Regionalnachrichten

Sachsen-Anhalt Kirche auf der einstigen Königspfalz Helfta wird ausgegraben

Blick auf das Zisterzienserinnenkloster St. Marien in Helfta. Foto: Waltraud Grubitzsch/dpa-zentralbild/dpa/Archivbild

(Foto: Waltraud Grubitzsch/dpa-zentralbild/dpa/Archivbild)

Auf dem Gelände der einstigen Königspfalz Helfta wird die Kirche Otto des Großen ausgegraben. Nach Ansicht der Archäologen belegt die Größe des Bauwerks die Besonderheit des Ortes.

Eisleben (dpa/sa) - Die wiederentdeckte Königspfalz Helfta (Landkreis Mansfeld-Südharz) wird in einer Forschungsgrabung des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt erkundet. Archäologen haben zunächst mit der Freilegung der Grundmauern der Kirche Kaiser Ottos des Großen (912-973) begonnen. "Das ist eine prächtige, außergewöhnliche große Kirche, die den Rang dieses Ortes in der Ottonen Zeit belegt", sagte Projektleiter und Archäologe Felix Biermann am Mittwoch. "Mit 30 Meter Länge und etwa 20 Meter Breite hat Otto eine Kathedrale in Kleinformat bauen lassen."

"Mit der Identifizierung der Lage der Kirche und der Pfalz wird eine wichtige landesgeschichtliche Lücke geschlossen", erklärte Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU).

Die Kirche wurde vor 968 gegründet und, so berichtet der zeitgenössische Chronist Thietmar von Merseburg, der heiligen Radegundis, Prinzessin in Thüringen, geweiht. Sie existierte etwa 500 Jahre und wurde in der Reformationszeit abgetragen. "Bei der Kirche sind bislang 70 Gräber und etliche steinerne Grüfte aus dem 10. bis 15. Jahrhundert freigelegt worden", sagte Biermann. "Offensichtlich wurden hier hochrangige Würdenträger, Erwachsene und Kinder bestattet. Es war der Begräbnisplatz für die Adelsgeschlechter der Region.".

An Funden gab es bislang Sargbeschläge, eine etwa drei Zentimeter große Figur aus vergoldeter Bronze. Sie trägt Helm und Schild und war wohl ein Talisman. "Zudem kamen Riemenbeschläge, Gürtelschnallen aus Bronze, Münzen, Messer und diverses Gebrauchsgerät zum Vorschein. Auch zahlreiche Scheibenfibeln aus der Karolinger- und Ottonenzeit, das sind Gewandspangen, aus Bronze, emailliert und mit Glaseinlagen in rechteckiger und kreisförmiger Form, wurden ausgegraben", sagte Biermann.

Ebenso fanden die Experten eine etwa 15 Zentimer große Christusfigur, gefertigt in einer Werkstatt im französischen Limoges aus dem 13. Jahrhundert. "An der Figur ist noch blaue Farbe und Emaille erhalten. Das Gesicht ist vergoldet. Der Kopf ist stark geneigt, ein Zeichen des Leidens und eine Krone auf dem Kopf symbolisiert die Auferstehung", sagte Biermann. "Diese Figur war auf einem Holzkreuz montiert. Der Holzkorpus wurde mit Bronzeblech beschlagen und diente wohl als Prozessions- oder Altarkreuz."

In der Spätzeit hatte sich die Bedeutung von einer Pfalzkirche zu einer lokalen Wallfahrtskirche gewandelt. "Wir haben aus dem 14./15. Jahrhundert etliche Münzen und einen Kachelofen, ferner das Fragment einer Kirchenglocke gefunden", sagte Biermann.

Außer der Kirche gehörten zur Pfalz eine Wohn- und Wirtschaftsbebauung mit Grubenhäusern, außerdem herrschaftliche Wohngebäude und wohl eine Aula, in der Versammlungen stattfanden. "Das Pfalzgelände soll schrittweise freigelegt werden", sagte Biermann. Die Grabungen dauern bis September, sollen aber in den nächsten Jahren fortgeführt werden.

Die lange verschollenen Überreste der Königspfalz auf dem Hügel "Kleine Klaus" stehen seit Anfang Mai im Mittelpunkt der Forschungsgrabung. Der Kernbereich der Pfalz umfasst 12 Hektar. Wiederentdeckt wurde das Gelände im Jahr 2009 durch geomagnetische Prospektion.

© dpa-infocom, dpa:210622-99-100516/4

Regionales
ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.