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Rheinland-Pfalz & Saarland Enquete-Kommission erstmals im flutgeschädigten Ahrtal

Die Enquete-Kommission informiert sich im Ahrtal über den Wiederaufbau nach der Flutkatastrophe.

(Foto: Thomas Frey/dpa)

Zerstörte Häuser, zerstörte Schulen, zerstörte Straßen: Landtagsabgeordnete besichtigen den Wiederaufbau nach dem Ahr-Hochwasser. Daraus wollen sie Schlüsse für Verbesserungen bei Überschwemmungsrisiko ziehen.

Mainz (dpa/lrs) - Fast ein Jahr nach der Todesflut in Rheinland-Pfalz hat die zuständige Enquete-Kommission des Landtags bei ihrem ersten Besuch im besonders betroffenen Ahrtal Empfehlungen für den Wiederaufbau bekommen. Die Leiterin der zerstörten Realschule plus in Altenahr, Marion Schnitzler, schlug dort am Dienstag vor, mit den derzeit in Containern lernenden Schülerinnen und Schülern genauso wie für den Brandfall auch regelmäßig das Verhalten bei einem Hochwasserprobealarm zu üben. Notfalls könnten sie dann die benachbarten Berge etwas hochsteigen. Die Schulleiterin regte zudem an, Regenrückhaltebecken in den Wäldern im engen Ahrtal anzulegen.

Der Leiter der Masterstraßenmeisterei Cochem, Wilhelm Jonas, empfahl neben einer in nur wenigen Monaten gebauten, 1,4 Kilometer langen Notumgehungsstraße beim Dorf Schuld stehend, bei der Erneuerung zerstörter Brücken die Durchlässe für Hochwasser zu vergrößern. Auch sollten Bäume direkt an der Ahr stets gefällt werden, bevor sie zu mächtig würden. Bei der Flut mit 134 Toten und Tausenden verwüsteten Häusern am 14. und 15. Juli 2021 im Ahrtal waren viele mitgerissene Bäume an den Brücken hängengeblieben. Dadurch schwollen die verheerenden Wassermassen noch mehr an.

Jonas sagte weiter, an die vorübergehend erlaubte freihändige Vergabe von Straßenbauaufträgen ohne Ausschreibung im Ahrtal "hätte man noch ein halbes Jahr dranhängen können". Denn diese dann wieder untersagte Ausnahme beschleunige Straßenbauprojekte extrem - auch wenn reguläre Ausschreibungen grundsätzlich richtig seien im Sinne des fairen Wettbewerbs und des Kampfes gegen Korruption.

Die Enquete-Kommission besichtigte auch zwischen Rech und Mayschoß den Bau einer hochwassersicheren überörtlichen Trasse mit Leitungen für Trink- und Abwasser, Gas und Telekommunikation. Diese Bündelung soll ebenfalls der Beschleunigung dienen, die Landschaft schonen und auch künftiges Biogas einer Kläranlage aufnehmen.

Weiterhin nahm die Kommission, die mit dem Bus des Landespolizeiorchesters unterwegs war, das Projekt "Nahwärmenetz Marienthal" in Augenschein. Mehr als 30 Haushalte in dem kleinen und stark flutgeschädigten Dorf will eine Bürgergenossenschaft an die künftige Heizungsanlage mit Solarthermie und Holzpellets anschließen. Daneben ist laut dem Dorfkümmerer Rolf Schmitt auch der Bau eines Gemeinschaftshauses und eines Spielplatzes mit Wasserlauf in der Ortsmitte geplant. "Wir wollen die Flut als Chance nutzen, um Marienthal neu aufzubauen", betonte der Bundespolizist, der noch immer in einem Container wohnt nach der Flutverwüstung seines Hauses. Auch die Vorsitzende der Enquete-Kommission, Lea Heidbreder (Grüne), sprach von einer Chance bei Investitionen in erneuerbare Energien, mit der sich das Ahrtal klimafreundlich schneller unabhängig vom Import teurer fossiler Brennstoffe machen könne als andere Regionen.

Am Dienstagnachmittag folgte in Grafschaft hoch über dem Flusstal eine Anhörung, bei der Experten einen Überblick zum Thema "Wiederaufbauaktivitäten im Ahrtal" boten. Die überfraktionelle Enquete-Kommission mit dem Kurztitel "Zukunftsstrategien zur Katastrophenvorsorge" hat 17 stimmberechtigte Mitglieder. Diese sollen Handlungsempfehlungen für den Katastrophenschutz und die Anpassung an den Klimawandel entwickeln. Somit ist ihr Blick auch sehr in die Zukunft gerichtet. Darüber hinaus hat der Mainzer Landtag einen Untersuchungsausschuss zur Flutkatastrophe eingesetzt. Er soll unter anderem mögliche politische Versäumnisse klären.

Quelle: dpa

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