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Nordrhein-Westfalen Starkregen: Vielerorts Überflutungen, Feuerwehrmann ertrinkt

Das Wasser steht am Abend auf einem Platz in Altena. Foto: Marc Gruber/7aktuell.de /dpa

(Foto: Marc Gruber/7aktuell.de /dpa)

Heftiger Regen sorgt in vielen Teilen Nordrhein-Westfalens für Überschwemmungen und Hochwasser. Nun ist ein Mensch tragisch ums Leben gekommen: Ein Feuerwehrmann stirbt bei Rettungsarbeiten.

Altena/Hagen (dpa/lnw) - Nach heftigem Starkregen ist in Altena im Sauerland ein Feuerwehrmann bei der Rettung eines Mannes ertrunken. Der 46-Jährige war den Angaben der Polizei im Märkischen Kreis zufolge nach der erfolgreichen Bergung beim Einsteigen ins Feuerwehrfahrzeug ins Wasser gefallen und abgetrieben. Kurze Zeit später habe man ihn nur noch tot bergen können. Das tödliche Unglück ereignete sich gegen 17 Uhr.

Dauerregen hat seit der Nacht zum Mittwoch vor allem im Sauerland, im Rheinland, dem Bergischen Land und der Eifel sowie im Rheinland für Überschwemmungen und über die Ufer tretende Flüsse und Bäche gesorgt. Noch bis Donnerstagmorgen warnte der Deutsche Wetterdienst für den Südwesten vor extremem Regen und weiteren Gewittern.

Altena war nach dem heftigen Regen der vergangenen Stunden und dem Hochwasser der Lenne besonders betroffen. Keller und Straßen waren überflutet. Die über die Ufer tretende Lenne verschärfte die Situation zusätzlich; das Wasser lief in die Innenstadt. Altena sei "so gut wie nicht erreichbar", teilte die Polizei am Nachmittag mit. "Wer nicht unbedingt nach Altena fahren muss, sollte sein Anliegen verschieben." In der Region wurden mehrere Straßen wegen überfluteter Brücken und Hochwassers gesperrt.

Am Mittwochabend meldeten etwa Leverkusen, Wuppertal und der Rheinisch-Bergisch-Kreis oder Wesseling im Rhein-Erft-Kreis überflutete Straßen, voll laufende Keller und überschwemmte Unterführungen. Die Wupper habe mit einem Pegelstand von etwa 3,40 Meter den jemals gemessenen Höchststand erreicht, hieß es am Mittwochabend aus dem Krisenstab von Wuppertal. An mehreren Stellen trat der Fluss über seine Ufer. Mehrere Altenheime und ein Krankenhaus lägen in dem von Überflutungen gefährdeten Bereich, hieß es am Mittwochabend. Der Höchststand der Wupper wurde gegen 22.00 Uhr erwartet.

In Stolberg bei Aachen trat durch starken Regen der Vichtbach über die Ufer und überschwemmte mehrere Straßen. Bereits in der Nacht zum Mittwoch waren mancherorts in kurzer Zeit mehr als 100 Liter pro Quadratmeter gefallen. Der Dauerregen setzte sich auch am Tag und bis in den späten Abend fort. Gegen steigende Wasserstände etwa an der Wupper, der Inde bei Aachen oder an Lenne und Volme im Ruhrgebiet sollten Sandsäcke Schutz bieten. In Düsseldorf wurde eine Siedlung wegen drohenden Hochwassers geräumt.

Am Mittwoch verschärften vielerorts über die Ufer tretende Flüsse die Situation: So drohte die Inde den historischen Stadtkern von Kornelimünster in Aachen zu überfluten. Wegen des Hochwassers wurde im Ortskern der Strom abgeschaltet. Auch an Lenne und Volme im Sauerland stiegen die Wasserstände.

Einen nach Angaben der Stadt Düsseldorf historischen Höchststand erreichte auch die Nördliche Düssel im Stadtteil Grafenberg. Dort sollten 25 000 Sandsäcke auf einer Länge von 700 Metern einen Deich stabilisieren. Außerdem forderte die Stadt am Abend die Bewohner einer Siedlung zum Verlassen ihrer Häuser auf. Betroffen vom steigenden Hochwasser der Nördlichen Düssel seien etwa 350 Gebäude der Ostparksiedlung, teilte die Stadt mit. Auch dort sollte sicherheitshalber der Strom abgeschaltet werden.

Bereits in der Nacht zum Mittwoch hatte es vor allem Hagen hart getroffen. Hänge rutschten ab, überflutete Fahrbahnen wurden gesperrt. Hunderte Notrufe gingen bei der Feuerwehr ein. In der Stadt am Rande des Ruhrgebiets waren einige Stadtteile gar nicht oder nur schwer zu erreichen. Ein Altenheim mit 76 Bewohnern wurde am Mittwoch wegen einströmender Wassermassen evakuiert. Angesichts weiter steigender Wasserstände forderte die Stadtverwaltung von Hagen die Anwohner von Flüssen am Mittwochabend auf, sich in höher liegende Bereiche zu begeben. Grund sei ein gegen 21.00 Uhr erwartetes Hochwasser, das im Schnitt nur alle 25 Jahre vorkomme.

Für Donnerstag kündigte Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) an, die Ruhrgebietsstadt zu besuchen. Er wolle sich ein Bild von der besonders betroffenen Region machen, teilte die Staatskanzlei am Mittwoch mit.

Auch in anderen Teilen des Landes wurden Bäche zu reißenden Strömen. Es kam zu Erdrutschen, Straßen wurden überspült, Keller liefen voll, Bäche und Flüsse traten über die Ufer. und der Bahn- und Straßenverkehr war gestört. Allein in Köln rückte die Feuerwehr nach dem Dauerregen zu gut 1000 Einsätzen aus - weitere 700 sollten am Donnerstagabend Stück für Stück abgearbeitet werden.

Eine Mitarbeiterin eines Seniorenheims in Mettmann nahe Düsseldorf wurde von einem umstürzenden Baum schwer verletzt und wäre beinahe ertrunken. Ein Helfer habe den Kopf der Frau über Wasser halten können, bis Feuerwehrleute die Eingeklemmte befreit hatten, teilte die Feuerwehr mit.

Erst für Donnerstag rechnete der Deutsche Wetterdienst mit einer merklichen Entspannung der Situation. Von Osten her sollten die Regenfälle in der Nacht nach und nach abklingen, so die Prognose am Mittwoch. "Es sind aber weiterhin örtlich Gewitter möglich", sagte ein Meteorologe. Großflächiger Starkregen wie zuletzt sei dann aber nicht mehr zu erwarten. Allein in der Nacht zu Mittwoch war an manchen Messstellen mehr Regen niedergegangen als üblicherweise in einem ganzen Juli.

© dpa-infocom, dpa:210714-99-385024/7

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