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Rheinland-Pfalz & Saarland Missbrauch: Persönliche Angaben in "Cyberbunker"-Prozess

Eine Person tippt auf einem Laptop. Foto: Silas Stein/dpa/dpa-tmn/Symbolbild

(Foto: Silas Stein/dpa/dpa-tmn/Symbolbild)

Im großen Cybercrime-Prozess gegen mutmaßliche Betreiber illegaler Plattformen im Darknet kommen persönliche Dinge der Angeklagten zur Sprache. Einer berichtet von traumatischen Erlebnissen, ein anderer schwärmt am zweiten Verhandlungstag für Computer.

Trier (dpa/lrs) - Missbrauch und Überfall: Drei Tage nach seinem Start ist einer der bundesweit größten Cybercrime-Prozesse mit Angaben mehrerer Angeklagter zu ihren Lebensläufen weitergegangen. Einer von ihnen, den die Anklage als eine "Art Manager" in einem "Cyberbunker" bezeichnet, sagte am Donnerstag vor dem Landgericht Trier, er sei einst missbraucht worden. Die wohl 16 bis 18 Jahre alte Tochter einer Putzfrau habe ihn im Alter von fünf bis sechs Jahren bei ihm zu Hause in einer Toilette mehrmals sexuell missbraucht, berichtete der Niederländer.

Als Erwachsener sei er einmal nachts auf Kreta von zwei Männern krankenhausreif geschlagen worden. Später sei bei ihm eine Posttraumatische Belastungsstörung festgestellt worden. Der 50 Jahre alte Angeklagte mit den Hobbys Schach und Wandern ergänzte am zweiten Verhandlungstag, er habe schon zahlreiche Jobs gehabt: bei einer Zeitarbeits- und einer Logistikfirma, als Ferienhausvermittler und Zeitungsausträger, in den Niederlanden sowie in Spanien und Griechenland. Als Erwachsener habe er längere Zeit wieder bei seiner Mutter gewohnt. Bei der Krankenversicherung habe er noch rund 8000 Euro Schulden. Auf die Frage, ob er Kinder habe, antwortete er: "Ich denke nicht."

In Trier stehen erstmals in Deutschland mutmaßliche Betreiber krimineller Plattformen im Darknet vor Gericht. Die insgesamt acht Angeklagten sollen in einem alten Bunker an der Mosel ein illegales Rechenzentrum für kriminelle Geschäfte im Darknet betrieben haben. Die Anklage wirft der mutmaßlichen Bande Beihilfe zu rund 250 000 Straftaten vor. Ihre Kunden sollen für millionenschwere Drogendeals, Datenhehlerei, Computerangriffe, Falschgeldgeschäfte, verlinkte Kinderpornografie und Mordaufträge verantwortlich gewesen sein. Hunderte Polizisten hatten die unterirdische Anlage bei Traben-Trarbach im Moseltal vor gut einem Jahr ausgehoben.

Angeklagt sind vier Niederländer, ein Bulgare und drei Deutsche, darunter eine 53-Jährige, die die Anklage als Buchhalterin im "Cyberbunker" bezeichnet. Sie äußerte sich am Donnerstag ebenfalls zu ihrem Werdegang: Sie sei in Kamerun geboren und aufgewachsen, sei mit einem Deutschen in Diensten der Entwicklungshilfe verheiratet gewesen, habe in weiteren afrikanischen Staaten gelebt und sei dann nach Deutschland gezogen. Hier habe sie eine Ausbildung zur Krankenpflegerhelferin gemacht, sei aber selbst wiederholt erkrankt. Sie habe zwei Adoptivtöchter.

Als dritter und letzter Angeklagter sagte am Donnerstag ein 21-jähriger deutscher Informatikstudent aus. Er soll laut Anklage technische Unterstützung im Bunker geleistet haben. "Computerzeugs" sei schon seit der Kindheit sein Hobby, berichtete der junge Mann. Er habe eher Freunde, die älter seien als er. Eine Freundin habe er zuletzt in der Schulzeit gehabt. Er ist der einzige Angeklagte, der nicht in Untersuchungshaft sitzt.

Die acht Angeklagten sollen die illegalen Webseiten gehostet und so Beihilfe zu den von ihren Kunden begangenen Straftaten geleistet haben. Kopf der mutmaßlichen Bande war laut Anklage ein Niederländer, der den Bunker 2013 gekauft hatte. Er gab vor Prozessbeginn an, nichts von den Inhalten auf den Servern gewusst zu haben. Der "Cyberbunker" soll ein "Bulletproof-Hoster" (kugelsicherer Hoster) gewesen sein, der mit einem vor der Polizei sicheren Datenzentrum warb. Der bis Ende 2021 terminierte Mammutprozess soll am kommenden Montag (26.10.) fortgesetzt werden.

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