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Rheinland-Pfalz & Saarland Wolf mit Problemen? Landrat fordert mehr Schutz

Ein Wolf steht in einem Gehege. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/zb/dpa/Symbolbild

(Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/zb/dpa/Symbolbild)

Nach mehreren Schafsrissen fordert der Neuwieder Landrat Hallerbach den Abschuss einzelner Wölfe. Das Umweltministerium weist dies als gesetzwidrig zurück.

Neuwied (dpa/lrs) - Der Landkreis Neuwied befürwortet den Abschuss von einzelnen Wölfen mit einem "problematischen Verhalten". Dabei wird ein im Westerwald lebender Wolf mit der Bezeichnung GW1896m genannt, der mehrere Schafe gerissen hat. "Es geht nicht um den Abschuss "des Wolfs"", sagte ein Sprecher der Landkreisverwaltung. Landrat Achim Hallerbach (CDU) fordere aber "die Entnahme" (also Tötung) einzelner Tiere, "die bekanntermaßen ein problematisches Verhalten zeigen".

Im rheinland-pfälzischen Umweltministerium wird das anders gesehen. "Nur weil ein Wolf Schafe reißt, wird er damit noch nicht zu einem Tier mit Problemen", sagte ein Sprecher. "Es gibt derzeit keine gesetzliche Handhabe, dieses Tier zu erschießen." Wenn ein Wolf einen als wolfsicher angelegten Zaun überwinde, reiche dies nicht für "eine Entnahme des Wolfes" aus. Vielmehr müssten "nachweisliche - also echte auffällige – wolfsuntypische Verhaltensmuster" vorliegen, "welche zu erheblichen Schäden bei Nutztierhaltern führen".

Eine Übersicht der Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz zeigt, dass der Wolf GW1896m im Februar noch im Kreis Bernkastel-Wittlich unterwegs war, dann in den Rhein-Lahn-Kreis ging und seit März im Westerwald war. Dort wurden bislang mehr als 20 Schafrisse mit genetischem Nachweis auf GW1896m festgestellt, meist im Kreis Altenkirchen, vereinzelt auch im Kreis Neuwied.

"Die scheinbar politisch gewollte Wiederansiedelung des Wolfs in unserer Region darf die Existenz von Landwirten und Nutztierhaltern nicht beeinträchtigen oder gar gefährden", erklärte ein Sprecher des Landkreises. Deshalb fordere Landrat Hallerbach eine Ausweitung der bisher vorgesehenen Schutz- und Unterstützungsmaßnahmen. "Die bisherige Praxis reicht keinesfalls aus, was perspektivisch dazu führen wird, dass Landwirte und Nutztierhalter ihr Geschäft aufgeben."

Die Kreisverwaltung kritisiert die Bestimmungen zur Anlage von wolfssicheren Umzäunungen. Eine solche Umzäunung sei nicht überall möglich, wenn etwa bei unebenem Gelände die stromführende Litze nicht in der geforderten Bodenhöhe angebracht werden könne, sagte der Sprecher.

Die Naturschutzinitiative (NI) warf dem Landrat vor, sich "völlig unverantwortlich" zu verhalten. Anstatt den Abschuss von Wölfen zu fordern, sollten die Fachleute zum Wolfsmanagement in ihrer Arbeit unterstützt werden.

Wölfe stehen in ganz Deutschland unter Naturschutz. Die Landesregierung in Rheinland-Pfalz hat 2015 einen Managementplan für den Umgang mit Wölfen eingeführt. Risse von Nutztieren werden entschädigt, wenn sie nachweislich von einem Wolf verursacht wurden. In den ausgewiesenen Präventionsgebieten werden Vorkehrungen wie wolfssichere Zäune und Herdenschutzhunde mit Landesmitteln gefördert.

© dpa-infocom, dpa:211017-99-625409/2

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