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Nordrhein-Westfalen Zug nach Kamp-Lintfort: Bürgermeister sieht "Quantensprung"

Die Kamp-Lintforter Eisenbahngesellschaft Niederrheinbahn GMBH hat die Bahntrasse von der RAG gekauft. Foto: Roland Weihrauch/Archiv

(Foto: Roland Weihrauch/dpa)

Eine Stadt mit 37 000 Einwohnern ohne Zuganbindung? Richtig, Kamp-Lintfort am Niederrhein im Kreis Wesel. Doch nicht mehr lange: Die stillgelegte Trasse der Zechenbahn in der einstigen Bergbaustadt hat ihren Dornröschenschlaf bald hinter sich.

Kamp-Lintfort (dpa/lnw) - Mit dem Zug nach Kamp-Lintfort? Geht nicht. Noch nicht. Mit Beginn der Landesgartenschau im April 2020 soll sich das ändern: Anstelle von Kohlenwaggons sollen dann Personenzüge von Duisburg in die einstige Bergbaustadt am linken Niederrhein rollen. Die Pläne für die Wiederbelebung der alten Grubenbahntrasse sind mittlerweile auf der Zielgeraden.

Bis dahin war es ein weiter Weg, wie Kamp-Lintforts Bürgermeister Christoph Landscheidt (SPD) erzählt. Schon vor 15 Jahren habe es erste Überlegungen gegeben. "Als dann klar war, wann das Bergwerk schließt, haben wir mit dem Verkehrsverbund Rhein-Ruhr als Träger des Schienen-Personennahverkehrs Gespräche aufgenommen."

Ende 2012 wurde das Bergwerk West geschlossen. Die 7,5 Kilometer lange Strecke von Kamp-Lintfort zu einem Güterbahnhof in Moers-Rheinkamp wird seitdem nicht mehr genutzt. Mitte Mai 2019 kaufte die Eisenbahngesellschaft Niederrheinbahn GmbH die Bahntrasse vom Bergwerksbetreiber RAG.

An der Niederrheinbahn GmbH als künftiger Streckenbetreiberin ist die Stadt zu einem Viertel beteiligt. Der Rest gehört dem Eisenbahnunternehmen Rath aus Düren. Noch in diesem Herbst soll die Instandsetzung der Strecke beginnen, sagt Landscheidt. Gleisbett und Gleise müssen erneuert werden. Im Bereich des Güterbahnhofs wird die Strecke an die bestehende Verbindung Duisburg-Xanten angeschlossen.

Im April 2020 ist es dann soweit: Zum Start der "Laga" sollen die ersten Personenzüge zwischen Duisburg und einem Haltepunkt in Kamp-Lintfort pendeln. Ein Jahr später soll es Verkehr nach Fahrplan geben: "Wir gehen davon aus, dass spätestens 2021 der Regelbetrieb realisiert wird", sagt der Bürgermeister. Die Schienenanbindung an das Ruhrgebiet sieht Landscheidt als einen "Quantensprung - für eine Bergbaustadt, die immer ein bisschen das Aschenputtel am linken Niederrhein war."

Bis zum Regelbetrieb werden auch noch die Brücken und die Sicherungstechnik an den Bahnübergängen auf den neuesten Stand gebracht. Auch die Endhaltestelle im Zentrum von Kamp-Lintfort soll dann fertig sein, direkt an der Hochschule Rhein-Waal. Die Erneuerung der Gleisanlagen soll insgesamt 15,5 Millionen Euro kosten, mehr als 80 Prozent bezahlt das Land. Auch in Moers soll es zwei neue Haltepunkte geben.

Im Regelbetrieb ab 2021 soll dann nach früheren Angaben die bestehende Linie RB44 (Dorsten-Oberhausen) verlängert werden und über Duisburg und Moers bis Kamp-Lintfort fahren. Geplant ist zunächst ein Stundentakt. Elektrifiziert werden soll die Trasse nicht.

Die Studenten spielen eine nicht geringe Rolle bei den Planungen in Kamp-Lintfort. "Nur rund 250 Studenten wohnen am Ort", sagt Landscheidt. Die anderen kämen mit Bus und Auto in die Stadt. Der Bürgermeister geht davon aus, dass nach Eröffnung der Bahnlinie viele der derzeit rund 2200 jungen Leute mit dem Zug fahren werden. "Für die ist der Bahnanschluss mehr als willkommen". Er schätzt, dass später werktäglich insgesamt rund 4000 Menschen die neue Verbindung nutzen werden.

PM zum Kauf der Trasse

Machbarkeitsstudie zum Bau der Niederrheinbahn 2011

Informationen zu Planungen für einen Bahnhof Lintfort, die 1922 eingestellt wurden

VRR zur Reaktivierung stillgelegter Bahnstrecken

Homepage Landesgartenschau 2020

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