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Rheinland-Pfalz & Saarland In Corona-Zeiten mehr Anzeigen über Onlinewache im Saarland

Eine Frau hat in ihrer Wohnung die Internetseite

(Foto: Harald Tittel/dpa/Archivbild)

Geschlossene Geschäfte und Gaststätten, keine Menschenansammlungen, ständig bewohnte Häuser und kaum Kontrollen in Bussen und Bahnen: Die Kriminalität geht während der Corona-Krise zurück. Die Polizei warnt aber vor neuen Betrugsmaschen vor allem im Internet.

Mainz (dpa/lrs) - Weniger Wohnungseinbrüche, Körperverletzungen, Sachbeschädigungen und Diebstähle: Die Kriminalität ist in der Corona-Krise in Rheinland-Pfalz deutlich gesunken. Der Präsident des Landeskriminalamts (LKA), Johannes Kunz, warnte am Mittwoch in Mainz jedoch von einer Verlagerung der Straftaten ins Internet und vor neuen Betrugsmaschen.

Die Kriminalität habe im März um 38 Prozent unter dem Vorjahresniveau gelegen, sagte Kunz. "Es fehlt schlichtweg für die Täter an potenziellen Opfern." Das Minus gelte für alle Delikte mit Ausnahme des Hausfriedensbruchs. Die Zahl der Wohnungseinbrüche etwa sei im März im Vergleich zum Vorjahresmonat um 27 Prozent gesunken. Schwarzfahren ging - auch wegen deutlich weniger Kontrollen - um 90 Prozent auf 36 Fälle zurück.

Bei häuslicher Gewalt gebe es auch einen Rückgang um 20 Prozent. Als Grund vermutet Kunz, dass Konflikte in der derzeitigen Situation nicht sofort eskalierten. "Da kann sich aber noch etwas aufbauen", mahnte Innenminister Roger Lewentz (SPD). Die Landesregierung hat vorsorglich die Plätze für Frauenhäuser aufgestockt. Die Jugendämter seien zudem sensibilisiert, es gebe mehr häusliche Hilfen, sagte der Präsident des Landesamtes für Soziales, Jugend und Versorgung, Detlef Placzek.

Etwas zugenommen hätten Einbrüche in Arztpraxen, möglicherweise um Betäubungsmittel zu beschaffen, sagte Kunz. In Krankenhäusern seien bereits größere Mengen Desinfektionsmittel gestohlen worden und Diebe hätten es zudem immer wieder auf Schutzmasken abgesehen.

Betrüger passten ihr Vorgehen der Corona-Krise an und gäben sich etwa als mit Covid-19 infizierte Enkel aus, die Geld für die medizinische Behandlung brauchten. Andere träten an der Haustür als Mitarbeiter des Gesundheitsamts auf und böten angebliche Tests gegen das Coronavirus für viel Geld an, manche spähten dabei auch die Wohnung aus.

"Kriminelle verlagern sich in den digitalen Raum", mahnte Kunz. Jeder vierte Bürger in Deutschland sei bereits Opfer von Kriminellen im Internet geworden, eine Zunahme sei in der Corona-Krise zu erwarten, aber noch nicht konkret zu verzeichnen. Fake-Shops, die Schutzmasken und andere begehrte Artikel gegen Vorkasse anböten, aber nicht lieferten, nannte er als Beispiel. Experten bewerteten mindestens neun von zehn Angeboten als dubios, sagte Lewentz.

Viele Bürger kennten die Schutzmöglichkeiten im Internet, aber nur etwa ein Drittel wende sie auch an, sagte Kunz. Potenzielle Opfer seien gerade in den Zeiten der intensiven Internet- und Telefonnutzung im Homeoffice Bürger als auch staatliche Stellen und Firmen. "Die Cyberstraftäter können ihr eingeübtes Reservoir nutzen."

Zugenommen haben auch die online gestellten Anzeigen: Von durchschnittlich 39 Eingaben am Tag auf 134, sagte Kunz.

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