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Rheinland-Pfalz & Saarland Gewalt gegen Helfer: Kampagne soll sensibilisieren

Einsatzfahrzeuge der Polizei und der Feuerwehr sind mit dem Slogan #IMMERDA versehen. Foto: Gregor Bauernfeind

(Foto: Gregor Bauernfeind/dpa)

Beleidigungen, Angriffe, Drohungen und körperlichen Attacken: Immer mehr Polizisten, Feuerwehrleute und Rettungsdienstler werden zur Zielscheibe. Das soll sich ändern. Helfen soll dabei unter anderem ein Video.

Mainz/Bad Kreuznach (dpa/lrs) - #IMMERDA - Diesen Slogan werden Menschen in Rheinland-Pfalz in Zukunft öfter zu Gesicht bekommen auf Fahrzeugen von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst sowie in den Auftritten der Polizei in den sozialen Medien. Die Botschaft: Einsatzkräfte sind bei Notfällen rund um die Uhr zur Stelle - und sollten nicht Respektlosigkeit und Gewalt ausgesetzt sein. Am Freitag wurde die Kampagne in Mainz vorgestellt.

Im Mittelpunkt steht ein rund 40-sekündiges Video. Darin zu hören sind drei Notrufe, daraufhin rücken Rettungsdienst, Polizei und Feuerwehr aus: "Machen Sie sich keine Sorgen, wir sind schon auf dem Weg", ist zu hören. Das Video läuft auf den Polizei-Auftritten bei Facebook, Instagram, Twitter und Youtube. Außerdem gibt es Aufkleber und Plakate.

So soll nach Angaben der Initiatoren kurz, prägnant und an die sozialen Medien angepasst die Bevölkerung für diese Belange sensibilisiert werden. "Wie könnt ihr Menschen wie uns nicht respektieren und angreifen, wenn wir doch den ganzen Tag da sind, wenn ihr uns doch braucht?", sagte Nicole Fricker, Polizistin und Referentin im Innenministerium.

Nach Angaben des Innenministeriums gab es im vergangenen Jahr 1664 Fälle von Widerstand, tätlichen Angriffen, Körperverletzungen und sogar Totschlag - ein Anstieg von zehn Prozent zum Vorjahr. Dazu kommen rund 1500 Beleidigungen gegen Beamte.

Zu Übergriffen komme es vor allem, wenn Alkohol oder Betäubungsmittel im Spiel seien, sagte Fricker. "Gerade an den Wochenenden haben wir eine Steigerung, wenn viele Menschen auf öffentlichen Plätzen zusammenkommen und gefeiert wird." Manche hätten auch einfach Spaß daran und würden sich sogar damit in den sozialen Medien profilieren. "Wir können uns teilweise auch nicht erklären, was in so einem Mensch vorgeht", sagte sie.

Noch unverständlicher seien Angriffe auf Retter und Feuerwehrleute, fügte sie hinzu. Davon wurden im vergangenen Jahr laut Innenministerium rund 100 Fälle bekannt. Innenminister Roger Lewentz (SPD) vermutete, es gebe mehr Fälle, und appellierte an die Retter, jeden Übergriff auch anzuzeigen.

Seine Mitarbeiter seien Beleidigungen, verbalen Angriffen, Drohungen und körperlichen Attacken ausgesetzt, sagte Roy Kanzler, Mainzer Bezirksgeschäftsführer der Malteser. Er sehe eine zunehmende Verrohung der Gesellschaft und Respektlosigkeit. Menschen würden aufgrund ihrer Uniform zum Feindbild stilisiert. Frustrierend für seine Mitarbeiter sei, wenn nach einer Anzeige Verfahren "aufgrund geringen öffentlichen Interesses" eingestellt würden. "Da wären wir froh, wenn wir stärkere Unterstützung kriegen würden", sagte er.

Ein Zeichen gegen körperliche und seelische Gewalt an Beschäftigten im öffentlichen Dienst soll auch die Aktionswoche "Respekt. Bitte!" von Landesregierung und Deutschem Gewerkschaftsbund setzen. Dazu gehören auch Lehrer. Für ihre Betreuung gibt es laut Bildungsministerium 14 regionale Beratungszentren.

Bereits 2017 seien dafür sieben neue Schulpsychologen eingestellt worden, insgesamt gebe es 62 Stellen im Land, teilte Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) mit, die am Freitag das Beratungszentrum in Bad Kreuznach besuchte. Schon während des Studiums sollen angehende Lehrer präventiv für das Thema "Gewalt im Schulalltag" sensibilisiert werden. Bundesweit einzigartig sei das Institut für Lehrergesundheit an der Mainzer Universitätsmedizin.

Kampagnenvideo auf Youtube

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