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Sachsen-Anhalt Medizinischer Dienst: Mehr Menschen pflegebedürftig

Eine Pflegerin hält die Hand einer älteren Dame. Foto: Oliver Berg/dpa/Archivbild

(Foto: Oliver Berg/dpa/Archivbild)

Was kann ein Mensch noch allein, wobei braucht er Hilfe? Der Medizinische Dienst begutachtet Pflegebedürftige und sorgt dafür, dass sie Unterstützung bekommen. Wie lief das im Corona-Jahr 2020?

Magdeburg (dpa/sa) - Der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) hat im vergangenen Jahr mehr Menschen auf ihre Pflegebedürftigkeit hin begutachtet als noch 2019. Es seien knapp 86 700 dieser Gutachten für die Pflegeversicherung durchgeführt worden und damit fast 9900 mehr als im Jahr zuvor, teilte der Medizinische Dienst in Magdeburg auf Nachfrage mit. Bei mehr als 80 000 Frauen und Männern sei tatsächlich eine Pflegebedürftigkeit festgestellt worden. Das seien über 12 000 mehr gewesen als noch 2019. Gut 35 200 Menschen erhielten demnach erstmals einen der fünf Pflegegrade.

Seltener kam es 2020 vor, dass die Gutachterinnen und Gutachter keine Voraussetzungen für eine Pflegebedürftigkeit erkannten. Das sei bei rund 6600 Antragstellerinnen und Antragsteller gewesen nach etwa 8800 im Jahr 2019. Durchschnittlich vergehen bei einem Erstantrag von der Antragstellung bis zum Bescheid 15,1 Arbeitstage, wie der MDK weiter mitteilte. Die Bearbeitungszeiten hätten sich in der Corona-Pandemie nicht verlängert. Weil Fahrtzeiten zu Hausbesuchen weggefallen seien, seien täglich einige Aufträge mehr bearbeitet worden.

Anders als in den vorhergehenden Jahren besuchten die Pflegefachkräfte des MDK die Antragstellerinnen und Antragsteller nur in einem kleineren Teil der Fälle. Wegen der Pandemie wurden die Hausbesuche ab dem 18. März 2020 ausgesetzt. So sollten Gesundheit und Leben der besonders gefährdeten Menschen geschützt werden. Damit sie dennoch die meist dringend benötigten Leistungen aus der Pflegeversicherung erhalten konnten, bearbeiteten die Pflegeexperten die Anträge mittels strukturierten Telefoninterviews. Zuvor wurde den Antragstellern ein Fragebogen zugeschickt, um die Pflege- und Betreuungssituation deutlich zu machen.

"Angesicht dieser nie da gewesenen Situation im Gesundheitswesen, haben wir schnell reagiert und für die Menschen in Sachsen-Anhalt, die einen Antrag auf Pflegeleistungen gestellt haben, eine funktionierende Alternative geschaffen, um die Versorgung zu sichern", erklärte der Geschäftsführer des MDK Sachsen-Anhalt, Jens Hennicke.

Die Hausbesuche seien dann von Ende August bis Ende Oktober wieder aufgenommen worden; gut 3000 Menschen seien in der Zeit besucht worden. Seit Anfang November gibt es wegen der gesetzlichen Kontaktbeschränkungen keine Besuche mehr. Das gelte vorerst bis Mitte März, hieß es.

Insgesamt gibt es fünf unterschiedliche Pflegegrade, je nach Schwere der Pflegebedürftigkeit. 2020 wurde rund 17 Prozent der Begutachteten der geringste Pflegegrad 1 zugesprochen, Pflegegrad 2 war mit knapp einem Drittel der Begutachteten oder rund 27 000 Menschen der häufigste, gefolgt vom Pflegegrad 3 für gut 22 Prozent der Frauen und Männer. Am seltensten wurden der Pflegegrad 4 mit rund 14 Prozent und der höchste Pflegegrad 5 mit knapp 8 Prozent vergeben. Im Vergleich zum Jahr 2019 gab es keine gravierenden Verschiebungen.

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