Regionalnachrichten

Rheinland-Pfalz & Saarland Noch rund 11 500 Ausbildungsstellen unbesetzt

Eine Auszubildende sitzt mit einer Feile an einem Schraubstock. Foto: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/ZB/Symbolbild

(Foto: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/ZB/Symbolbild)

Elektroniker oder Einzelhandelskaufmann: Trotz der Corona-Krise gibt es noch viele freie Ausbildungsstellen.

Saarbrücken/Mainz (dpa/lrs) - Wenige Wochen vor Beginn des Ausbildungsjahres sind in Rheinland-Pfalz noch rund 11 500 Stellen unbesetzt. Zugleich suchen noch 9400 junge Menschen eine Lehrstelle, wie die Sprecherin der Regionaldirektion Rheinland-Pfalz-Saarland der Bundesagentur für Arbeit, Christiane Lauer, der Deutschen Presse-Agentur in Mainz sagte. Gegenüber dem Vorjahr haben die Unternehmen 2300 Ausbildungsstellen weniger gemeldet. Dies ist ein Minus von 8,7 Prozent. Die Zahl der Bewerber ist im Jahresvergleich aber auch zurückgegangen, um 1400 oder 6,1 Prozent. Seit Oktober 2019 hatten sich rund 21 500 junge Menschen bei den Arbeitsagenturen registriert. Die Betriebe hatten insgesamt etwa 23 800 Ausbildungsstellen gemeldet.

Die Zahlen stammen allerdings bereits aus dem Juni, neuere gibt es erst Ende Juli. Das Ausbildungsjahr beginne in der Regel im August oder September, ziehe sich aber auch noch in den Oktober, sagte Lauer.

Vor allem als Einzelhandelskaufmann, Verkäufer, Kaufmann für Büromanagement und Handelsfachwirt gibt es noch Ausbildungsplätze. Aber auch Bäcker, zahnmedizinische Fachangestellte, Anlagenmechaniker für Sanitär, Heizung und Klimatechnik sowie Elektroniker für Gebäudetechnik werden noch gesucht. Auch für künftige Fachkräfte für Lagerlogistik und im Fleischerhandwerk sind noch Ausbildungsstellen frei.

Im laufenden Jahr ist die Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge bei den Industrie- und Handelskammern sowie den Handwerkskammern in Rheinland-Pfalz um mehr als 19 Prozent zurückgegangen, sagte DGB-Landeschef Dietmar Muscheid. "Wir appellieren an die Weitsichtigkeit der Betriebe, dass sie die Fachkräfte heute ausbilden müssen, die ihnen sonst morgen fehlen werden."

Die Chefin der Regionaldirektion Rheinland-Pfalz-Saarland der Bundesagentur für Arbeit, Heidrun Schulz, ermutigt junge Frauen und Männer Kontakt zur Berufsberatung aufzunehmen: "Eine Ausbildung garantiert einen soliden Start ins Erwerbsleben." Ziel sei es, einen sogenannten Ausbildungsjahrgang Corona zu verhindern. Die Agenturen für Arbeit unterstützen sowohl die Jugendlichen als auch die Unternehmen, dass sie auch in dieser unsicheren Situation zueinander finden. "Es wird eine Zeit nach Corona geben, in der Betriebe froh sind, die Fachkräfte im eigenen Betrieb zu haben."

Bereits vor der Corona-Krise hätten rund 80 000 junge Menschen zwischen 20 und 30 Jahren, über keine abgeschlossene Berufsausbildung verfügt, sagte Muscheid. "Die Effekte der Corona-Krise werden auch diese Situation weiter verschärfen." Denn: "Wenn sie Arbeit finden, dann sind das ungelernte Tätigkeiten, bei denen sie in der Regel wenig verdienen, schlecht für das Alter vorsorgen können und die nur wenig Perspektive im digitalen Umbruch der Arbeitswelt bieten." Diese jungen Menschen bräuchten eine umfangreichere Betreuung, als es das Jobcenter bieten könne. "Wir fordern deshalb mehr Jugendberufsagenturen im Land, wie es sie schon in Mainz gibt."

Newsticker