"Ob durch Städte, Straßen oder Bauten - knapp 500 Jahre haben die Römer Nordrhein-Westfalen geprägt", erklärte Heimatministerin Ina Scharrenbach (CDU). Schon jetzt ist auf der Website www.roemer.nrw Wissenswertes rund um das Leben zur Römerzeit am Niedergermanischen Limes zu finden.

Derzeit läuft die Bewerbung der Niederlande und der Bundesländer NRW und Rheinland-Pfalz um die Aufnahme der römischen Grenzanlagen am Rhein in das Unesco-Weltkulturerbe. Im Sommer soll die Unesco-Kommission darüber entscheiden. In dem Gebiet waren vor etwa 2000 Jahren bis zu 30 000 Soldaten stationiert. Der insgesamt rund 400 Kilometer lange Niedergermanische Limes war die gut bewachte Außengrenze des mächtigen Römischen Reichs zu Germanien. Die Grenzregion war dadurch auch ein Zentrum antiker Kultur und der Beginn der Städte im Rheinland. Der größte Teil der einstigen Grenze liegt auf NRW-Gebiet: 220 Kilometer zwischen Bonn und Kleve am damaligen Verlauf des Rheines.

Ein archäologisches Zeugnis in Köln etwa ist der große Palast des Statthalters, die damalige militärische Kommandozentrale von Niedergermanien. Köln sei "die einzige Millionenstadt Deutschlands, die auf eine 2000-jährige Stadtgeschichte zurückblicken kann", erklärte Oberbürgermeisterin Henriette Reker. Auch in anderen Städten in NRW haben die Römer sichtbare Spuren hinterlassen. In Xanten ist eine ganze Siedlung als Bodendenkmal erhalten.

"Wenn Varus nicht vor 2000 Jahren verloren hätte, gäbe es heute keinen Niedergermanischen Limes und keine Landesausstellung", sagte Matthias Löb, Direktor des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL). "Erst, dass die Invasion Roms nach Westfalen so schiefging, hat den Rhein zur Grenze des Imperium Romanum gemacht." In der Varusschlacht im Jahr 9 nach Christus versetzte der Germane Arminius, auch Hermann genannt, den etwa 15 000 Soldaten umfassenden Legionen des römischen Feldherrn Varus eine vernichtende Niederlage.

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