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Rheinland-Pfalz & Saarland Mehr Vielfalt: Bauern pflanzen Dinkel und Lupine

Ein Landwirt fährt zum Ernteauftakt mit dem Mähdrescher über ein Gerstenfeld. Foto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild

(Foto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild)

Die zunächst hohen Erwartungen kann die Getreideernte in Rheinland-Pfalz nicht erfüllen. Auch bei der Qualität gibt es Abstriche. In der Westpfalz und im Norden hoffen die Bauern auf trockene Tage, damit der Mähdrescher losfahren kann.

Bischheim (dpa/lrs) - Mit Gerste und Weizen kann der Dinkel noch nicht mithalten, aber immer mehr landwirtschaftliche Betriebe reagieren auf den Wandel der Ernährungsgewohnheiten. Deshalb werden verstärkt auch Feldfrüchte angebaut, die in der vegetarischen und veganen Ernährung relevant sind, wie der Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz Süd am Donnerstag in Bischheim (Donnersbergkreis) mitteilte. Die größten Chancen habe Dinkel als Trendgetreide, sagte der Vorsitzende des Fachausschusses Pflanzenbau, Adolf Dahlem.

Wachsende Bedeutung haben nach seinen Angaben auch Hafer für die Produktion von Milchersatz in der veganen Ernährung sowie Futtererbse und Weiße Lupine als Grundlage für Fleischersatzprodukte. "Diese Kulturen machen die Landschaft vielfältiger, stellen aber auch neue Anforderungen an die Landwirte", sagte Dahlem. "Es muss sich unterm Strich auch rechnen." Erbse und Lupine haben den Vorteil, dass sie als Leguminosen mit der Fähigkeit zur Aufnahme von Stickstoff auch den Nährstoffgehalt des Bodens aufwerten und so die Abhängigkeit von Kunstdünger verringern.

Mit der Getreideernte sind die Landwirte im südlichen Rheinland-Pfalz in diesem Jahr nur bedingt zufrieden. Wo die Ernte bereits eingefahren worden sei, gebe es lange Gesichter, weil Menge wie Qualität unter den bis Mitte Juni noch sehr hohen Erwartungen geblieben seien, sagte Verbandspräsident Eberhard Hartelt. "Insgesamt aber werden wir eine durchschnittliche Ernte haben." Abstriche bei der Qualität wirkten sich über den weitgehend vom Weltmarkt bestimmten Preis auf den Erlös der Betriebe aus. "Beim Weizen sind die Proteinwerte oft schwach", sagte Dahlem. "Manchmal reicht es nur zu Futterweizen."

Der Verlauf der Getreideernte spiegelt die klimatischen Unterschiede zwischen den Regionen. "Wir haben ein starkes West-Ost-Gefälle beim Fortschritt der Getreideernte", sagte Hartelt. In der Westpfalz stünden noch 90 Prozent des Getreides auf den Feldern. Hingegen hätten die Betriebe in Rheinhessen, Richtung Mainz und Worms, die Ernte schon weitgehend abgeschlossen.

Im Norden von Rheinland-Pfalz stehen die Landwirte noch ganz unter dem Eindruck der verheerenden Regenfälle vom 14. Juli. "Wir sind noch im Katastrophenmodus", sagte der Präsident des Bauern- und Winzerverbands Rheinland-Nassau, Michael Horper. Auch sei die Vegetation der Feldfrüchte im Norden des Landes noch nicht so weit wie bei den Kollegen in der Pfalz und in Rheinhessen.

"Nur die Wintergerste ist zum guten Teil weg - die Erträge waren durchschnittlich", sagte Horper der Deutschen Presse-Agentur. "Beim jetzt reifenden Weizen sehen die Bestände gar nicht schlecht aus." Nötig sei allerdings eine längere trockene Phase, damit die Getreideernte auch eingebracht werden könne. "Wenn der liebe Gott mit der Witterung mitspielt, könnte das eine vernünftige Ernte werden." Entscheidend ist der Feuchtigkeitsgehalt des Weizenkorns - die Mühlen verlangen meist ein Maximum von 14,5 Prozent. Deshalb ist es so wichtig, dass die Ernte möglichst an trockenen Tagen eingebracht werden kann.

In den Zuckerrüben-Kulturen mussten die Bauern nach spätem Frost im April vielfach ein zweites Mal säen. "Sie haben dann aber ganz gut aufgeholt", sagte Hartelt. Sorgen macht ihm in den Maiskulturen der Krähenfraß, der "ganz massive Schäden" verursache. Wenn sich die Population einer Art so sehr erholt habe wie bei der Krähe, müsse gefragt werden, ob der strenge Schutzstatus auch wieder gelockert werden sollte.

Der Gastgeber für die Präsentation der vorläufigen Erntebilanz, Landwirt Gerold Füge, engagiert sich mit weiteren Kolleginnen und Kollegen im Donnersbergkreis für die Verbindung von Naturschutz und Landwirtschaft. Auf seiner Betriebsfläche hat er Blühstreifen für den Insektenschutz reserviert. Und wenn er in diesen Tagen mit dem Mähdrescher über die Weizenfelder fährt, lässt er Streifen mit den hohen Ähren stehen - "damit auch die Hamster und Rebhühner gut leben können".

© dpa-infocom, dpa:210729-99-596463/3

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