Regionalnachrichten

Nordrhein-Westfalen Wieder Schuss auf Polizist: Zwei Verletzte

Das Fahrzeug des mutmaßlichen Täters steht hinter einem Einsatzfahrzeug der Polizei. Foto: David Young/dpa

(Foto: David Young/dpa)

Erst vor einer Woche starb in NRW ein SEK-Mann im Einsatz. Nun wird erneut ein Polizist schwer verletzt. Der Polizist wollte einen Autofahrer kontrollieren, dann eskalierte die Situation. Eine Schutzweste dürfte Schlimmeres verhindert haben.

Gevelsberg (dpa/lnw) - Nur eine Woche nach dem tödlichen Schuss auf einen SEK-Beamten ist ein weiterer Polizist im Einsatz getroffen worden. Bei dem Schusswechsel gegen Mitternacht in Gevelsberg soll ein 36-jähriger Autofahrer bei einer Fahrzeugkontrolle auf einen 28-Jährigen Streifenpolizisten geschossen und ihn schwer verletzt haben, wie Polizei und Staatsanwaltschaft am Mittwoch mitteilten. Das Innenministerium sprach in einer Mitteilung von mehreren Schüssen, die der Mann unvermittelt in Richtung der Polizeibeamten abgegeben habe, einer habe den 28-Jährigen am Oberkörper getroffen. Innenminister Herbert Reul forderte in dem Zusammenhang eine gesellschaftliche Debatte über Gewalt.

Der Beamte kam ins Krankenhaus, sei aber nicht lebensgefährlich verletzt, hieß es seitens der Ermittler. Der bewaffnete Mann sei zuvor bereits per Haftbefehl wegen eines Drogendeliktes gesucht worden, sagte ein Polizeisprecher. Angehalten worden sei er jedoch im Rahmen einer allgemeinen Verkehrskontrolle.

Nach Gewerkschaftsangaben hat eine Schutzweste, die der Beamte getragen habe, Schlimmeres bei dem Einsatz im Ennepe-Ruhr-Kreis verhindert. Den Informationen der nordrhein-westfälischen Gewerkschaft der Polizei (GdP) zufolge soll der Fahrer bei der Verkehrskontrolle auf den auf der Beifahrerseite stehenden Polizisten gefeuert haben. Der Schuss sei von der Schutzweste abgeprallt.

Nach Angaben der Ermittler war der mutmaßliche Schütze anschließend zunächst mit dem Auto und dann zu Fuß geflüchtet. Mehr als vier Stunden suchte die Polizei nach ihm, bevor er in der Nähe von einem Spürhund und Spezialeinsatzkräften gestellt werden konnte.

Bei seiner Festnahme kam es demnach erneut zum Schusswechsel. Dabei wurde der Mann schwer, jedoch nicht lebensgefährlich verletzt, wie es in der Mitteilung hieß. Zu den Hintergründen und Details des Geschehens äußerten sich Polizei und Staatsanwaltschaft zunächst nicht. Eine Mordkommission habe die Ermittlungen übernommen.

Innenminister Herbert Reul (CDU) zeigte sich entsetzt über den zweiten folgenschweren Schusswechsel mit Polizisten binnen so kurzer Zeit: "Irgendwas ist verrutscht, dass Polizeibeamte inzwischen offenbar als vogelfrei gelten. Das fängt bereits bei kleinen Respektlosigkeiten im Alltag an und steigert sich dann zu solchen Angriffen wie heute Nacht in Gevelsberg", so Reul.

Vor einer Woche war in Gelsenkirchen bei einer Durchsuchungsaktion ein 28-jähriger SEK-Polizist erschossen worden. Ein 29-Jähriger hatte den Ermittlungen zufolge auf die Polizei zwei Schüsse abgefeuert, als eine Wohnung in einem Drogenermittlungsverfahren durchsucht werden sollte. Ein Schuss war - trotz Schutzausrüstung - tödlich. Es seien Rauschgift und eine weitere Waffe gefunden worden.

Der stellvertretende GdP-Landesvorsitzende Michael Maatz zeigte sich erleichtert, dass der Polizist keine lebensbedrohlichen Verletzungen erlitten habe. "Die Situation hat abermals gezeigt, wie gefährlich der Beruf meiner Kolleginnen und Kollegen ist. Man muss immer mit dem Schlimmsten rechnen", sagte Maatz. Das Tragen von Schutzwesten im Einsatz müsse daher zur Pflicht werden, forderte er. Allerdings sei die Verwendung von Schusswaffen in NRW selten, "aber wenn es passiert, müssen die Kollegen so gut wie möglich geschützt sein".

Nach Angaben des Innenministeriums hat das Land NRW unter der schwarz-gelben Regierung seit Mitte 2017 mehr als 40 Millionen Euro in die Schutzausstattung der Polizei investiert. Dafür seien unter anderem die Schutzwesten verbessert und schusssichere Helme angeschafft worden.

Newsticker