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Sachsen-Anhalt Archäologen finden Knochen bei Harzgerode und Quedlinburg

Archäologie auf einer Richtstätte.

(Foto: Heiko Rebsch/dpa/Archivbild)

Archäologie an einem Ort, an dem Menschen hingerichtet wurden - das ist neu in Sachsen-Anhalt. Erstmals gibt es dazu Grabungen bei Harzgerode und Quedlinburg. Was wurde gefunden?

Harzgerode/Quedlinburg (dpa/sa) - Archäologen haben auf zwei Jahrhunderte alten Richtstätten bei Harzgerode und Quedlinburg (beide Landkreis Harz) erste Knochen von Gehängten entdeckt. "Es sind die ersten Grabungen dieser Art in Sachsen-Anhalt", sagte Archäologin Marita Genesis der Deutschen Presse-Agentur. "Außerdem steckten bei Harzgerode mehrere Metallfunde und eine blaue Glasperle im Boden."

Die Galgen bestanden möglicherweise jeweils aus drei Eichenpfosten, die in tiefen Löchern mit Steinen verkeilt waren. Mehrere Meter lange Querbalken, sogenannte Rähne, verbanden die Pfosten. An dieser Konstruktion konnten sieben bis acht Menschen gleichzeitig gehenkt werden. "Die zum Tode Verurteilten waren nach damaliger Ansicht ehrlos und durften nicht auf dem Friedhof in geweihter Erde bestattet werden", sagte Genesis.

"Sie hingen lange am Galgen. Die Zeit von einigen Wochen bis mehreren Jahren wurde im Urteil festgelegt. Danach wurden die sterblichen Überreste unter dem Galgen verscharrt." Das lange Hängen am Galgen sei Teil der Strafe gewesen. Damit seien die Verurteilten über ihren Tod hinaus als Ehrlose behandelt worden.

Die Galgen bei Harzgerode und Quedlinburg entdeckten die Archäologen in einer historischen Karte. Nachweislich genutzt wurde der Galgen bei Harzgerode zwischen 1650 bis Anfang 1800. Den Aufzeichnungen zufolge gab es über mehrere Jahrzehnte nacheinander zwei Dynastien von Henkersfamilien in Harzgerode. "Vermutlich wurde die Richtstätte Harzgerode auch schon im Mittelalter genutzt", sagte Genesis.

In Quedlinburg existierte der Galgen von etwa 1660 bis 1809. "Die Pfosten in Quedlinburg wurden dann entfernt und in die drei Pfostenlöcher Linden gepflanzt", sagte die Archäologin. "Die Linden stehen heute noch und zeigen deutlich, wo der Galgen genau stand."

Bei der Grabung nahe Quedlinburg wurden unter dem ehemaligen Galgen Keramikreste, sogenannte Malhornware, gefunden. Zudem wurden verlagerte Knochenreste geborgen. Ebenso sind drei Gruben freigelegt worden. In jeder Grube lag ein menschliches Skelett. "Diese Menschen wurden also nicht in einem Massengrab bestattet, sondern einzeln in Gruben gelegt", sagte Genesis. Aufgrund der Malhornware stammen die Toten demnach aus dem 17. Jahrhundert.

Deutschlandweit gab es im Mittelalter Tausende derartige Richtstätten. Die Todesstrafe wurde öffentlich vollzogen, um die Menschen von derartigen Straftaten abzuschrecken.

Quelle: dpa

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