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Sachsen-Anhalt Bei Sehverlust: Berater helfen 2018 rund 2500 Betroffenen

Eine Frau mit einem Blindenstock läuft über den Neumarkt. Foto: Monika Skolimowska/zb/dpa

(Foto: Monika Skolimowska/zb/dpa)

Vom Training mit dem Blindenstock bis zum Smartphone-Stammtisch: Der Blinden- und Sehbehindertenverband hilft, vernetzt und berät etliche Menschen mit Sehverlust. Viele von ihnen treibt eines um: die Angst.

Magdeburg (dpa/sa) - Mehr als 2500 Menschen haben im vergangenen Jahr Hilfe in den Beratungsstellen des Blinden- und Sehbehindertenverbands Sachsen-Anhalt gesucht. Die Anliegen seien sehr vielschichtig gewesen, erklärte der Leiter der Geschäftsstelle in Magdeburg, Bernd Peters. So gebe es etwa Ratsuchende, die kurz zuvor eine Diagnose beim Augenarzt erhielten, aber erst später die Auswirkungen der Augenerkrankung realisierten. Oft gehe es in den Gesprächen darum, den Betroffenen Ängste zu nehmen, erste Fragen zu beantworten und sie individuell zu beraten.

"Wir ersetzen kein Gespräch mit einem Augenarzt, aber wir hören den Menschen genau zu und versuchen ihnen Sorgen zu nehmen", sagte Peters. Die Berater unterstützen die Betroffenen etwa beim Ausfüllen von Anträgen, beispielsweise für einen Schwerbehindertenausweis. Oder sie zeigen ihnen Geräte wie das sogenannte Bildschirmlesegerät, das Texte und Bilder unmittelbar vergrößert und so für Menschen mit einer Sehbehinderung erkennbar macht. Auch Adressen von Optikern, Tipps für den Alltag - etwa, dass Augenärzte Mobilitätstrainings mit dem Blindenstock verschreiben können - oder Kontakte zu einer der 66 Selbsthilfegruppen im Land vermittelt der Verband laut Peters.

Die Beratungen seien unter dem Namen "Blickpunkt Auge" zu finden, erklärte Peters. Die Berater seien vorwiegend selbst von einer Augenerkrankung betroffen. In Sachsen-Anhalt gibt es ihm zufolge vier dieser Anlaufstellen - in Magdeburg, Halle, Dessau-Roßlau und Stendal - sowie ein mobiles Beratungsfahrzeug. Dieses fahre regelmäßig durch das Land und helfe blinden oder sehbehinderten Menschen vor Ort, die ohne fremde Hilfe sonst nur schwer eine Beratungsstelle in der Stadt erreichen könnten.

Darüber hinaus organisiert der Verband verschiedene Veranstaltungen. Vom 18. Oktober an etwa findet in Wernigerode ein bundesweites Skat-Treffen mit speziellen Karten statt. Am 15. Oktober - dem internationalen Tag des weißen Stockes - plant der Verband in Magdeburg eine Aktion gegen zu leise E-Autos. Diese seien von blinden und sehbehinderten Menschen nicht zu hören und somit eine große Gefahr, sagte Peters. Die Teilnehmer setzten sich dafür ein, dass die E-Mobile künftig mit sogenannten Avas-Systemen ausgestattet seien, die Motorgeräusche imitieren.

Auch Filmabende oder Vorträge seien in den kommenden Wochen geplant, erzählte Peters. In Magdeburg und Dessau-Roßlau seien zudem die Smartphone-Stammtische sehr beliebt, bei denen sich blinde und sehbehinderte Menschen über neuste Apps etwa zur Farberkennung von Kleidungsstücken oder über allgemeine Smartphone-Funktionen wie dem Vorlesen von Texten auf den kleinen Geräten austauschen könnten.

Der 1990 gegründete Verband zählt nach eigenen Angaben rund 1000 Mitglieder. Die meisten Beratungen - abgesehen von speziellen Rechtsberatungen - sind kostenlos. Neben den Beratungen und Veranstaltungen setzt sich der Verband auch für aktuelle Belange blinder und sehbehinderter Menschen ein. So kritisiert der Verband derzeit etwa fehlende Lautsprecheransagen am Bahnhof in Halberstadt. Der Tag des weißen Stockes am 15. Oktober fordert mehr Rücksicht für sehbehinderte und blinde Menschen.

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