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Rheinland-Pfalz & Saarland Tierseuchensituation zugespitzt: Land bezuschusst Impfungen

Eine Veterinärin impft beim Auftakt einer Impfaktion bei Rindern gegen die Blauzungenkrankheit ein Jungtier. Foto: Fabian Sommer/Archivbild

(Foto: Fabian Sommer/dpa)

Blauzungenkrankheit und Afrikanische Schweinepest zeigen: Rheinland-Pfalz muss sich gegen Tierseuchen wappnen. Das Land reagiert mit Zuschüssen. Nun ist auch noch eine - eigentlich tropische - "Jagdzecke" zu den Problemen dazugekommen.

Mainz (dpa/lrs) - Die Blauzungenkrankheit hat man schon in Land, die Afrikanische Schweinepest (ASP) droht überzugreifen: Die Tierseuchensituation habe sich seit Ende 2018 zugespitzt, sagte die rheinland-pfälzische Umweltministerin Ulrike Höfken (Grüne) am Mittwoch bei der Vorstellung der Tierseuchenbilanz in Mainz. Helfen sollen Zuschüsse an Landwirte für Impfungen gegen die Blauzungenkrankheit und ein umfangreiches Monitoring.

Ab Herbst will das Umweltministerium die Impfungen von Tieren gegen die Blauzungenkrankheit finanziell unterstützen, sagte die Ministerin. Landwirte sollen 80 Cent je Impfung bei Rindern und 60 Cent bei Schafen und Ziegen erhalten. Anfang des Jahres sei in fünf rheinland-pfälzischen Betrieben der Serotyp 8 der Krankheit nachgewiesen worden. Seit Januar ist ganz Rheinland-Pfalz daher zum Sperrgebiet erklärt worden, das mindestens zwei Jahre aufrecht erhalten wird und den Tierhandel stark einschränkt.

Das habe keine guten Auswirkungen auf den Rinderpreis, sagte der Sprecher des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz Süd, Andreas Köhr. Die erforderlichen Impfungen und Untersuchungen der Tiere seien mit erheblichen Aufwendungen und damit auch mit finanziellen Einbußen verbunden, sagte die Sprecherin der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz, Gertrud Werner.

Die Bezuschussung sei grundsätzlich zu begrüßen, aber zu gering, sind sich Bauernverband und Landwirtschaftskammer einig. "Da hätten wir uns schon etwas mehr gewünscht", sagte Köhr. Der Betrag decke die Kosten nicht, sagte Werner. Eine Impfung kostet laut Umweltministerium 6,30 Euro bei Rindern und 3,90 Euro bei Schafen. Die Zuschüsse des Landes belaufen sich auf rund 300 000 Euro in den nächsten beiden Jahren. Das Umweltministerium geht davon aus, dass derzeit knapp 30 Prozent der 330 000 Rinder und etwa zehn Prozent der etwa 110 000 kleinen Wiederkäuer geimpft sind.

Laut Andreas Köhr vom Bauernverband ist die Impfbereitschaft bei Bauern, die Tiere nicht über die Landesgrenzen transportieren und damit nicht von den strengen Auflagen betroffen sind, geringer. Eine Impfpflicht ist laut Höfken nicht sinnvoll, da um Rheinland-Pfalz herum keine bestehe. "Es macht keinen Sinn, eine Insellösung zu schaffen", sagte sie.

Zu den Zuschüssen könnte Geld von der Tierseuchenkasse kommen. Die will laut Ministerium im Herbst entscheiden, ob sie zusätzlich bezuschusst.

Die Blauzungenkrankheit des Serotyps 8 ist - im Gegensatz zu anderen Serotypen - für Menschen und Tiere nicht gefährlich. Es gehe bei den Impfzuschüssen ausschließlich um den Handel, nicht um den Tierschutz, sagte Höfken. Es sei zu hinterfragen, ob es nicht sinnvoll sei, diesen Serotyp aus der Liste der Tierseuchen zu streichen, die bei Ausbruch Sperrgebiete nach sich ziehen, sagte Köhr.

Helfen soll ein umfangreiches Monitoring, also eine dauernde Überprüfung der Tierbestände auf Krankheiten. Seit Ausbruch der Blauzungenkrankheit Anfang 2019 sind bisher laut Ministerium 23 000 Proben entnommen worden. Auch die ASP soll so ferngehalten werden: Seit 2018 erhalten Jäger eine Prämie von 50 Euro, wenn sie Proben aus Fallwild entnehmen und einschicken. 155 dieser Prämien habe es seitdem gegeben. Zeit sei ein wichtiger Faktor, wenn die Seuche früh erkannt werde, sei die Chance auch groß, sie wieder loszuwerden, sagte Höfken.

Die ASP ist nur 40 Kilometer von der Landesgrenze entfernt in Belgien festgestellt worden. Ein Ausbruch in Rheinland-Pfalz würde Schweinehalter vor ähnliche Probleme stellen wie die Rinderhalter im Fall der Blauzungenkrankheit. Übertragen werden kann die Krankheit durch Wildschweine, die sich laut Höfken in Rheinland-Pfalz sehr wohl fühlen. Das Land habe daher schon die Schonzeit für die Tiere und ein Verbot künstlicher Lichtquellen bei der Jagd aufgehoben. 2018 seien fast 90 000 Tiere erlegt worden - das ist bundesweiter Rekord.

Erstmals in Rheinland-Pfalz festgestellt wurde 2018 eine "Hyalomma"-Zecke. Die sei eigentlich in tropischen Gebieten in Afrika, Asien und Südeuropa zu Hause, sei aber wohl von Zugvögeln nach Deutschland eingeschleppt worden, sagte Gabriele Luhofer vom Landesuntersuchungsamt. Anders als heimische Zecken, die im hohen Gras sitzend "abgestreift" werden, ist die "Hyalomma" eine "Jagdzecke", die mit hoher Geschwindigkeit ihr Ziel verfolgen kann. Sie kann unter anderem das afrikanische Zeckenbissfieber und das Krim-Kongofieber übertragen. In Deutschland habe es bisher noch keine Infektion gegeben, sagte Luhofer. Gefährlicher sei die heimische Variante, der "gemeine Holzbock" gewesen: Im vergangenen Jahr gab es in Rheinland-Pfalz 1600 Fälle von durch Zecken übertragener Borreliose und sechs Fälle von FSME.

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