Regionalnachrichten

Nordrhein-Westfalen Schifffahrtsamt: E-Scooter-Bergung aus Rhein fehlt Konzept

Ein Mann hält den Lenker eines E-Scooter. Foto: Oliver Berg/dpa/Archivbild

(Foto: Oliver Berg/dpa/Archivbild)

Die für diese Woche geplante Bergung der E-Scooter aus dem Rhein in Köln verschiebt sich. Laut E-Scooter-Verleiher fehlt die Genehmigung für die Aktion - das Schifffahrtsamt sieht hingegen Probleme beim Konzept der Betreiber.

Köln (dpa/lnw) - Um E-Scooter vom Grund des Rheins in Köln zu bergen, fehlt nach Angaben des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) Rhein bislang ein schlüssiges Konzept der Betreiber. Der Ablauf der zunächst für diese Woche angesetzten Bergung sei nicht ausführlich geplant gewesen, sagte eine Sprecherin des WSA Rhein am Montag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur.

Die Plattform Shared Mobility, ein Zusammenschluss mehrerer E-Scooter-Verleiher, hatte am Freitag die für diese Woche geplante Bergungsaktion auf unbestimmte Zeit verschoben. Eine Unterwasserdrohne sollte die Roller im Fluss lokalisieren. Eine Spezialfirma soll sich um die Bergung der E-Scooter im Bereich der Deutzer Brücke und der Hohenzollernbrücke kümmern. Befürchtet wird, dass beschädigte Akkus der Scooter die Wasserqualität belasten könnten. Nach Angaben der Bezirksregierung Köln gibt es bislang aber keine Hinweise darauf.

Mit den vorgelegten Plänen der E-Scooter-Betreiber habe es mehrere Probleme gegeben, ergänzte ein zuständiger Mitarbeiter des Amtes. Zum einen befänden sich in dem Bereich mehrere Landungsbrücken. Dadurch werde die Sicherung der Wasser-Drohne, die die Scooter heben soll, mit einem Draht und einem Kabel erschwert. Zudem sei die Aufgabe für die Drohne allgemein schwierig: "Wenn die Drohne die E-Scooter aus dem Wasser heraushebt, wirken die ganzen 20 Kilogramm auf das Gerät", sagte der Mitarbeiter. An den Uferbereichen gebe es eine Höhendifferenz zwischen Rhein und Land von rund 4,50 Meter. Mittlerweile würden die Betreiber deshalb auch über den Einsatz eines Industrietauchers nachdenken.

Außerdem seien die Wasserflächen in dem Gebiet rund um die Deutzer Brücke und die Hohenzollernbrücke verpachtet, sagte der Mitarbeiter. Wenn dort beispielsweise ein Hotelboot liege, müsste der Betreiber informiert werden. "Da sind keine Antworten geliefert worden."

Mittlerweile beschäftigt sich auch die Wasserschutzpolizei mit den E-Scootern im Rhein. "Nach den Medienberichten sind bei uns Strafanzeigen von Bürgern eingegangen", teilte ein Sprecher mit. "Wir ermitteln wegen Gewässerverunreinigung und dem unerlaubten Umgang mit Abfällen."

Ob die E-Scooter bereits eine Gefahr für die Umwelt darstellen, wird derweil im Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) untersucht. Grenzwertüberschreitungen habe es bisher keine gegeben, teilte das Landesamt mit. Die Messdaten würden aber erneut ausgewertet. "Dabei betrachten wir die Elemente Lithium, Aluminium, Kobalt, Nickel und Kupfer." Fachleute prüfen laut LANUV alle Daten noch einmal gezielt auf Abweichungen oder Auffälligkeiten, die mit den Schadstoffen aus den Akkus in Zusammenhang stehen könnten.

Wie viele E-Scooter in Köln auf dem Grund des Flusses schlummern, war zunächst unklar. Die Initiative "Krake", die regelmäßig Aufräumaktionen im und am Rhein organisiert, schätzt die Zahl auf etwa 500. "Im letzten Sommer haben wir auf einer Strecke von rund 200 Metern 39 E-Scooter rausgeholt", sagte Christian Stock. Vermutet wird, dass die E-Scooter von betrunkenen oder genervten Menschen in den Rhein geworfen werden.

Die Polizei warnt währenddessen davor, betrunken E-Scooter zu fahren. Allein am vergangenen Wochenende seien bei Unfällen mit E-Scootern sechs Menschen schwer und zehn Menschen leicht verletzt worden, teilte die Polizei am Montag mit. Bei allen Schwerverletzten und vier Leichtverletzten sei Alkohol im Spiel gewesen.

Im Mai registrierte die Polizei Köln nach eigenen Angaben 43 Verkehrsunfälle mit Beteiligung von E-Scootern. Im Juni ereigneten sich laut einer vorläufigen Erhebung 69 Verkehrsunfälle, bei denen 43 E-Scooter-Nutzer verletzt wurden. 18 von ihnen hätten unter dem Einfluss von Alkohol gestanden. Zehn Menschen seien stationär in Krankenhäusern behandelt worden.

Seit zwei Jahren gehören die Elektro-Roller zum Straßenbild in vielen deutschen Großstädten, auch in Nordrhein-Westfalen. Sie sollen eine umweltfreundliche Alternative zum Auto bieten. Doch von Anfang an gab es Ärger, weil die Scooter auf Bürgersteigen und in wichtigen Zufahrten abgestellt wurden. Zuletzt sorgte die mögliche Umweltgefahr für den Rhein durch ins Wasser geworfenen E-Scooter für Diskussionen.

© dpa-infocom, dpa:210628-99-177394/4

Regionales
ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.