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Nordrhein-Westfalen Tüv Rheinland verspricht sich Wachstum dank Cybersicherheit

Michael Fübi ist zu sehen. Foto: Oliver Berg

(Foto: Oliver Berg/dpa)

Wie komme ich durch den Tüv? Alle Jahre wieder dürften Autofahrer sich mit dieser Frage beschäftigen. Der Tüv Rheinland, der so eine Hauptuntersuchung anbietet, wächst kräftig - allerdings mit Geschäften abseits von Autoprüfungen.

Köln (dpa/lnw) - Mit Geschäften rund um die Cybersicherheit und den Datenschutz peilt die Prüfgesellschaft Tüv Rheinland kräftiges Wachstum an. Von aktuell sechs Prozent Umsatzanteil im Konzern könnte der Unternehmensbereich mittelfristig auf 20 Prozent wachsen, sagte Firmenchef Michael Fübi am Dienstag in Köln. 2018 kam die Sparte auf 120 Millionen Euro, wegen einer Umstrukturierung war das in etwa der Vorjahreswert - künftig soll der Wert deutlich anziehen. Derzeit hat die Firma in der Sparte "Digitale Transformation und Cybersicherheit" mehr als 1000 Mitarbeiter. Davon sind 600 Sicherheitsexperten, 180 weitere sollen eingestellt werden.

"Der Grundgedanke nach Sicherheit, insbesondere nach digitaler Sicherheit, wächst täglich", sagte Fübi. In dem Geschäftsbereich wird der Tüv Rheinland zum Beispiel von Firmen beauftragt, die eigenen Systeme zu hacken - im Branchensprech "Penetrationstests" genannt. In einem anschließenden Gutachten bekommt der Auftraggeber bescheinigt, wo die Schwachstellen sind und wie er sie beseitigen kann.

Früher hatten vor allem Banken und Versicherungen Bedarf an solchen Dienstleistungen, im Zeitalter des "Internets der Dinge" - also der besseren Nutzung von Datenströmen für effiziente Abläufe - sind solche Dienstleistungen dem Tüv zufolge inzwischen aber in der ganzen Wirtschaft gefragt. Zum Beispiel überprüft der Tüv Rheinland Produktionsstätten des Gaseherstellers Linde, ob die sicher sind gegen mögliche Hacks.

Zusätzlicher Wachstumstreiber ist nach Darstellung von Fübi die seit etwa einem Jahr als nationales Gesetz geltende Datenschutzgrundverordnung der EU, die insgesamt höheren Datenschutz vorschreibt. Dadurch steige der Beratungsbedarf von Firmen, sagte der Manager. So habe ein chinesischer Medizintechnik-Hersteller nach Tüv-Beratung seine Geräte umstellen müssen, weil Ultraschall-Aufnahmen auf Server außerhalb der EU gekommen und Zugriffe anderer möglich gewesen wären.

Fübi stellte zudem die positiven Gesamtzahlen für 2018 vor. Der Konzernumsatz kletterte um 1,3 Prozent auf 1,998 Milliarden Euro und das Betriebsergebnis (Ebit) stieg kräftig an auf rund 140 Millionen Euro. "2018 war ein gutes Jahr, wir sind gesund gewachsen", sagte der Tüv-Rheinland-Chef.

Bekannt wurde der Tüv - das Kürzel steht für "Technischer Überwachungs-Verein" - durch die Hauptuntersuchung, für die der Firmenname längst als Synonym genutzt wird. Neben Deutschland führt der Tüv Rheinland die Routine-Checks an Fahrzeugen in Frankreich, Spanien, Chile und Lettland durch. Die Einnahmen aus den Prüfungen machen insgesamt aber nur noch 15 Prozent des Konzernumsatzes aus - das Geschäft ist stabil, der Umsatzanteil sinkt aber tendenziell.

Wer gut qualifiziert auf Jobsuche ist, hat beim Tüv Rheinland möglicherweise gute Karten: Die Firma sucht dringend Mitarbeiter - derzeit rund 500 im Inland und 500 im Ausland. Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der Vollzeit-Stellen um gut 500 auf 20 450, davon knapp 8800 in Deutschland (plus 300). Große deutsche Standorte hat die Firma neben ihrer Zentrale in Köln mit 2700 Stellen noch in Nürnberg und Berlin mit jeweils rund 1000 Arbeitsplätzen. Zu den Wettbewerbern gehören der Tüv Nord, Tüv Süd und die Dekra.

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