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Rheinland-Pfalz & Saarland Wälder in Rheinland-Pfalz schwer geschädigt

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Nur Eiche und Hainbuche geht es etwas besser - bei fast allen Baumarten nimmt die Schädigung aber teilweise dramatisch zu. Forstministerin Höfken nennt den Wald ein "sichtbares Opfer der Klimakrise".

Mainz (dpa/lrs) - Die Wälder in Rheinland-Pfalz sind so schwer geschädigt wie noch nie seit Beginn der regelmäßigen Erhebungen vor 36 Jahren. Der Anteil kranker Bäume in den rheinland-pfälzischen Wäldern stieg in diesem Jahr von 82 auf 84 Prozent, heißt es in dem am Mittwoch veröffentlichten Waldzustandsbericht 2020, der am Mittwoch in Mainz veröffentlicht wurde. "Das Waldsterben hat inzwischen erschreckende Dimensionen erreicht", erklärte Forstministerin Ulrike Höfken (Grüne).

Seit 2018 seien mehr als elf Millionen Bäume abgestorben, sagte die Ministerin. Diese Zahl ergibt sich aus den aufgrund von Trockenheit und Borkenkäferschäden entnommenen Bäumen im Staats- und Kommunalwald. Zusätzlich wurde dies auf den Privatwald hochgerechnet.

Der Bericht ist das Ergebnis der Untersuchung einer Stichprobe von 3768 Bäumen in ganz Rheinland-Pfalz, bei der vor allem die Baumkronen im Blick sind. Bei der fachlichen Sichtung war nur jeder sechste Baum (16 Prozent) ohne erkennbare Schäden.

"Unser Wald ist sichtbares Opfer der Klimakrise", sagte Höfken. "Deswegen müssen wir alles daransetzen, die waldschädigenden Emissionen der fossilen Energien zu vermeiden und stattdessen die Erneuerbaren Energien weiter auszubauen."

Drei trockene Sommer in Folge hätten zusammen mit anderen Faktoren wie den Schadstoffen aus Autoverkehr, Industrie und Landwirtschaft "stellenweise zu dramatischen Absterbeprozessen in Rheinland-Pfalz" geführt, heißt es in dem Bericht. Das ausklingende Jahr war von einer trockenen Periode Mitte März bis Mitte April, einem deutlich zu trockenen Mai und einem extrem trockenen Juli geprägt. So waren bereits ab Anfang August besonders bei Buche und Birke "verstärkt Braunfärbung und Blattfall zu beobachten".

Der Anteil der Bäume mit deutlichen Schäden nahm bei fast allen Baumarten innerhalb eines Jahres zu. Am höchsten ist der Anteil bei der Esche mit 64 und der Buche mit 63 Prozent (plus 19 und plus 25 Prozentpunkte). Danach folgen die Lärche mit 49 Prozent und die besonders stark vom Borkenkäferbefall betroffene Fichte mit 48 Prozent (jeweils plus 10). Eine Verbesserung gab es bei der Eiche mit 43 Prozent von deutlich geschädigten Bäumen (minus 11). Erholen konnte sich auch die Hainbuche mit 29 Prozent (minus 30). Bei der Kiefer hat sich das Ausmaß deutlicher Schäden hingegen auf 26 Prozent verdoppelt. Auch beim Ahorn, der Birke, der Erle und der Tanne verzeichnet der Bericht für 2020 einen tendenziellen Anstieg des Schadniveaus gegenüber dem Vorjahr.

Buche und Eiche zeigten als Stressreaktion erneut eine verstärkte Fruchtbildung. "Inzwischen haben wir im Grunde fast jedes Jahr ein solches Mastjahr", sagte die Försterin und Sachbearbeiterin im Umweltministerin, Anne-Sophie Knop, der Deutschen Presse-Agentur. "Die Bäume reagieren wahrscheinlich auf den Trockenstress, indem sie verstärkt versuchen, sich fortzupflanzen." Die für die Fruchtbildung benötigten Nährstoffe fehlten dann aber für ein gesundes Wachstum.

Die Forstverwaltung bemüht sich um eine natürliche Verjüngung der Wälder, indem Jungpflanzen aus Samen bestehender Bäume unterstützt werden - "in der Hoffnung, dass sich die Baumarten in der Evolution an die veränderten Klimabedingungen anpassen können", erklärte Waldexpertin Knop. Zurückhaltend werden neue Baumarten eingebracht, die bereits höhere Temperaturen und trockenere Bedingungen gewöhnt sind. "Aber wir können den Wald nicht retten, indem wir ihn neu konstruieren", sagte Knop. "Das wird wahrscheinlich nicht funktionieren." Schließlich ist der Wald ein hochkomplexes Ökosystem, in dem die einzelnen Baumarten zusammen mit Mikroorganismen im Boden und Pflanzenarten der Krautschicht in einem engen Verhältnis miteinander verbunden sind.

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