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Rheinland-Pfalz & Saarland Prozess um tödliche Messerattacke auf 21-Jährige in Worms

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(Foto: Andreas Arnold/dpa/Archivbild)

Eine 21-Jährige wird mutmaßlich von ihrem damaligen Freund mit einem Messer umgebracht. Das rüttelt die Domstadt Worms im März auf, ein Trauermarsch und ein Gedenkgottesdienst werden organisiert. Nun kommt der wegen Mordes angeklagte Tatverdächtige vor Gericht.

Mainz (dpa/lrs) - Rund sieben Monate nach der tödlichen Messerattacke auf eine 21-Jährige in Worms beginnt der Mordprozess gegen den damaligen Freund des Opfers. Vor dem Mainzer Landgericht ist vom kommenden Montag an (21. Oktober) ein zum Zeitpunkt der Tat 28 Jahre alter Tunesier angeklagt, wie das Gericht mitteilte. Ursprünglich war von einem Alter von 22 Jahren ausgegangen worden.

Der Mann soll seinerzeit zumindest zeitweise mit dem Opfer in einem Zimmer in der Wohnung des Vaters der jungen Frau gelebt haben. In der Nacht auf den 6. März 2019 gerieten die beiden in Streit. Nach Angaben des Gerichts soll der Angeklagte unvermittelt ein Messer gezogen und auf die völlig überraschte Frau eingestochen haben. Sie erlag noch am Tatort ihren Verletzungen.

Am ersten Prozesstag sind neben der Verlesung der Anklage auch Vernehmungen mehrerer Polizisten geplant. Einen Tag später folgen weitere Polizisten im Zeugenstand sowie Menschen aus dem sozialen Umfeld des mutmaßlichen Täters. Bis Anfang November hat die erste Große Strafkammer darüber hinaus noch drei weitere Prozesstage anberaumt. Das Gericht hat verschärfte Kontrollen angekündigt, vor dem Sitzungssaal wird ein Kontrollpunkt eingerichtet.

Opfer und mutmaßlicher Täter sollen dem Landgericht zufolge seit Ende 2018 eine Liebesbeziehung geführt haben. Diese sei von Auseinandersetzungen geprägt gewesen. Der Angeklagte, ein abgelehnter Asylbewerber, leidet dem Gericht zufolge möglicherweise an einer psychotischen Störung. In Deutschland sei er strafrechtlich insofern noch nicht in Erscheinung getreten, als dass er keinen Eintrag im Bundeszentralregister habe.

Der Polizei war er schon länger bekannt, nach früheren Angaben etwa wegen Körperverletzungen und Drogendelikten. Das Regierungspräsidium Karlsruhe hatte zu einem früheren Zeitpunkt mitgeteilt, der Mann habe mehrere Aliasidentitäten benutzt, zwischenzeitlich sei er untergetaucht gewesen.

Das Opfer von Worms erlitt bei der Attacke im März nach früheren Angaben der Staatsanwaltschaft zehn bis 15 Stich- und Schnittverletzungen im Rücken, am Hals, in der Lunge und an den Händen. Der mutmaßliche Täter stellte sich am Morgen nach der Tat der Polizei und erklärte, seine Freundin in einem Beziehungsstreit getötet zu haben.

Die Gewalttat sorgte in der Region für viel Aufsehen, hunderte Menschen nahmen an einem Trauermarsch teil. Zwischenzeitlich erhielt der damalige Wormser Oberbürgermeister Michael Kissel (SPD) eine Morddrohung, nachdem er die Menschen in der Domstadt zum Zusammenhalt aufgerufen hatte. Bei einem ökumenischen Gottesdienst kam es zu einem Zwischenfall: Ein Mann rief nach damaligen Angaben der Polizei "Allahu Akbar" ("Gott ist groß") und wurde dann von Kirchenbediensteten nach draußen geführt und der Polizei übergeben.

Terminübersicht Landgericht Mainz

Mitteilung des Gerichts zum Prozessauftakt

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