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Rheinland-Pfalz & Saarland Studierendenwerke funken SOS

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Kaum Studenten auf dem Campus, Mensen dicht, gekündigte Verträge für Wohnheimplätze - Studierendenwerken brechen Umsätze weg. Leidtragende sind zunächst Saisonkräfte. Sollte gar ein Werk zahlungsunfähig werden, müsste das Land einspringen.

Mainz/Trier (dpa/lrs) - Die rheinland-pfälzischen Studierenwerke kämpfen in der Corona-Krise mit argen Umsatzeinbußen. Die Lehre an Unis und Fachhochschulen läuft größtenteils digital, ergo sind die allermeisten Mensen sowie Cafeterien geschlossen oder arbeiten stark eingeschränkt. Zudem werden Verträge für Wohnheimplätze gekündigt. Ein erster Schritt: Saisonkräfte in Mensen oder Cafeterien bekamen für das Sommersemester keine Verträge, wie mehrere Studierendenwerke im Land am Montag berichteten. Die Landesregierung teilte mit, sie sei "sensibilisiert", nicht notwendige Personalkosten müssten aber vermieden werden. Zuvor hatte der SWR über das Thema berichtet.

Thomas Mosthaf, Sprecher des Studierendenwerks Vorderpfalz sagte: "Wir stehen mit dem Rücken zur Wand." Die Mensen-Umsätze seien um 96 Prozent weggebrochen. Normalerweise gingen am Standort Landau pro Tag 1200 Essen pro Tag über den Tisch, nun seien es vielleicht 45. Das sei "fernab jeder Wirtschaftlichkeit". In der Vorderpfalz sind ihm zufolge 49 Saisonkräfte betroffen an den Hochschul-Standorten Landau, Ludwigshafen, Germersheim und Worms.

Ähnlich klingt das in Trier. Dort berichtet der Geschäftsführer des dortigen Studierendenwerks, Andreas Wagner, von normalerweise rund 4000 Essen pro Tag an beiden Mensa-Standorten. Nun würden insgesamt täglich etwa 150 verkauft. Mosthaf sagte, die Mensen könnten sich nun nicht ohne weiteres für andere Kunden öffnen. Wenn sie andere bekochten, schade das der Gastronomie. Wenn Studierendenwerke leerstehende Zimmer an Besucher vermieteten, schade das der Hotellerie. Es sei sehr schwer, einen alternativen Markt zu finden. Es brauche vom Land eine "Bestandszusage" bis zum Ende des Wintersemesters 2020/21. "Auch dann werden keine Horden von Studenten über den Campus laufen."

Das Studierendenwerk Trier spricht von 37 Saisonkräften. Die könnten in der aktuellen Situation schlicht nicht beschäftigt werden, sagte Geschäftsführer Wagner. Das klinge hart, aber er sei nunmal zu einer sparsamen Mittelverwendung verpflichtet.

Wissenschaftsstaatssekretär Denis Alt (SPD) teilte auf Anfrage mit, die Studierendenwerke würden mit Kurzarbeitergeld für ihre Beschäftigten in erheblichem Umfang von laufenden Personalkosten entlastet. Nach Kenntnis des Ministeriums sei bisher kein Studierendenwerk in eine wirtschaftlich bedrohliche Lage geraten. "Sollte es dazu kommen, besteht zugunsten der Studierendenwerke eine Gewährträgerhaftung des Landes." Die Werke seien insolvenzunfähig, bei drohender Zahlungsunfähigkeit springe das Land ein. Damit eine wirtschaftliche Schieflage nicht noch beschleunigt werde, müssten nicht notwendige Kosten für Personal vermieden werden.

Der Landessprecher der Studierendenwerke im Land, Andreas Schülke vom Studierendenwerk Vorderpfalz, sagte dem SWR, wenn sich die düsteren Prognosen der Hochschulen zu den Präsenzzahlen der Studierenden auf dem Campus für das Wintersemester bewahrheiteten, sei mittelfristig auch Stammpersonal von betriebsbedingten Kündigungen betroffen. Er sprach von rund 700 Beschäftigten bei den Werken im Land.

Der Sprecher des Mainzer Studierendenwerks, Thomas Kohn-Ade, berichtete, derzeit sei nur eine Mensa offen, die Essen zum Mitnehmen anbiete. Sonst sei alles dicht. Auch er betonte, es sei wirtschaftlich schlicht nicht möglich, Saisonkräften Verträge zu geben. In Wohnheimen liefen derzeit noch Verträge für Plätze, aber zum Wintersemester könnte eine große Zahl gekündigt werden - etwa von ausländischen Studierenden, die gar nicht erst hätten anreisen können. Auch deutsche Studierende hätten signalisiert, kündigen zu wollen, wenn ihre Anwesenheit in Mainz nicht erforderlich sei. Beispielsweise seien deren Eltern in Kurzarbeit, Kosten müssten gesenkt werden. "Das sind Kaskaden von Problemen", sagte Kohn-Ade.

Nach seinen Angaben beläuft sich die Zahl der Saisonkräfte in den Werken im Land auf rund 200, in Mainz seien es mit 24 vergleichsweise wenig. Mit Blick auf die kommenden Monate sagte Kohn-Ade, ohne Unterstützung des Landes werde es nicht gehen. "Wir brauchen einen Rettungsschirm."

Die hochschulpolitische Sprecherin der CDU-Fraktion, Marion Schneid, verlangte von der Landesregierung einen "sozialverträglichen Corona-Hilfsplan" für Mitarbeiter der Studierendenwerke. Es brauche Gespräche zwischen Regierung, Werken, Gewerkschaften und Hochschulen. "Unsere Hochschulen, Universitäten, Studentinnen und Studenten brauchen gut aufgestellte Studierendenwerke auch nach der Corona-Krise - spätestens dann, wenn Hochschulen/Universitäten zum Regelbetrieb zurückkehren sollten."

Der SWR zitierte den Personalratsvorsitzenden des Mainzer Studierendenwerks, Tomas Noll. Der verwies auch auf den sozialen Auftrag, den die Werke gerade für Bafög-Empfänger erfüllen müssten. Er kann sich vorstellen, Umsatzeinbußen zu minimieren, indem leerstehende Wohnheimzimmer auf dem allgemeinen Wohnungsmarkt angeboten werden. "Wir hatten allein 500 Zimmer, die wegen den fehlenden Auslandsstudenten leer blieben."

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