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Rheinland-Pfalz & Saarland Immobilienmarkt ruht in Corona-Krise teils

Neu errichtete Mehrfamilienhäuser. Foto: picture alliance / Arne Dedert/dpa/Archivbild

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In Zeiten der Corona-Krise wechseln weniger Menschen ihre Wohnung, auch werden weniger Immobilien verkauft, praktische Abläufe verändern sich. Doch einen Nachfrageeinbruch erwarten Branchenvertreter nicht.

Frankfurt/Mainz (dpa/lrs) - Der Wohnungs- und Immobilienmarkt in Rheinland-Pfalz spürt die Corona-Krise, doch zum Erliegen gekommen ist das Geschäft mitnichten. Branchenvertreter sprechen von einer Art "Innehalten" an der ein oder anderen Stelle. Wohnungswechsel gebe es weiterhin, wobei Besichtigungen oder Übergaben oft anders als sonst abliefen. Manche Vermieter sind ob möglicher Mietausfälle verunsichert, beim Mieterbund Mittelrhein erkundigen sich Mieter etwa, ob sie ihren Vermieter samt möglicher Nachmieter reinlassen müssen. Mit einem Einbruch bei der Nachfrage nach Wohnraum rechnen weder der Verband der Südwestdeutschen Wohnungswirtschaft (VDW Südwest) noch der Eigentümerverband Haus und Grund.

Vorstand und Verbandsdirektor Axel Tausendpfund vom VDW Südwest, in dem vor allem kommunale Wohnungsunternehmen und Genossenschaften organisiert sind, blickt mit etwas Sorge auf das Thema der Mietrückstände. Es sei grundsätzlich völlig okay, dass Mietern, die wegen der Folgen der Pandemie zwischen April und Juni ihre Miete nicht zahlen können, nicht gekündigt werden dürfe. "Das Problem wird sich aber hinten heraus zeigen." Denn die Mieten würden ja nicht komplett erlassen. Es würden Mietschulden aufgebaut, wie damit umgegangen werde, sei politisch noch nicht gelöst. "Dieses Problem ist noch in keinster Weise angegangen", sagte Tausendpfund.

Auch Ralf Schönfeld, Verbandsdirektor von Haus und Grund Rheinland-Pfalz, sieht gewisse Probleme bei Mietstundungen. Auf Bundesebene habe sich Haus und Grund für einen Härtefall-Fonds ausgesprochen, denkbar sei auch ein übergangsweise erleichterter Zugang zu Wohngeld. Schönfeld beobachtet derzeit eine "große Unsicherheit" unter Kleinvermietern. Viele hätten in Immobilien investiert, um für das Alter vorzusorgen. Sie wendeten sich nun mit Fragen an Ortsvereine von Haus und Grund.

Auf dem Mietmarkt an sich sieht Schönfeld krisenbedingt eine gewisse Zurückhaltung bei Mietern und Vermietern, was neue Verträge angeht. Er macht das auch daran fest, dass weniger Mitglieder davon Gebrauch machen, über Haus und Grund eine Bonitätsprüfung zu potenziellen Mietern einzuholen. Auch das Geschäft mit Kaufimmobilien sei ruhiger. Diejenigen, die eine Immobilie suchten, warteten ab, wie sich ihre wirtschaftliche Lage entwickele. Auch werde weniger zum Verkauf angeboten. Nichtsdestotrotz erwartet Schönfeld keinen Einbruch auf dem Wohnungsmarkt, er nennt die aktuelle Situation ein "Innehalten".

Grundsätzlich erlaubt sind Umzüge in Rheinland-Pfalz auch in Corona-Zeiten - nicht zwar mit einer größeren Gruppe an Helfern aus dem privaten Umfeld, aber ein Umzugsunternehmen kann beauftragt werden. Berufliche Tätigkeiten seien erlaubt, heißt es aus dem Innenministerium in Mainz. Auch der Abschluss eines Mietvertrages und eine Wohnungsübergabe seien nicht explizit verboten. "Wichtig ist zu überlegen, ob der Termin jetzt stattfinden muss oder auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden kann."

Nach Einschätzung von Tausendpfund gibt es im Moment aber kaum gewöhnliche Besichtigungen, manche Anbieter seien auf virtuelle Besichtigungen umgestiegen. Bei Mieterwechseln müsse bisweilen nach individuellen Lösungen geschaut werden. Wenn etwa ein Mieter nach einer Kündigung eigentlich Ende April raus müsse, aber noch nicht in seine neue Bleibe könne, werde geschaut, ob er länger bleiben könne sich eine Übergangswohnung in der Nähe finden lässt. "Das ist aber immer auch eine Frage der Kapazität", sagte Tausendpfund.

Bei Übergaben werden manchmal nur der Schlüssel eingeworfen, die Wohnung werde später angeschaut, berichtete der VDW-Südwest-Vertreter. Beim Bau oder der Sanierung von Gebäuden funktioniere trotz der Corona-Krise alles recht gut - mal von einzelnen Verzögerungen abgesehen. "Die Firmen arbeiten", sagte Tausendpfund. Auch die Immobilienverwaltung laufe weiter. Wichtige Wartungen etwa von Rauchmeldern würden erledigt, akute Defekte wie Wasserschäden selbstverständlich repariert - eben unter Einhaltung der Hygienevorschriften. Der Handwerker trage dann eben eine Gesichtsmaske und bitte gegebenenfalls den Bewohner, sich während der Arbeiten eher im Wohnzimmer als direkt neben ihm aufzuhalten.

Auf Mieterseite beobachtet der Mieterbund Mittelrhein noch keine größere Häufung rechtlicher Fragen. "Das könnte sich natürlich ändern, wenn der Lockdown und der Shutdown noch eine erhebliche Weile andauern", teilte der erste Vorsitzende Dietrich Rühle mit. Mieter erkundigten sich aber beispielsweise, ob sie nach einer Kündigung den Vermieter mit einer Menge unbekannter Interessenten in die Wohnung lassen müssten. "Wir raten dazu unseren Mitgliedern, das in ganz engem Umfang nur mitzumachen, wenn es unbedingt sein muss, was aber vielfach auf Unverständnis auf der Seiten der Vermieter führt."

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